Wil

100 Jahre im Einsatz für Menschen in Not: Diakonie der Evangelischen Kirchgemeinde feiert ein besonderes Dienstjubiläum

Die fünf Mitarbeitenden des Diakonie-Teams haben einen grossen Erfahrungsschatz. Die Coronapandemie stellt aber auch für sie eine grosse Herausforderung dar.

Gianni Amstutz
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So lange sind sie schon für die Diakonie der Evangelischen Kirchgemeinde zuständig: Caroline Matter, Brigitte Witzig, Max Schoch, Ursula Möck Zuber und Thomas Gugger (von links).

So lange sind sie schon für die Diakonie der Evangelischen Kirchgemeinde zuständig: Caroline Matter, Brigitte Witzig, Max Schoch, Ursula Möck Zuber und Thomas Gugger (von links).

Bild: PD

Denkt man an die Kirche, kommen vielen Menschen wohl als Erstes Gottesdienste in den Sinn. Doch die Verkündung der Bibel ist nur ein Teil der Arbeit der Landeskirchen. Im Rahmen der Diakonie setzen die Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen das Wort Jesu und dabei insbesondere das Gebot der Nächstenliebe in die Tat um.

So bietet die Evangelische Kirchgemeinde Erwachsenenbildung an, führt Sozialberatungen durch, betreibt Jugendarbeit, organisiert die Lebensmittelabgabestelle Poschtitäsche, führt Hausbesuche bei Senioren in Wil durch und vieles mehr. Diakon Thomas Gugger sagt:

«Ob Jugendarbeit, Erwachsenenbegleitung oder Seniorendienste: Die Diakonie hilft dort, wo Menschen Unterstützung benötigen oder in Not sind.»

Die Kirche übernimmt damit Aufgaben, für die dem Staat die Kapazität fehlt. Denn obwohl das Evangelium die Grundlage für diese Arbeit bildet, richtet sich das Angebot an alle Menschen. Viele Personen , die beispielsweise zu den Treffen oder Beratungsgesprächen kämen, seien keine klassichen Gottesdienstgänger, sagt Diakonin Brigitte Witzig.

Fünf Mitarbeitende mit 100 Jahren Erfahrung

In diesem Jahr feiert das Diakonie-Team der Evangelischen Kirchgemeinde Wil ein spezielles Dienstjubiläum. Zusammengerechnet sind die fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit genau 100 Jahren im Einsatz für Menschen in Not.

Das Team der Diakonie bilden:

  • Thomas Gugger (Erwachsenenarbeit, 30,5 Jahre)
  • Max Schoch (Jugendarbeit, 30,5 Jahre)
  • Ursula Möck Zuber (Seniorenarbeit/Sozialdiakonie, 31 Jahre)
  • Brigitte Witzig (Erwachsenenarbeit, 6 Jahre)
  • Caroline Matter (2 Jahre, Jugendliche/junge Erwachsene) 

Die Diakonie sei im Kern ein ganzheitlicher Dienst am Mitmenschen auf der Grundlage des Evangeliums, sagt Thomas Gugger. Früher habe es verschiedene Wege gegeben, diesen Beruf zu erlernen, heute sei das Ganze im Zuge der Bolognareform vereinheitlicht worden.

Nebst der Ausbildung zum Sozialdiakon ist neu im Studiengang eine staatliche Anerkennung in Gemeindeanimation integriert. Dieser wird wahlweise vollzeit oder in einem Teilzeitstudium mit einer praktischen Ausbildung angeboten. Dafür bietet die Kirchgemeinde Wil jeweils Ausbildungsplätze an.

Ein Engagement, das sich für beide Seiten lohne, sagt Brigitte Witzig. Durch den Austausch mit den Auszubildenden sei man stets auf dem Laufenden, worauf im Studium wert gelegt werde und bleibe so auch selbst auf dem neusten Stand.

Das Team als Rückhalt

Aktuell absolviert Caroline Matter den praktischen Teil ihrer Ausbildung bei der Evangelischen Kirchgemeinde Wil und ist begeistert. Erst durch die praktische Anwendung des Gelernten mache das Studium Sinn, sagt sie. Ausserdem erhalte sie in Wil durch das im Vergleich mit anderen Kirchgemeinden grosse Team immer Unterstützung, könne gleichzeitig aber auch selbstständig Verantwortung übernehmen.

Auch die festen Mitglieder des Teams streichen die Bedeutung des gegenseitigen Austauschs untereinander hervor. Zwar habe jeder seinen eigenen Aufgabenbereich, doch man arbeite Tür an Tür und könne sich so immer gemeinsam besprechen, sind sich die Diakoninnen und Diakone einig.

Coronapandemie fordert die Diakonie

Besonders wertvoll war die Teamarbeit in diesem Jahr. Denn dieses war auch für die Diakonie eine grosse Herausforderung. Die Coronapandemie führte dazu, dass Gruppenanlässe abgesagt, die Lebensmittelabgabestelle vorübergehend geschlossen werden musste. Thomas Gugger sagt:

«Wir haben immer wieder nach Wegen gesucht, wie wir unseren Dienst für Menschen in Not trotzdem weiterführen konnten.»

Das habe viel Kreativität und Energie benötigt, doch gerade in dieser Zeit sei die Arbeit der Diakonie enorm wichtig. Denn die Not der Menschen sei durch die Krise noch grösser geworden.

So habe man beispielsweise die Lebensmittelabgabestelle mit einem Schutzkonzept zwischenzeitlich wieder öffnen können. Auch das Weihnachtsfest, welches die Evangelische Kirchgemeinde jedes Jahr für einsame Menschen organisiert, habe man in angepasster Form durchführen wollen.

Nun war unter den neuen Auflagen auch das nicht möglich. Eine Absage, die Thomas Gugger besonders schmerzt, denn er weiss, was es für diese Menschen bedeutete, dass sie das Weihnachtsfest alleine verbringen mussten.

Ein absoluter Traumberuf

Obwohl es also auch in diesem Beruf schwierige Momente gibt, sprechen die Diakoninnen und Diakone von einem absoluten Traumberuf. «Es gibt keinen schöneren Beruf», sagt Gugger. Die Arbeit mit Menschen sei spannend, herausfordernd und jeder Tag biete etwas Neues.

Das sieht auch Marcel Urban so, der im Januar zum Team stösst, da Ursula Möck Zuber pensioniert wird:

«Diakonie, das ist Arbeit für und mit den Menschen.»

Im Januar übernimmt er den Bereich Jugendarbeit von Max Schoch, der sich künftig der Seniorenarbeit und Sozialdiakonie widmet. Mit diesem Wechsel rüstet sich das Diakonie-Team für die Zukunft. Denn auch künftig wird ihre Arbeit nötig sein und den Menschen in Not wo immer nötig Unterstützung bieten.