Wie ein altes Ehepaar: Zwei Flawiler Richter stehen seit Jahrzehnten gemeinsam auf der Bühne

Am Freitag präsentiert das Kabarettistenduo «Weniger Egli» sein neues Bühnenprogramm. Es dreht sich um sie selber. Und um Flawil.

Tobias Söldi
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Daniel Weniger (links) und Wolfgang Egli dort, wo die Musik spielt: in ihrem Studio in Flawil. (Bilder: Tobias Söldi)

Daniel Weniger (links) und Wolfgang Egli dort, wo die Musik spielt: in ihrem Studio in Flawil. (Bilder: Tobias Söldi)

Dass sie interessanter sind, als sie selber gedacht haben, diese Erkenntnis haben Daniel Weniger und Wolfgang Egli, bescheiden wie sie sind, einem Aussenstehenden zu verdanken: dem Theaterregisseur Paul Steinemann. Mit ihm haben sie ihr neues, zweites Bühnenprogramm «Alles aber besser» auf die Beine gestellt.

Das Urteil des Regisseurs ist nachvollziehbar: Die beiden 61-Jährigen machen seit Jahrzehnten zusammen Musik, leben mit ihren Familien im gleichen Haus in Flawil, arbeiten beide Büro an Büro als Richter im Kreisgericht Wil und stehen seit 2014 als satirisches Kabarettistenduo «Weniger Egli» auf der Bühne. Daniel Weniger sagt:

«Diese Konstellation scheint die Leute einfach zu interessieren. Was für uns völlig normal ist, finden viele spannend.»

Die gemeinsame Biografie als roter Faden

Zum Beispiel drängt sich die Frage auf, wie das geht. Wie zwei Freunde von Kindesbeinen an Zeit miteinander verbringen können, ohne einander überdrüssig zu werden. «Wir gehen uns erschreckend wenig auf die Nerven», sagt Wolfgang Egli. Ein Streit zwischen ihnen sei wie ein Gewitter, das einige Tropfen ablasse, dann aber zügig Richtung Alpstein verschwinde. Das poetische Bild, das Gitarrist Egli verwendet, verrät ganz nebenbei: Er schreibt Texte und Songs. Daniel Weniger spielt Bass und wirkt im Hintergrund als Arrangeur, Produzent und Organisator. «Die Rollenverteilung ist klar. Wie in einer erprobten Ehe», lacht Weniger.

Oder wie Richterrobe und Gitarre zusammengehen. Egli trennt die beiden Welten bewusst voneinander. «Nur schon wegen des Amtsgeheimnisses.» Aber, gibt er zu, natürlich bekomme er hin und wieder tolle Geschichten zu Ohren. Sein Kollege sieht es ein bisschen anders: Gericht und Kabarett hätten mehr miteinander gemeinsam, als man auf den ersten Blick meinen könnte.

«Beides hat mit der Sprache zu tun. Und irgendwie ist doch auch das Gericht eine Bühne.»

Die Erkenntnis von der eigenen Interessantheit bildete den Ausgangspunkt für das neue Programm «Alles aber besser», das am Freitag Premiere feiert. Nach anfänglicher Skepsis – «Geben unsere Personen wirklich so viel her?» – liess sich das Duo von Regisseur Steinemann davon überzeugen, die eigene Biografie zum roten Faden durch das Programm zu machen. Über 20 neue Songs sind so in den letzten zwei Jahren entstanden, über «Liebe, Leben, Tod, Geburt, Politik, Alltagstragik und -komik».

Erfolglosigkeit als Erfolgsrezept

Das neue Programm ist aber nicht nur eines über Weniger und Egli, sondern auch eines über Flawil – zwangsläufig, ihre Geschichte lässt sich nicht trennen vom Dorf. Dem Flawiler Rehwald haben sie bereits ein musikalisches Denkmal gesetzt, mit «Alles aber besser» werden sie Flawil noch bekannter machen. «Wir outen uns im Programm als bekennende Flawiler.» Die Bescheidenheit Flawils begeistert sie, die finden sie «sympathisch.» Es ist ihnen lieber, als wenn das Städtchen übermässig viel auf sich halten würde. Und so halten sie es auch mit sich selber. Ihr Erfolgsrezept sei die «relative Erfolglosigkeit.»

«Wir sind keine Profis, haben keine Agentur, sondern spielen in der Challenge League. Dafür sind wir auch weniger Druck ausgesetzt.»

Trotzdem haben sie sich über die Jahre einen Namen in der Kleinkunstszene erspielen können und sind schon auf Bühnen von Basel bis St.Gallen gestanden. Und aktuell seien sie so intensiv dran wie noch nie seit der Gründung vor fünf Jahren.

Unterhaltsam, bissig und philosophisch

Irgendwann haben sie genug geredet. Daniel Weniger packt seinen roten Bass, Wolfgang Egli seine akustische Gitarre, und dann singen sie gemeinsam von Urs, der von einem Konkurs gebeutelt wird, abstürzt, sich wieder aufrappelt  – bis der nächste Konkurs hinter der Ecke lauert. Ein kurzes Lied, gleichermassen unterhaltsam, bissig und nachdenklich.

Und philosophisch. Eigentlich handle das Stück davon, dass es im Leben doch darum gehe, einen Ort und eine Situation zu finden, die für einen stimmt – anstatt ständig mit dem Kopf schon an einem anderen Ort zu sein, bei der Arbeit schon die Beförderung, die nächste Stelle vor Augen zu haben. «Einen Song spielen und dann einen Abend lang darüber diskutieren, das wäre das Ziel», sagt Wolfgang Egli lachend.

Satirischer Blick

In ihrem neuen Programm «Alles aber besser» nehmen Daniel Weniger und Wolfgang Egli den Alltag und die Politik satirisch aufs Korn: Wie soll man als gewöhnlicher Mittel-Europäer und Liedermacher auf all das reagieren, was man gemeinhin als «Leben» bezeichnet? Premiere ist am nächsten Freitag, 15. November, um 20 Uhr im katholischen Pfarreizentrum Flawil im Rahmen des SpurBar-Kulturprogramms. Letzte Tickets gibt es unter www.spurbar.ch. Für die weiteren Auftritte, unter anderem in Gossau, siehe www.wenigeregli.ch. (pd)