Wie schnell doch die Zeit vergeht

Für die Drittrealschüler der «Uzeschuel» beginnt nach den Sommerferien der «Ernst des Lebens». Am Dienstag feierten sie im Gemeindesaal das Ende ihrer obligatorischen Schulzeit. Das Unterhaltungsprogramm bot Witz, Tanz und Musik.

Manuel Gemperli
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Uzwil. «Kommen wir zum Thema Allgemeinbildung», kündet die Lehrerin an und fährt fort: «Wie heisst das neue Natel von Sony Ericsson?» Wie aus der Pistole geschossen gibt ihr ein Schüler die – natürlich – richtige Antwort. «Und wie heisst die Hauptstadt der Schweiz?» Das wusste dann niemand mehr, was die Lehrerin aber nicht so schlimm fand: «Ich weiss es ja auch nicht.» Was? So sieht heute die Schule aus? Wir hoffen es nicht, aber einen Kern Wahrheit kann man der natürlich übertriebenen

Persiflage auf die heutige wie auch auf die frühere Schulzeit nicht absprechen, die an diesem Abend einer der Höhepunkte des Programms war. Auf der einen Seite die betont coolen, äusserst frechen Schüler von heute, auf der anderen Seite Zucht und Ordnung, notfalls auch mit Schlägen durchgesetzt.

Wie sich die Dinge ändern

«Schule im Wandel der Zeit» hiess das Thema des Abends, und so nahmen die Schüler der ersten und zweiten Realklassen, die das Programm unter der Leitung von Thomas Jenni durchführten, die Gäste mit auf eine Zeitreise.

Sie rockten in Elvis-Manier, huldigten den Hip-Hop-Anfängen im Adidas-Outfit von Run DMC oder tanzten zum Techno, der die Neunziger dominierte. Sie zeigten aber auch mit einem Augenzwinkern auf, wie sich die Bildungsphilosophie während der letzten Dekaden veränderte. Die gleiche Rechenaufgabe zum Gewinn eines Kartoffelbauern wurde für jedes Jahrzehnt neu verfasst, was zu einigen witzigen Stilblüten führte. So musste in den Achtzigern dem Gewinn natürlich auch «die Gewinnin» gegenübergestellt werden.

In den Neunzigern hiessen Kartoffeln dann «subterrane solanum tuberasum», und der Blick ins Jahr 2020 zeugte nicht gerade von Optimismus: «Sorrie, es gipt kaine gardoffeln mär!» hiess es da. Keine Kartoffeln, keine Rechtschreibung: oh weh!

«Es war ne geile Zeit»

Dann ergriff Jürg Winiger das Wort und der Abschied von seinen Schülern schien ihm nicht leicht zu fallen.

«Ich habe die Sonnenbrille aufgelegt, damit man meine Tränen nicht sehen kann», sagte er zu Beginn seiner Abschiedsrede, während Fotos der abtretenden Schüler aus ihrer Zeit an der «Uzeschuel» auf eine Leinwand projiziert wurden. Auch auf diesen Bildern sah man den Wandel der Zeit. Die Schüler waren kaum wiederzuerkennen, wenn man sie an diesem Abend in ihrer schicken Garderobe sah. Sehr erwachsen wirkten sie.

Jürg Winiger dankte seinen Lehrerkollegen genauso wie den Eltern für die Zusammenarbeit und verabschiedete seine Schüler mit besten Wünschen. Diese wiederum betraten zum Abschluss auch selbst noch die Bühne und sangen das Lied «Geile Zeit» von Juli. «Es war ne geile Zeit, doch es ist vorbei» hiess es da, und manch einer schien den Tränen nahe bei diesen Zeilen. An die Zeit an der «Uzeschuel» werden sie wohl noch länger zurückdenken.