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Der Helm ist jetzt Pflicht: Wie sich die Arbeit der Maurer in den letzten 100 Jahren verändert hat

1919 machte sich Maurer Mathäus Mahler in Uzwil selbstständig. 100 Jahre später blickt Enkel Markus zurück.
Zita Meienhofer
Kurt (links) und Markus Mahler blicken auf eine 100-jährige Firmengeschichte zurück. (Bilder: PD)

Kurt (links) und Markus Mahler blicken auf eine 100-jährige Firmengeschichte zurück. (Bilder: PD)

Maurer, ein Beruf, der in den vergangenen 100 Jahren keine grossen Veränderungen erfuhr. «Gebaut wird immer noch mit Mörtel und Stein», sagt Markus Mahler, «verändert haben sich die Hilfsmittel.» Einerseits sind heute Lastwagen und Krane im Einsatz, anderseits werden Wasser und Sand nicht mehr von Hand gemischt, sondern der Beton wird fertig angeliefert.

Neubau einer Käserei zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Neubau einer Käserei zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Markus Mahler, der seit 1991 mit seinem Bruder Kurt die Gebr. Mahler AG in Uzwil führt, zeigt auf ein Foto von Anfang des letzten Jahrhunderts, das eine Käserei in Bau zeigt. Um den Beton mit einer Schubkarre in die oberen Stockwerke zu befördern, wurde eine Rampe gebaut. Zur Baustelle gelangten die Handwerker zu Fuss. Auf einem Handwagen führten sie das benötigte Material mit. Wurden grössere Mengen Stein, Kies oder Sand gebraucht, organisierte Grossvater Mahler einen Landwirt, der mit Pferd und Wagen das Material auf die Baustelle transportierte.

Mathäus Mahler, 1881 in der Nähe von Neu-Ulm geboren, zog 18-jährig nach Niederuzwil zu seinem Onkel. Dort arbeitete er beim Zementer Meier als Maurer sowie Zementierer. 1913 gründete er eine Familie. Während des Ersten Weltkrieges hatte er in seiner ehemaligen Heimat Wehrdienst zu leisten, kehrte bei Kriegsende jedoch wieder zu seiner Familie zurück. Diese Rückkehr war dann zugleich der Schritt in die Selbstständigkeit. Ein Jahr danach, 1920, kam Max Mahler, der Vater von Markus und Kurt, auf die Welt.

Monatelang bis zu den Hüften im Wasser

Das Mahler-Team mit Chef Mathäus Mahler (rechts) auf einer Baustelle in den 1940-er Jahren.

Das Mahler-Team mit Chef Mathäus Mahler (rechts) auf einer Baustelle in den 1940-er Jahren.

Wenn ein Maurer gebraucht wurde, war Mathäus Mahler zur Stelle. Hausbauten, Stallbauten, Sanierungen oder auch Brunnenfassungen. Markus Mahler erinnert sich an die Erzählungen seines Vaters:

«Grossvater stand monatelang bis zu den Hüften im Wasser, weil er Brunnenfassungen erstellte»

Da während des Zweiten Weltkrieges der Beton rationalisiert war, baute Mathäus Mahler aus der gleichen Menge Beton drei statt zwei Häuser. Die Qualität schien trotzdem nicht allzu schlecht gewesen zu sein, denn Markus Mahler weiss: «Diese Häuser stehen heute noch: am Feldhofweg in Henau.» Damals war die Firma Mahler vor allem in der Gemeinde tätig. «Heute sind wir überall», sagt Markus Mahler. In der jetzigen Zeit spielen vor allem die Beziehungen zu Architekten und Bauherren eine bedeutende Rolle, um Aufträge zu erhalten. Da wird auch ein weiterer Anfahrtsweg in Kauf genommen.

Bevor Max Mahler in das Unternehmen seines Vaters eintreten konnte, hatte er während des Zweiten Weltkrieges Militärdienst zu leisten. Danach arbeitete er einige Jahre als Polier beim Bau einer Kraftwerkzentrale im Berner Oberland. Gleichzeitig absolvierte er die Bauschule in Aarau und schloss sie als Maurermeister ab. 1956 übernahm er schliesslich das väterliche Maurergeschäft mit 17 Mitarbeitenden.

