Wieder in Arbeitsmarkt integrieren

Im Arbeitsintegrationsprogramm Esra-Recycling beschäftigen sich die Teilnehmenden mit dem Zerlegen von Elektro- und Elektronikschrott. Organisation und Betriebsabläufe in den ehemaligen Fabrikhallen in Sirnach sind neu strukturiert. Die Qualität konnte gesteigert worden.

Philipp Stutz
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Das Sortieren und Zerlegen von Elektroschrott bildet Hauptbeschäftigung im Arbeitsprogramm Esra. (Bilder: Philipp Stutz)

Das Sortieren und Zerlegen von Elektroschrott bildet Hauptbeschäftigung im Arbeitsprogramm Esra. (Bilder: Philipp Stutz)

SIRNACH. Elektroschrott stapelt sich in den Räumen. Neben ausgedienten Computern und Druckern wird ungebrauchtes Material wie etwa Toner angeliefert, das sich noch in der Originalverpackung befindet. «Das Zerlegen erfordert viel Handarbeit», sagt Marco Dörig. Er ist Geschäftsführer der Stiftung Zukunft Thurgau, die das Arbeitsintegrationsprogramm Esra in Sirnach im Juni dieses Jahres übernommen hat. «Wir unterstützen Stellensuchende in ihrer beruflichen und sozialen Integration», umschreibt Dörig das Ziel. Diese Menschen haben über die Regionale Arbeitsvermittlungsstelle (RAV) und die Sozialämter der Gemeinden den Weg ins Integrationsprogramm gefunden.

«Eher schlecht als recht»

Um die Arbeitsabläufe und die Organisation zu verbessern, nahm die Stiftung die Dienste Ernst Bichsels in Anspruch, der Mitglied von Adlatus ist. Bichsel übernahm im Frühjahr interimistisch die Standortleitung und löste die bisherige Führung ab. «Wir standen in einer Umbruchphase», erinnert er sich: «Strukturen fehlten weitgehend, die Leitung war überfordert.» In den Werkhallen bestanden verschiedene Betriebe: eine Elektro- und Veloreparatur-Werkstatt sowie eine Schreinerei, die laut Bichsel «eher schlecht als recht» geführt worden seien. Eine Schliessung von Esra sei zur Debatte gestanden, doch habe man sich auf das Zerlegen von Elektroschrott konzentriert. Mit Erfolg: habe doch eine Art Kulturwechsel stattgefunden. Die Qualität der Arbeit habe zugenommen, sagen Bichsel und Dörig übereinstimmend. Und seit Oktober ist mit Martin Aebischer ein neuer Betriebsleiter im Einsatz. «Die Chancen für den Zerlegungsbetrieb stehen gut», zeigt sich Marco Dörig optimistisch.

Tagesstruktur schaffen

Im Arbeitsprogramm Esra werden Arbeitslose und Ausgesteuerte während maximal sechs Monaten beschäftigt. Es sei wichtig, Männern und Frauen unterschiedlichen Alters wieder eine Tagesstruktur zu geben, und viele seien dankbar dafür, betont Dörig. Wer sich aber nicht an die Regeln halte und beispielsweise wiederholt zu spät zur Arbeit erscheine, habe mit Sanktionen zu rechnen. Bildung und Coaching der meist wenig qualifizierten Teilnehmer – viele verfügen über keine Berufsausbildung – gehören dazu, etwa beim Verfassen von Bewerbungen und bei der Arbeitsvermittlung. Oder im psychosozialen Bereich wie beispielsweise bei Alkohol- und Drogenabhängigkeit.

«Es handelt sich um Hilfe zur Selbsthilfe», sagt Marco Dörig. Es gelte, die Eigenmotivation zu fördern. «Menschen müssen Verantwortung übernehmen.» Obwohl die Eingliederung immer anspruchsvoller wird, soll die Quote von 45 auf 50 Prozent gesteigert werden. Für jene, die nicht integriert werden können, muss mit dem RAV oder dem Sozialamt eine Anschlusslösung gefunden werden.

Marco Dörig, Geschäftsführer Stiftung Zukunft Thurgau (links), und Ernst Bichsel von der Unternehmensberatung Adlatus.

Marco Dörig, Geschäftsführer Stiftung Zukunft Thurgau (links), und Ernst Bichsel von der Unternehmensberatung Adlatus.