Wie der Quartierverein Wil West mit Unterstützung von Energiestadt Wil jenen hilft, die zu Hause bleiben müssen

Der Quartierverein Wil West organisiert Nachbarschaftshilfe. Die Helfenden sind neu mit dem Cargobike unterwegs.

Gianni Amstutz
Merken
Drucken
Teilen
Quartiervereinspräsident Guido Bünzli und Helferin Ulrike Hintze freuen sich über die Unterstützung von Energiestadt Wil.

Quartiervereinspräsident Guido Bünzli und Helferin Ulrike Hintze freuen sich über die Unterstützung von Energiestadt Wil.

Bild: PD

Die Coronakrise schränkt die Gesellschaft zwar stark ein, bringt aber vielerorts auch Heldinnen und Helden des Alltags zum Vorschein. Eine von ihnen ist Ulrike Hintze. Sie ist eine von 14 Helferinnen und Helfern des Quartiervereins Wil West. Diese tätigen Einkäufe, gehen zur Apotheke und zur Post und erledigen, was sonst noch anfällt für jene Menschen, die das in der aktuellen Situation nicht mehr selbst tun können.

Hintze arbeitet normalerweise als Coiffeuse, kann dies aufgrund der Coronapandemie aktuell nicht tun. Für sie war es deshalb sofort klar, dass sie ihre freie Zeit dafür nutzen würde, anderen zu helfen als sie angefragt wurde.

Auch der soziale Aspekt ist wichtig

Zurzeit hilft sie bei drei Haushalten, darunter ist ein älteres Paar, aber auch eine Familie mit einem Kind, das zur Risikogruppe zählt. Zweimal pro Woche geht sie für diese Personen zur Post oder erledigt Einkäufe. Bei Bedarf bestellt sie für technisch wenig affine auch etwas übers Internet oder bringt Zeitungen und Zeitschriften vorbei. Etwas Abwechslung und Unterhaltung sei schliesslich wichtig, sagt sie.

Um das Social Distancing einzuhalten, stelle sie die Einkäufe jeweils vor die Tür. Trotzdem sei es ihr ein Anliegen, auch den sozialen Austausch zu pflegen – natürlich mit der nötigen räumlichen Distanz. Besonders für alleinstehende Menschen sei dies wichtig.

Ulrike Hintze ist bei ihren Einsätzen aufgefallen, dass es vielen Leuten schwerfällt, Hilfe anzunehmen. Sätze wie «Macht Ihnen das wirklich keine Umstände?» höre sie oft.

Auch habe sie in ihrem Umfeld festgestellt, dass einige ältere Personen noch immer möglichst alles selbst erledigen wollten. Sie würden dann jeweils sagen, dass sie sich noch fit fühlen. «Das ist aber keine Frage von körperlicher Fitness. Man muss keine Hemmungen haben, sich helfen zu lassen.» Es gebe viele Leute, die das gerne tun und nun auch genug Zeit dafür haben.

Das sieht auch Guido Bünzli, Präsident des Quartiervereins so. Die Solidarität sei spürbar und der Zusammenhalt im Westquartier werde gestärkt. «Die Hilfesuchenden schätzen das Angebot sehr.» Jemand habe als Dank für die Unterstützung beispielsweise einen Kuchen gebacken und ihn den Helfenden vor die Tür gestellt.

Koordiniert wird die Nachbarschaftshilfe in Zusammenarbeit mit dem Zivilschutz. Dieser meldet dem Quartierverein, wenn jemand Hilfe in Anspruch nehmen möchte. Dasselbe gilt für die Pro Senectute.

Energiestadt Wil leistet Unterstützung

Das Engagement des Quartiervereins blieb auch von der Stadt nicht unbemerkt. So hat die Energiestadt Wil den Helfenden ein E-Cargobike, das normalerweise vermietet wird, kostenlos zur Verfügung gestellt. Dies, um den Heimlieferservice bei den Einkaufsfahrten zu unterstützen.

Im Grunde sei dies ein klassisches Smart-City-Projekt, sagt Stefan Grötzinger, Energiebeauftragter der Stadt. Dieses stelle nicht Technik, sondern den Menschen in den Mittelpunkt, biete eine rasche Lösung und erhöhe die Lebensqualität der Anwohner des Westquartiers.