AUFSTIEGSRENNEN
Kehrt der FC Uzwil nach über 40 Jahren in die 1.Liga zurück? Ein historischer Rückblick auf die vergangenen drei Aufstiege

Der FC Uzwil könnte am Samstagabend zum vierten Mal nach 1972, 1977 und 1979 in die 1.Liga aufsteigen. Ob Bruno Dudli, der bei allen drei Exploits dabei war – oder die Aufstiegsspiele beim Sportplatz an der Flawilerstrasse mit bis zu 2600 Zuschauern: Die Rückschau auf die vergangenen drei Aufstiege ruft einige interessante Details in Erinnerung.

Tim Frei
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Zoltan Farkas (in Weiss) und der FC Uzwil stehen kurz davor, Klubgeschichte zu schreiben.

Zoltan Farkas (in Weiss) und der FC Uzwil stehen kurz davor, Klubgeschichte zu schreiben.

Bild: Tim Frei (Widnau, 13. Juni 2021)

Wenn die Amateurfussballer am Wochenende die letzte Meisterschaftsrunde dieser Saison bestreiten, steht aus regionaler Sicht vor allem das Aufstiegsrennen in der 2. Liga interregional im Fokus. Der Leader FC Uzwil würde mit einem Sieg in Bassersdorf definitiv in die 1.Liga aufsteigen. Und auch der FC Henau hat beste Chancen auf die Promotion – mit einem Auswärtssieg gegen Romanshorn II würde der Sprung von der 3. in die 2.Liga gelingen.

Am Samstag ab 18 Uhr im Liveticker: Uzwil zu Gast in Bassersdorf

Die Aufstiegschancen des Leaders FC Uzwil sind sehr gut, nimmt er die letzte Meisterschaftsrunde in der 2.Liga interregional doch mit einem Vorsprung von zwei Punkten auf die Verfolger Kreuzlingen und Amriswil in Angriff. Dennoch wird Uzwil am Samstag beim abstiegsbedrohten FC Bassersdorf wohl einen Sieg brauchen, dürfte sich Kreuzlingen doch beim abgeschlagenen Letzten United Zürich kaum eine Blösse geben. Ein Uzwiler Sieg in Bassersdorf ist aber absolut realistisch. Während sie keine ihrer elf Partien verloren haben, verloren die Zürcher schon acht Mal.

Steigt der FC Uzwil in die 1. Liga auf? Wir berichten am Samstagabend ab 18 Uhr unter www.wilerzeitung.ch mit einem Liveticker aus Bassersdorf. (red)

Für Uzwil wäre es der vierte Aufstieg in die 1.Liga seit 1972, 1977 und 1979. Der dritte und letzte liegt also 42 Jahre zurück.

Überlegener Gruppensieg beim ersten Aufstieg

Auf die Saison 1971/1972 hin kam es in der ersten Mannschaft des FC Uzwil zu einem Trainerwechsel: Der 26-jährige Ernst Wild wurde Nachfolger von Kurt Schadegg, der zum NLA-Klub St.Gallen wechselte. Wild kannte die Verhältnisse im Verein als Uzwiler und ehemaliger Spieler bestens, was sich auszahlen sollte. Unter dem jungen Coach blieb das Team in 36 Spielen hintereinander (Meisterschaft und Cup) ungeschlagen – eine Parallele zur heutigen Mannschaft, die in der 2. Liga interregional noch immer unbesiegt ist.

Zurück zu damals, als es für einen Sieg nur zwei statt drei Punkte gab: Mit 37 Zählern aus 20 Partien, einem Torverhältnis von 62:13 und einem Vorsprung von sechs Punkten auf den Zweiten Arbon holte sich Uzwil überlegen den Gruppensieg in der 2. Liga. In die Aufstiegsspiele mit den anderen Gruppenersten starteten die Uzwiler fulminant: Brugg besiegten sie daheim mit 5:0 – dank dem vierfachen Torschützen Bruno Dudli, der bei allen drei Aufstiegen dabei war.

Nach einem 1:1 in Rebstein und einer 1:3-Auswärtsniederlage gegen Brugg musste die letzte Partie gegen Rebstein entscheiden. Die Uzwiler gewannen das Spiel am 2. Juli 1972 auf dem Sportplatz an der Flawilerstrasse vor 2600 Zuschauern dank drei Toren von Gust Furrer mit 3:1 – der erstmalige Aufstieg in die 1.Liga war geschafft.

