Wie in Flawil 12'000 Eier pro Stunde in bunten Farben erblühen

In der neuen Eierfärbeanlage der Lüchinger + Schmid AG in Flawil werden pro Jahr 25 Millionen Eier gekocht und gefärbt. Ein Blick hinter die Kulissen offenbart Spannendes: Zum Beispiel, dass Eier nicht bloss bunt bemalt werden, um das Auge zu erfreuen.

Tobias Söldi
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78 Spritzpistolen färben rund 12000 Eier pro Stunde. (Bild: PD)

78 Spritzpistolen färben rund 12000 Eier pro Stunde. (Bild: PD)

Die Maschinen laufen auf Hochtouren. Hunderte Eier sausen über die Fliessbänder, werden kontrolliert, von Saugnäpfen angehoben, verschwinden in grossen Kästen und werden von Spritzpistolen mit verschiedenen Farben eingesprüht. Es ist ein maschineller Prozess, laut, schnell und ratternd, irgendwo zwischen Lebensmittelverarbeitung und Autolackiererei. Am Ende stehen gekochte, bunt bemalte und verpackte Eier.

Zweischichtig und am Samstag arbeiten

Daniel Rüegg, CEO der Lüchinger + Schmid AG

Daniel Rüegg, CEO der Lüchinger + Schmid AG

In den Wochen vor Ostern werden bei Lüchinger + Schmid in Flawil gegen zwölf Millionen Eier gekocht und gefärbt – das ist etwa die Hälfte der 25 Millionen Eier, die das Unternehmen jährlich in ein farbiges Kleid hüllen kann. Daniel Rüegg, CEO des Unternehmens, sagt dazu am Dienstag, als der Betrieb zur offiziellen Eröffnung ihrer neuen Eierfärbeanlage geladen hat:

«Vor Ostern arbeiten wir doppelschichtig und produzieren auch am Samstag.»

An diesem Tag werden die Eier mit der Methode der Spritzfärbung bearbeitet: Während filigrane Greifärmchen jeweils ein Ei festhalten und es um deren eigene Achse drehen, schwenkt ein Rahmen mit darauf befestigen Spritzpistolen auf und ab und spritzt bunte Farben auf das runde Weiss. Drei Spritzstationen durchlaufen die Eier: Die erste Phase dient der Grundierung, in der zweiten können vier übereinanderliegende Farben aufgetragen werden, und in der dritten werden die Eier mit verschiedenen Mustern, etwa Kreisen oder Ringeln, verziert. 78 kleine Farbpistolen können in einer Stunde 12000 Eier bemalen.

Individualität statt Masse

Ein noch grösserer Output ist mit der sogenannten Rollfärbung möglich, der anderen Eierfärbe-Technik. Dabei werden die Eier über in Farbe getränkte Moos-Gummi-Matten gerollt. So können sogar 16000 Eier pro Stunde gefärbt werden, allerdings weniger individuell als mit der Spritzfärbung. Bei Schmid + Lüchinger werden deshalb fast 80 Prozent der Eier mit der Spritztechnik gefärbt. Überhaupt erfährt sich Letztere in der Schweiz höhere Beliebtheit, während international vor allem die Rolltechnik zum Einsatz kommt.

Im Rohlager warten die Eier darauf, gefärbt zu werden. (Bilder: Tobias Söldi)
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Saugnäpfe heben die fragile Fracht auf die Fliessbänder.
78 Spritzpistolen färben rund 12000 Eier pro Stunde. (Bild: PD)
Eine bunte Parade.
Gleich nach dem Färbeprozess führt die Reise in den Kühlkanal (hinten).
Danach sind die Eier bereit, verpackt zu werden.
In einem letzten Schritt werden die Eier für den Transport in den Detailhandel vorbereitet.
Daniel Rüegg, CEO der Lüchinger+Schmid AG.

Im Rohlager warten die Eier darauf, gefärbt zu werden. (Bilder: Tobias Söldi)

Die Farbe auf den Eiern erfreut aber nicht nur das Auge, sondern erfüllt auch einen ganz praktischen Zweck. «Wenn wir ein Ei kochen, waschen wir die äusserste Schutzschicht ab», erklärt CEO Daniel Rüegg. «Damit ist das Ei nicht mehr gleich gut geschützt und Bakterien können eindringen.» Deshalb werden die Eier auch erst unmittelbar vor der Färbung gekocht. Je nach Grösse werden sie dafür während acht bis zwölf Minuten durch heisses Wasser geführt. Der Kochprozess, welchen die Eier mit einer Kerntemperatur von 90 Grad verlassen, hat einen weiteren Vorteil: «Unsere Lacke funktionieren nur auf heissem Grund», sagt Rüegg. Die aufgetragene Farbe ist für Konsumenten harmlos. Es wird ausschliesslich Lebensmittelfarbe verwendet.

Mit dem spitzen Ende «tütschen»

Sind die Eier gefärbt, gelangen sie für eine halbe Stunde in den verglasten Kühlkanal, wo eine Art Lift sie auf und ab bewegt. Nachdem sie den Kühlturm verlassen, werden sie verpackt – ebenfalls automatisch – und für den Transport in die Regale der Detailhändler vorbereitet.

Früher oder später wird die bunte Oberfläche der Eier aber Risse zeigen, spätestens dann, wenn die inneren Werte locken. Daniel Rüegg hat einen Tipp für die Ostertage bereit:

«Am erfolgreichsten ‹tütscht› man mit dem spitzen Ende des Eis. Auf der anderen Seite befindet sich nämlich eine kleine Luftmasse unter der Eierschale.»

350 Kubikmeter Holzschnitzel als Biofilter

Lüchinger + Schmid ist eines der führenden Schweizer Produktionsunternehmen für Eier und Eiprodukte. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Kloten gehört zu der Micarna-Gruppe der Migros und hat rund 120 Angestellte. 25 davon arbeiten in Flawil, wo jährlich rund 80 Millionen Eier sortiert, kontrolliert, gekocht und seit kurzem auch gefärbt werden. Im Februar hat das Unternehmen die neue Eierfärberei in Betrieb genommen. Mit der neuen Anlage konnten acht Arbeitsplätze geschaffen werden. Besonders macht die neue Anlage des Unternehmens auch der Biofilter zur Abluftreinigung. Notwendig ist dieser, weil für die Färbung der Eier auf Ethanol basierende Farben verwendet werden. Der Biofilter besteht aus 350 Kubikmeter Holzschnitzel, in welchem Mikroorganismen Schadstoffe und geruchsaktive Substanzen in Wasser und CO2 abbauen. (tos)