«Wie können Sie posten gehen?»

Als Teil der Vorbereitung auf den Weissen Sonntag besuchten Kinder der Seelsorgeeinheit Uzwil und Umgebung das Kloster Glattburg. Sie erfuhren, wie hier die Hostien gebacken werden.

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uzwil/Oberbüren. Schwester Scholastika schöpfte eine Kelle des flüssigen Hostienteiges, strich sie an einer kleinen, mit Klammern am Teigbecken befestigten Stange ab und leerte die Masse vorsichtig in die Mitte des Backeisens. Die Kinder standen im Kreis darum herum, dahinter die Erwachsenen. Während es zwischen den heissen Platten zischte, erklärte die Benediktinerin, wie sie den Teig verarbeitet. Sr. Petra erzählte derweil einer anderen Gruppe, wie es aus den gebackenen Hostienblättern kleine und grosse Hostien gibt. Zum Abschluss durften die Kinder Fragen zum Klosterleben stellen.

Hostien genau betrachtet

Ein paar Mal im Jahr empfangen Sr. Petra – «ich bin mit 42 Jahren die Jüngste» – und Sr. Scholastika Gruppen von angehenden Erstkommunikanten. «Mehr können wir nicht nehmen, sonst kommen wir gar nicht mehr zum Backen», sagte Sr. Petra zum Abschluss, nachdem sie mit Geduld, Herzlichkeit und einer natürlichen Autorität die vielen Fragen der Kinder beantwortet hatte. Sie schaffte es, dass sich die Kinder intensiv mit den Hostien, mit denen sie bald die Verbindung mit Jesus eingehen werden, auseinandersetzten. Ganz genau schauten die Kinder hin, welche Zeichen und Linien auf den Hostien sind, überlegten lange, wie der Kasten heisst, in dem die konsekrierten Hostien aufbewahrt werden. Mit dem Tresor lagen sie daneben, aber der Tabernakel passte. Sie erfuhren, dass die Hostien einzeln mit einer alten Maschine ausgestanzt und in verschieden grosse Schachteln abgepackt werden.

Wie ein Omelettenteig

Die Priesterhostien stanzt Sr. Petra mit einem alten Eisen aus. Ein Stück, das mit grosser Sorgfalt behandelt wird. «Was machen Sie, damit es Ihnen nicht langweilig wird?», fragten die Kinder Sr. Scholastika, die alle drei Minuten Teig auf das Eisen leerte, das Eisen zusammendrückte, wartete bis Luft und ein Teil des Wassers verdampft war, dann das Eisen ganz schloss, die Zeit notierte und nach 120 Sekunden das Eisen wieder öffnete. Sie müsse bei der Sache sein, sagte sie, und sie könne auch den Rosenkranz dazu beten. «Stört Sie das Zischen nicht, und ist das Hostienblatt nicht heiss, wenn Sie es rausnehmen?», waren weitere Fragen zur Herstellung. Die Kinder, die von ihren Katecheten/-innen und ein paar Eltern begleitet wurden, durften von den Oblaten versuchen, die aus Weissmehl und Wasser hergestellt werden. Und: «Ja, vor hundert Jahren hat man die Hostien fast gleich gemacht», wusste die Schwester am Hostieneisen.

Das Geheimnis des Darunters

Sr. Petra stellte sich nach dem Einblick in die Hostienbäckerei den vielen Fragen der Kinder, die vor ihr auf dem Boden sassen. Einst seien 43 Schwestern im Kloster Glattburg gewesen, jetzt seien es noch elf. Eine davon sei Novizin. Jahreszahlen musste Sr. Petra nachlesen, doch vom Anliegen, in ihrem Leben ganz für Jesus Christus da zu sein und von der ewigen Anbetung erzählte sie mit Überzeugung.

Das Leben im Kloster beeindruckte die Kinder. Sie überlegten, wie der Alltag ausschauen könnte, fragten auch wie eingekauft werde, wenn sie nicht weggingen, warum sie so ein «Dingsda» auf dem Kopf trage und eine schwarze Kutte und was denn darunter sei. Sr. Petra schien auf die Frage gewartet zu haben und verriet, dass sie Leggings, Socken und ein farbiges Sweatshirt trage. «Haben Sie so etwas wie eine Mutter?», fragte ein Kind. Sr. Petra freute sich darüber und erklärte die Aufgabe der Mutter Äbtissin. «Sie ist die Chefin; sie ist aber auch wie eine Mutter für uns», erklärte sie. Sie wünschte den Kindern beim Abschied, dass sie den Weg mit Jesus auch nach der Erstkommunion weitergehen, damit er in ihr Leben kommen könne und – «ein rauschendes Fest». (ibe.)

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