Wie der Papst den Zug verschläft

Sieben Studentinnen und Studenten brachten etwas Pädagogik und viel Slapstick ins «Rössli» nach Mogelsberg. Als die «Monstarz» zeigten sie Theater von der sportlichen Seite, bei dem das Publikum das Programm bestimmte.

Olivia Hug
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Der Papst sprintet auf den Zug: Tinu Keller als Zug, Seraina Keller als Papst und Stephanie Angst als Katze. (Bild: Olivia Hug)

Der Papst sprintet auf den Zug: Tinu Keller als Zug, Seraina Keller als Papst und Stephanie Angst als Katze. (Bild: Olivia Hug)

MOGELSBERG. Das Pädagogische daran sei, wird Tinu Keller später sagen, dass man lernt mit Fehlern umzugehen. Und ungeachtet derer einfach weiterzumachen. Dabei sieht sich das Publikum am Freitagabend im «Rössli»-Saal kaum mit Fehlern der jungen Schauspielerinnen und Schauspieler konfrontiert. Allerdings müssen sich die Zuschauerinnen und Zuschauer bei der Veranstaltung von «Kultur in Mogelsberg» auf derart vieles konzentrieren, dass der eine oder andere Lapsus locker übersehen und überhört werden konnte. Sofern es denn tatsächlich einer war und nicht als solcher zum Programm gehörte. Im letzteren Fall war das Publikum angehalten, den vermeintlichen Lapsus lautstark mit «oje oje» zu quittieren.

Fabios Welle

Die Zuschauerinnen und Zuschauer der Theatersport-Aufführung der sieben Studentinnen und Studenten der Pädagogischen Hochschule in St. Gallen (PHSG) sind den ganzen Abend über gleichermassen gefordert. Sie können sich nicht einfach entspannt zurücklehnen, sich's gemütlich machen und das Improvisationstheater, in dem zwei Gruppen in neun Disziplinen gegeneinander antreten, passiv geniessen. Sie haben allerhand zu tun; müssen die Sieger küren, genau hinschauen und hinhören, die Nachbarin massieren, Marionette führen, Titel für die einzelnen Szenen bestimmen sowie Fabio auffordern, eine Welle zu starten, so denn die Situation eine Welle erfordert. Ganz zu schweigen von Fabio in der ersten Reihe, der konzentriert die Ohren zu spitzen hat und, sobald er seinen Namen hört, die Welle starten muss.

Improvisieren üben

Die Zuschauerinnen und Zuschauer dürfen staunen und lachen ob der Aufführung der als «Monstarz» und «Improt» auftretenden Studententeams. Lachen, weil sich aus den für alle Anwesenden überraschenden Situationen noch überraschendere Wendungen ergeben. Und staunen, weil die Darsteller so agil, eingespielt und wortgewandt darauf reagieren. Dabei kenne man sich noch gar nicht so lange, sagt der Ganterschwiler Student Tinu Keller später. «Wir spielen erst seit kurzem in dieser Formation.» Entstanden ist die Gruppe aus dem Freifach Theatersport an der Pädagogischen Hochschule. Dass man so eingespielt wirkt, liege am gemeinsamen, effektiven Proben. Improvisation proben? Keller bestätigt dies, differenziert jedoch: «Du kannst – unabhängig von einer bestimmten Situation – üben, auf jemanden einzugehen, seine Mimik zu deuten, dessen Gestik zu interpretieren und spontan darauf zu reagieren.»

Ratloser Erfinder

Und das Publikum macht es den jungen Leuten wahrlich nicht einfach, wenn es die Titel oder Genres vorgibt. Oder wie stellt man eine «indonesische Hausgeburt» als Diavortrag dar, erklärt man allein anhand der Pantomime des Mitspielers eine Erfindung, die man gemacht hat, aber nicht kennt – oder mimt in 7,5 Sekunden den Papst, der den Zug verpasst, weil er verschlafen hat? Das alles und die Fähigkeit der Studentinnen und Studenten darauf zu reagieren, machen den Abend kurzweilig und unterhaltsam und vor allem immer wieder überraschend. Nicht zuletzt ist man gar nicht unglücklich darüber, nicht selber auf der Bühne stehen, reagieren, interpretieren und agieren zu müssen. Vielleicht Fehler zu machen und nichtsdestotrotz immer weiterzumachen.

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