Wieso Braunau weniger Geld bekommt

BRAUNAU. Der Kantonsbeitrag an die kleine Gemeinde Braunau hat sich für 2015 - verglichen mit dem Vorjahr - um rund einen Drittel verringert. Noch immer erhält die Hinterthurgauer Kommune aber knapp 150 000 Franken, obwohl es ihr gut geht. Auch mehr wäre möglich.

Simon Dudle
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David Zimmermann Gemeindepräsident Braunau (Bild: Donato Caspari)

David Zimmermann Gemeindepräsident Braunau (Bild: Donato Caspari)

Die Braunauer sind am reichsten im Kanton Thurgau – und zwar mit Abstand. Die ergibt sich aus dem statistischen Jahrbuch des Kantons, wenn man die Nettoverschuldung pro Einwohner für 2014 heranzieht. Würde man das Vermögen der Gemeinde auf die rund 800 Einwohnerinnen und Einwohner aufteilen, gehörten jeder Person fast 6500 Franken. Damit wird selbst Salenstein in den Schatten gestellt, wo jeder Bewohner gut 4400 Franken bekommen würde.

Da erstaunt es auf den ersten Blick, dass Braunau auch noch vom kantonalen Finanzausgleich profitiert. Dieser ist dafür da, dass sich finanzstarke und -schwache Gemeinden untereinander aushelfen. Auf der Geberseite standen vergangenes Jahr 17 Gemeinden, auf der Nehmerseite deren 45.

Viel Land, wenig Bewohner

Dieser Finanzausgleich ist mehrstufig aufgebaut. Geld gibt es zum Beispiel für flächenmässig grosse Gemeinden mit wenigen Einwohnern zur Erhaltung und Erweiterung der Infrastruktur oder für Gemeinden mit einer unterdurchschnittlichen Steuerkraft. Und genau in diesen beiden Punkten ist die einwohnermässig kleinste Kommune des Bezirks Münchwilen tangiert. Die Steuerkraft pro Einwohner lag vergangenes Jahr in Braunau bei 1580 Franken pro Person und damit fast 400 Franken unter dem kantonalen Mittel. Bei der Einwohnerdichte ist der Vergleich noch deutlicher. In Braunau wohnt pro Hektare Land nicht einmal eine Person. Im Kanton Thurgau sind es ziemlich genau drei Einwohner.

Keine Steuerfusserhöhung

Die 148 282 Franken, welche die Gemeinde für das laufende Jahr vom Kanton deshalb bekommt, sind etwa ein Drittel weniger als im Vorjahr, als es noch 234 501 Franken gegeben hatte. Gemeindepräsident David Zimmermann erklärt: «Zwei Hauptpunkte machen den Unterschied. Einerseits hat unser Steuerertrag pro Einwohner deutlich zugenommen auf 1580 Franken pro Person. Anderseits gibt es nun einen Abzug, wenn man einen Steuerfuss von unter 50 Prozent ausweist.» Braunau hat einen Steuerfuss von 49 Prozent. Würde dieser auch nur knapp erhöht, gäbe es zusätzliches Geld vom Kanton.

Genau dies ist aber nicht geplant. Der Braunauer Finanzplan sieht vor, den Steuerfuss bis auf weiteres unter der 50-Prozent-Marke zu belassen. «Ausser es kommen neue Unwetter. Dann müssten wir schauen», sagt Zimmermann. Aus seiner Sicht ist die Feineinstellung des Finanzausgleichs noch nicht der Weisheit letzter Schluss, und an der Justierung müsse noch geschraubt werden. Da das Thurgauer Finanzhaushaltsgesetz alle vier Jahre überprüft wird, dürfte dies früher oder später auch geschehen.