Historische Fresken entdeckt und Skelett gefunden

Max Mahlers Firmenauto war ein weisser VW-Käfer. Das Geschepper des Anhängers am «Käfer», wenn er morgens auf die Baustellen fuhr, soll jeweils viele Niederuzwiler geweckt haben. «Ausserdem hat das Gefährt jeweils als Einsatzfahrzeug der Feuerwehr gedient haben», weiss Markus Mahler. Musste sein Vater ausrücken, montierte er das Blaulicht auf das Dach. Max Mahler war nicht nur aktiver Feuerwehrmann, er interessierte sich auch für die Geschichte und Kultur seiner Wohngemeinde. Deshalb engagierte er sich im Verein Kulturgut Uzwil und war einige Zeit deren Präsident. Er war es auch, der bei der Sanierung der Kirche Henau 1938 als Lehrling historische Fresken an der Gewölbedecke entdeckte und 1946 in der Baugrube beim Uzehof 1946 ein Skelett fand.

Kurz bevor Markus Mahler 1961 geboren wurde, verstarb Grossvater Mathäus. Markus Mahler und seine drei Brüder Kilian, Peter und Kurt waren eng vertraut mit dem väterlichen Geschäft. Markus und Kurt wählten schliesslich die Möglichkeit, das väterliche Geschäft zu übernehmen. Markus Mahler schloss eine Lehre als Vermessungszeichner sowie als Maurer ab und absolvierte anschliessend die Bauführerschule. Kurt Mahler erlernte den Beruf des Maurers und absolvierte die Polierschule. 1989 kehrte Markus Mahler nach Wanderjahren nach Hause zurück und übernahm 1991 die Leitung der Firma. Im gleichen Jahr verstarb Max Mahler. Damals wurden vier Kundenmaurer beschäftigt, heute sind bei der Gebr. Mahler AG 36 Mitarbeiter tätig. Von 1924 bis 1994 war der Werkhof an der Schmidstrasse 7 beheimatet, heute steht er an der Bahnhofstrasse 169.

Nach 96 Jahren: neues Logo, neue Ausrichtung

Gerändert haben sich nicht nur die Hilfsmittel, geändert haben sich auch die Sicherheitsvorschriften. «Als ich in die Lehre eintrat», so Markus Mahler, «kam die Vorschrift, dass Helme getragen werden müssen.» Anfang der 2000er-Jahre habe dann die Suva durchgegriffen, so der Unternehmer, allmählich sei es fast etwas zu viel des Guten mit all den Regeln. Vor vier Jahren wagten die Gebrüder Mahler einen Schritt. Die Philosophie des Unternehmens wurde geändert. «Komplett am Bau» heisst der Slogan, der zum neuen Logo gesetzt wurde. Er soll den Kunden sagen, dass bei Mahler alles aus einer Hand zu haben ist: Beratung, Erfahrung, Wissen, Qualität – vor allem auch bei Sanierungen.

«Das ist wichtig, denn gebaut wird voraussichtlich nicht mehr so viel auch schon, weil Grünflächen immer spärlicher werden.»

Sorgen macht dem Unternehmer jedoch mehr die Tatsache, dass die Maurerlehrstellen nicht mehr besetzt werden können. Zurzeit macht ein Asylsuchender ein Praktikum damit er nachher eine Attestlehre absolvieren kann. Es schmerzt ihn, dass der Beruf bei den Jugendlichen nicht mehr gefragt ist. «Dabei ist er so vielseitig.» Das bezeuge die Anzahl langjähriger Mitglieder, erklärt der Unternehmer.

Ob bald die vierte Generation Mahler übernehmen wird, lässt Markus Mahler offen. Einzig sein Sohn Max hat das Handwerk erlernt, ist heute als Bauführer auswärts tätig. «Wir hätten Freude, wenn er in die Firma eintreten würde», sagt Markus Mahler, «aber ihm stehen alle Türen offen.»

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