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Wie begleitet man sterbende Menschen? Der Dokumentarfilm «Sub Jayega» sucht nach dem Sterbeparadies

Der Dokumentarfilm «Sub Jayega» setzt sich mit der Palliative-Care-Medizin in Australien, Indien und der Schweiz auseinander. Im Cinewil beantworteten der Filmemacher Fabian Biasio und der Palliative-Care-Mediziner Daniel Büche Fragen des Publikums.
David Grob
Der Filmemacher als Protagonist: Fabian Biasio filmt sich, wie er filmt. Eine Einstellung aus dem Dokumentarfilm. (Bild: PD)

Der Filmemacher als Protagonist: Fabian Biasio filmt sich, wie er filmt. Eine Einstellung aus dem Dokumentarfilm. (Bild: PD)

Am Anfang steht der Tod des Vaters. Bilder des sterbenden Mannes – dünn, eingefallenes Gesicht, schwach – erscheinen auf der Leinwand im dunklen Saal. Fabian Biasios Vater starb im Unispital in Zürich, in einem Zimmer mit Blick auf einen Parkplatz. Biasios Stimme erklingt aus dem Off:

«Ich hätte mir einen würdigeren Tod für meinen Vater gewünscht.»

Fabian Biasio sucht in seinem Dokumentarfilm «Sub Jayega» nach dem Paradies zum Sterben. Der Filmemacher setzt sich mit der Thematik der Palliative-Care-Medizin auseinander, also der professionellen medizinischen Begleitung von Sterbenden und ihren Angehörigen. Der Film wurde ermöglicht durch Palliative CH, der schweizerischen Gesellschaft für palliative Medizin. Am Dienstag zeigte das Cinewil den Film in einem vollbesetzten Saal. Im Anschluss an die Vorführung fand ein Podium mit dem Filmemacher und Daniel Büche, dem leitenden Arzt für Palliative Care des Kantonsspitals St. Gallen, statt.

Ein Thema, das interessiert: Das Publikum stellte viele Fragen an den Filmemacher (Mitte) und Daniel Büche, Arzt für Palliative Care. (Bild: David Grob)

Ein Thema, das interessiert: Das Publikum stellte viele Fragen an den Filmemacher (Mitte) und Daniel Büche, Arzt für Palliative Care. (Bild: David Grob)

Die Suche führt nach Australien und Indien

Die Suche des Filmemachers startet an einem Palliative-Care-Kongress in Bern. «Unser Defizit beträgt 5000 Franken pro Fall», rechnet Steffen Eychmüller, Professor für Palliative-Care-Medizin vor. Sterben als Defizit? Diese Frage wirft Biasio in seinem Film auf. Seine Suche nach dem idealen Ort zum Sterben, wo die Frage nach dem Geld eine untergeordnete Rolle spielt, führt ihn nach Australien und Indien.

Australien gilt als Vorreiter in der Palliative Care. Die Unterschiede zur Schweiz wirken nicht frappant. Und doch scheint den Sterbenden mehr Zeit und Ruhe gewährt zu werden. Die Kosten bleiben stärker ausgeblendet. Rund sechzig Prozent kommen durch Spenden zusammen. Der Staat übernimmt den Grossteil der Restkosten. Und doch ist die Pflege auf die Arbeit vieler freiwilliger Helfenden angewiesen.

Biasio reist weiter in den indischen Bundesstaat Kerala. Hier werden im Projekt Institute of Palliative Medicine Pflegefachfrauen ausgebildet, sodass viele Dörfer über ausgebildetes Fachpersonal verfügen. Biasio zeichnet das Bild einer Gesellschaft, in der die Pflege sterbender Menschen eine Angelegenheit der Gemeinschaft aus Verwandten, Freunden und Nachbarn ist. Er zeigt sich beeindruckt von der Allgegenwärtigkeit des Todes in der hinduistischen Gesellschaft. «Sub Jayega» – «alles vergeht»: Die Hindi-Redewendung lieh dem Film den Titel.

Unmittelbarkeit als Anspruch

Der 43-Jährige setzt in seinem Erstlingswerk auf eine starke Ästhetik. Sein Hintergrund als Fotoreporter ist jederzeit spürbar in Bildern, die eine unmittelbare Nähe zu den porträtierten Figuren schaffen. Biasios Suche ist durch ein persönliches Interesse geprägt. Dies zeigt sich auch in der formalen Umsetzung. Immer wieder tritt Biasio mit der Kamera ins Bild und wird somit als Protagonist greifbar. Der Filmemacher filmt sich, wie er filmt. Damit verwendet Biasio einen Ansatz des Dokumentarfilms, der sich «Cinema verité» nennt: unmittelbare Wahrheit als Anspruch. Biasio erklärt auf Nachfrage:

«Ich wollte keinen Film für ein Fachpublikum schaffen, sondern für Laien.»

Erst in der Zeit, als sein Vater im Sterben lag, habe er sich mit der Palliative-Care-Medizin auseinandergesetzt. So versteht er seinen Film auch als Aufklärungsfilm. Gelungen ist ihm dies offensichtlich. Das Thema bewegt: Der Saal ist gefüllt, das Publikum beteiligt sich rege an der Diskussion.

Hinweis
Das Cinewil führt «Sub Jayega» an fünf weiteren Terminen vor:
- Sonntag, 24. März, 11 Uhr
- Montag, 25. März, 20.15 Uhr
- Mittwoch, 27. März, 18 Uhr
- Samstag, 30. März, 11 Uhr
- Sonntag, 31. März, 18 Uhr.

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