Wil
2019 hiess es «zu teuer, unnötig, zu kompliziert» – jetzt wird das Abendtaxi trotzdem ausgebaut

Bei der Behandlung des Buskonzepts 2021 verzichteten Stadtrat und Parlament auf die Ausweitung des ÖV-Angebots am Abend. Nun wird sie doch in Angriff genommen. Kein Widerspruch, sagt die Bus Ostschweiz AG. Möglich macht's eine App.

Gianni Amstutz
Drucken
Teilen
Bisher kommt man mit dem Abendtaxi nur vom Bahnhof in die Quartiere.

Bisher kommt man mit dem Abendtaxi nur vom Bahnhof in die Quartiere.

Bild: Gianni Amstutz

Wer von Zuzwil, Bazenheid oder St.Gallen nach Wil fahren möchte, kann das mit Bus oder Zug bis nach Mitternacht tun. Wer hingegen aus einem Quartier zum Bahnhof oder sonst irgendwohin in der Stadt unterwegs ist, für den bietet der innerstädtische ÖV ab 20 Uhr nichts mehr. Das ändert sich bald.

An der Versammlung der IG öffentlicher Verkehr (IGÖV) wurde angekündigt, dass die Abendtaxis bald nicht mehr nur in einer Richtung verkehren. Zurzeit fahren sie die Kundinnen und Kunden nur vom Bahnhof nach Hause. Ab März lassen sie sich auf Abruf auch in die Quartiere bestellen.

Die ÖV-Nutzer dürfte diese Änderung freuen. 2019 entschieden sich Parlament und Stadtrat bei der Behandlung des Bus-Konzepts 2021 aber noch bewusst gegen eine Ausweitung des Angebots in den Abendstunden. Wie also kommt es nun zu diesem Umschwung? Wir stellen die Aussagen aus dem Jahr 2019 den aktuellen Erklärungen der Bus Ostschweiz AG gegenüber.

2019 hiess es, die Ausweitung des Abendtaxis sei zu teuer

Im Buskonzept 2021 war in Bezug auf ein Abendtaxi, das von den Quartieren an den Bahnhof fahren würde, von «massiven zusätzlichen Kosten» die Rede. Damals sei allerdings in Erwägung gezogen worden, die Fahrten zurück zum Bahnhof gemäss einem fixen Fahrplan anzubieten, sagt Hans Koller, Leiter Markt der Bus Ostschweiz AG. Eine solche Lösung wäre tatsächlich nur mit einem deutlich höheren Aufwand zu realisieren gewesen.

Beim neuen Angebot handle es sich dagegen um eine «flexible» Erweiterung des heutigen Abendtaxi-Angebots. Neu müssten alle Fahrten mittels einer App gebucht werden. So könnten die eingesetzten Fahrzeuge auch für andere Fahrten innerhalb des Stadtgebietes, beispielsweise für die Rückfahrt aus den Stadtquartieren zum Bahnhof, gebucht werden, sagt Koller.

«Dadurch wird das Angebot bei annähernd gleichen Kosten gesteigert.»

2019 hiess es, es bestehe kaum Bedarf für die Strecken aus den Quartieren an den Bahnhof

Da der Aufwand für die zusätzlichen Fahrten durch die App-Buchung kaum steigt, können mit dem neuen System auch einzelne Anfragen gut abgedeckt werden. Man habe für das Konzept aber bereits grossen Zuspruch der Bevölkerung erhalten, sagt Koller. Zudem erwarte man, dass sich durch die Angebotsausweitung auch die Nachfrage steigere. Nicht zuletzt werde heute der ökologische Aspekt höher gewichtet, als noch vor zwei Jahren. Darum setze die Bus Ostschweiz AG zur Betriebsaufnahme zwei vollelektrische Fahrzeuge ein. Dabei setzt das ÖV-Unternehmen weiterhin auf die Zusammenarbeit mit dem Umwelttaxi Schwendimann.

2019 hiess es, die Einführung von Fahrten in Gegenrichtung könnte zu Verspätungen am Bahnhof führen

Auch dieses Problem konnte mit der App-Lösung behoben werden. Über die Buchungssoftware werde sichergestellt, dass jede Viertelstunde, natürlich idealerweise zu den Bahnankünften, mindestens zwei Fahrzeuge am Bahnhof stehen, sagt Hans Koller. Zudem liege der Bahnhof zentral, wodurch auf Fahrtwünsche rasch reagiert und eine schnelle Abfahrt zugesichert werden könne.

Aktuelle Nachrichten