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Wie es um kleine Fliessgewässer steht: Die Meinungen gehen auseinander

«Nichts Gravierendes» gebe es zu vermelden, was den Zustand der kleineren Fliessgewässer in der Region betrifft. Dies ist vom kantonalen Amt für Wasser und Energie zu hören. Die Umweltschutzorganisation Pro Natura ist da ganz anderer Meinung.
Richard Clavadetscher
Ausser Hitze und Trockenheit setzen den kleineren Fliessgewässern auch Nährstoffe und Pestizide zu. (Bild: Donato Caspari)

Ausser Hitze und Trockenheit setzen den kleineren Fliessgewässern auch Nährstoffe und Pestizide zu. (Bild: Donato Caspari)

Trockenheit und Hitze haben das Interesse der Öffentlichkeit vermehrt auf die Oberflächengewässer gelenkt. Dies, weil diese Gewässer in den vergangenen Tagen und Wochen für jedermann ersichtlich zum Teil massiv weniger und zu warmes Wasser führten oder gar ganz austrockneten. Einmal abgesehen von der Thur und von der gegenwärtigen Extremsituation, wie ist denn der Zustand der kleineren Fliessgewässer in der Region?

Um es vorweg zu nehmen: Die Antworten fallen unterschiedlich aus – je nach Adressat der Frage. Stellt man sie etwa dem kantonalen Amt für Wasser und Energie, ist eher Beruhigendes zu hören. Der Zustand dieser kleineren Fliessgewässer sei «den extremen Umständen entsprechend gut», sagt etwa der Hydrologe Marcel Schirmer. Natürlich sei es so, dass bestimmte Lebewesen in diesen Gewässern aufgrund der hohen Temperaturen absterben würden, aber dies treffe gleichzeitig eben auch etwa auf unerwünschte Arten von Bakterien zu, welche durch die starke Sonneneinstrahlung abgetötet werden könnten. So habe das Amt Wasser und Energie in summa «nichts Gravierendes» zu vermelden, das über die Folgen von Hitze und Trockenheit hinausginge, sagt Schirmer. Dies insbesondere auch deshalb, weil die Leistung der Abwasserreinigungsanlagen sehr gut sei.

Algen und der Sauerstoff

Das zurzeit starke Algenwachstum sieht Schirmer ebenfalls nicht nur negativ. Es lasse zwar «die Gewässer schlecht aussehen», vergessen ginge jedoch, dass Algen dem Wasser beim Absterben nicht nur Sauerstoff entzögen, sondern zuvor auch welchen produzierten und dem Wasser für ihr Gedeihen Nährstoffe entzögen – nicht nur eine negative Bilanz somit.

Andere Antworten sind etwa bei der Umweltorganisation Pro Natura zu erhalten – auch wenn sie sich nicht speziell auf kleinere Fliessgewässer in der Region Wil, sondern ganz allgemein auf solche im Mittelland beziehen. Pro-Natura-Biologe Urs Tester kommt zu einem weit weniger günstigen Ergebnis: «Gesunde kleinere – das heisst immer sauerstoffreiche – Fliessgewässer sind im Mittelland sehr selten.» Dies gelte unabhängig von den gegenwärtig extremen Witterungsverhältnissen. Die Region Wil zählt er dabei topografisch zum Mittelland.

Wie kommt Tester zu dieser Einschätzung? Um die Qualität von kleineren Fliessgewässern zu beurteilen, werde nicht etwa – wie vom Laien vermutet – auf den Fischbestand geschaut. Es seien Kleinlebewesen wie etwa Flohkrebse, Stein-, Eintags- und Köcherfliegen sowie Strudel- und Fadenwürmer, deren Präsenz zur Bestimmung der ökologischen Qualität eines solchen Gewässers herangezogen werde.

Dabei gelte, dass das Vorkommen der Steinfliegen auf eine sehr gute Wasserqualität hindeute, jenes von Eintags- und Köcherfliegen auf eine gute Qualität. Gebe es in einem Bach auch Wasserasseln, sei er ökologisch von schlechter Qualität. Sehr schlecht sei die Qualität beim Vorkommen des Schlammröhrenwurms und von Rattenschwanzlarven.

Aufgrund dieser Kriterien sei den meisten kleineren Fliessgewässern im Mittelland kein gutes Zeugnis auszustellen. Hauptproblem sei die Sauerstoffarmut. Dass zu wenig Sauerstoff im Wasser ist, hat zwar auch mit der Hitze zu tun, denn warmes Wasser bindet weniger Sauerstoff als kühles. Über die jahreszeitlichen Temperaturschwankungen des Wassers hinaus ist für Tester der Nährstoffreichtum der Gewässer das Problem. Aus der Landwirtschaft stammende Nitrate seien dafür ursächlich. Sie liessen etwa Algen wachsen, deren Absterben dem Wasser Sauerstoff entziehe. Anders als Schirmer sieht er dies als Problem. Sehr schädlich sind laut Tester auch die Pestizide – ob sie nun aus Haushalten, dem Gewerbe oder der Landwirtschaft stammten. Die Kleinlebewesen im Gewässer reagierten empfindlich darauf, würden schnell absterben. «Damit fehlen sie dann in der Nahrungskette.»

Zu wenig naturnahe Verläufe

Und schliesslich verweist der Pro-Natura-Biologe darauf, dass immer noch viele Bäche begradigt seien. Bei verstetigter Fliessgeschwindigkeit und ohne die Möglichkeit des Überströmens von Abstürzen und Steinen sei dem Wasser damit die Möglichkeit entzogen, zusätzlichen Sauerstoff aufzunehmen. Zu viele Nährstoffe und Pestizide, zu wenig naturnahe Bachverläufe – um unsere kleineren Fliessgewässer wieder in einen gesunden Zustand zurückzuführen, wird es also noch einiges an Anstrengung brauchen.

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