Wiederaufstieg im zweiten Jahr unter Spielertrainer Peter Güggi

Im Herbst 1972 feierte Uzwil unter Ernst Wild mit dem Cup-Achtelfinaleinzug einen weiteren Meilenstein. Auswärts gegen den damaligen NLA-Klub FC Winterthur hielt sich der Unterklassige wacker und hatte Pech mit einem Lattenschuss, sodass schliesslich eine 0:2-Niederlage resultierte.

In der dritten 1.-Liga-Saison, 1974/75, musste Uzwil den Abstieg hinnehmen. So kam es in der folgenden Spielzeit zu einem Trainerwechsel – der NLA-erfahrene Spieler Peter Güggi übernahm das Amt von Wild. Güggi, der als Spielertrainer fungierte, führte Uzwil im ersten Jahr auf Rang drei hinter Weinfelden und Amriswil.

In der darauffolgenden Saison qualifizierte sich das Team mit sieben Punkten Vorsprung auf Weinfelden zum zweiten Mal souverän für die Aufstiegsspiele. Dabei zeigte die Equipe eine starke Reaktion auf die 0:2-Auftaktniederlage in Vaduz: Daheim gegen Emmen siegte sie dank des Siegtreffers in der 91. Minute durch Bruno Scherrer 4:3. Es folgte ein weiterer Heimsieg (3:1) gegen Vaduz vor 1800 Zuschauern. Das letzte Spiel in Emmen ging zwar mit 1:2 verloren, am Ende reichte dies aber im Jahr 1977 dennoch zum Wiederaufstieg.

Heutiger Trainer Armando Müller war beim dritten Aufstieg dabei

Dieses Mal hielten sich die Uzwiler nur eine Saison in der 1.Liga. Doch genauso schnell ging es 1979 wieder zurück: In den Aufstiegsspielen gegen Armonia Lugano, Küsnacht und Altstätten gelang den Uzwilern, die weiterhin von Peter Güggi trainiert wurden, zusammen mit den Rheintalern der Aufstieg.

Teil des damaligen Teams war ein gewisser Armando Müller, der heute Trainer der ersten Mannschaft und Sportchef ist. Beim dritten Mal hielten sich die Uzwiler am längsten in der 1.Liga – erst nach der fünften Saison 1983/84 ging es runter.

Ein Vergleich von damals und heute ist schwierig

Sollte Uzwil in die 1.Liga zurückkehren: Wie wäre dies einzustufen? Ein Vergleich mit den bisherigen Aufstiegen ist schwierig– dies nicht nur, weil sich der Fussball weiterentwickelt hat. Einerseits war die 1. Liga damals die dritthöchste Liga, die heutige 1. Liga Classic ist hingegen die Nummer vier hinter der Super League, Challenge League und Promotion League. Andererseits wird das Niveau in der 1. Liga heute höher eingeschätzt, weil viele Nachwuchsteams von Profivereinen dabei sind. Zudem spielen auf dieser Stufe viele einstige Talente, die den Durchbruch in den Nachwuchsabteilungen von Klubs aus der Super und Challenge verpasst haben. Ein Aufstieg wäre dennoch einer der grössten Erfolge der Vereinsgeschichte des FC Uzwil.

Quelle: 100 Jahre FC Uzwil. Jubiläumsschrift 1911–2011. Verfasser: Walter Knellwolf.

Die Partien der letzten Meisterschaftsrunde

– 2. Liga inter (Gruppe 6), Samstag (alle 18.00): Bassersdorf – Uzwil. Wil U20 – Weesen. Widnau – Bazenheid. United Zürich – Kreuzlingen. Seuzach – Amriswil. Calcio Kreuzlingen – Chur.
– 2. Liga regional (Gruppe 2), Samstag (alle 16.00): Uzwil II – Sirnach. Bronschhofen – Winkeln. Eschenbach – Schmerikon. Wängi – Wattwil Bunt. Frauenfeld – Abtwil-Engelburg. Rapperswil-Jona II – Linth II.
– 2. Liga Frauen, Sonntag (beide 14.00) Linth-Schwanden – Uzwil. Bütschwil – Thusis-Cazis.
– 3. Liga (Gruppe 3), Sonntag (alle 16.00): Romanshorn II – Henau. Fortuna SG – Zuzwil. Weinfelden-Bürglen – Bischofszell. Neukirch-Egnach – Tägerwilen. Wittenbach – Besa. Kreuzlingen II – Brühl II.
– 3. Liga (Gruppe 4), Sonntag (alle 16.00): Flawil – Gossau II. Münchwilen – Tobel-Affeltrangen. Dussnang – Neckertal-Degersheim. Aadorf – Netstal. Herisau – Uznach. Glarus – Ebnat-Kappel.