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Wie aus einer vermeintlichen Listenfüllerin eine Parlamentarierin wurde: Manuela Ebneter rückt für die FDP nach

Vor den Wahlen 2016 hatte Manuela Ebneter nicht damit gerechnet, dereinst im Wiler Stadtparlament zu politisieren. Dorthin rückt sie nun aber für Mario Breu nach – und will sich als liberale Stimme einbringen.
Gianni Amstutz
Manuela Ebneter nimmt für die FDP den Platz von Mario Breu im Stadtparlament ein. (Bild: Gianni Amstutz)

Manuela Ebneter nimmt für die FDP den Platz von Mario Breu im Stadtparlament ein. (Bild: Gianni Amstutz)

Manuela Ebneter ist eine Liberale durch und durch. Das wird im Gespräch mit der Neo-Parlamentarierin schnell deutlich. Beim Thema Steuersenkung etwa ist sie voll auf Parteilinie. Und auch sonst weicht sie kaum davon ab. Das schätzt sie auch selbst so ein.

«Es kommt praktisch nie vor, dass ich völlig anderer Meinung bin als die Partei.»

Nach einer kurzen Pause fügt sie aber an: «Vielleicht in Umweltfragen.»

Dort wünscht sich Ebneter von der FDP eine aktivere Rolle. Wie die jüngste Umfrage unter den Mitgliedern zeigt, liegt sie auch damit im Einklang mit der Parteibasis. Fast 80 Prozent fordern ein stärkeres Engagement der FDP in diesem Bereich. Wer jetzt aber deswegen eine linke Politik von der Bronschhoferin erwartet, irrt.

Mehr Sorge zur Umwelt tragen, das befürwortet sie, jedoch müssten die Massnahmen auch für die Unternehmen verträglich sein, sagt sie. «Dabei braucht es sicher Kompromisse.» Solche zu schmieden und Lösungen über Parteigrenzen hinaus zu finden, in dieser Rolle scheint sich Manuela Ebneter als Mittepolitikerin zu sehen.

Dabei kommt ihr auch ihr beruflicher Hintergrund zugute. 23 Jahre war sie im Aussendienst als Kundenberaterin für die Zürich Versicherung tätig. Seit diesem Jahr ist Ebneter nun für ein Unternehmen tätig, das neue Lösungen zur Wasseraufbereitung anbietet. In ihrer beruflichen Vergangenheit war es im weitesten Sinn also stets ihre Aufgabe, mit Argumenten bedarfsgerecht zu überzeugen um für ihre Lösungsvorschläge einen Abnehmer zu finden. Waren dies im Beruf Kunden, werden es im Parlament die Mitglieder anderer Parteien sein.

Sie tritt in grosse Fussstapfen

In acht Tagen nimmt die 59-Jährige zum ersten Mal Einsitz in der Wiler Legislative. Dorthin rückt sie für den zurückgetretenen Mario Breu nach.

Das sind grosse Fussstapfen, war Breu Fraktionspräsident sowie Wortführer der Partei und trat oft mit dezidierten, ja teils kämpferischen Voten in Erscheinung. Eine Funktion, welche die Neo-Parlamentarierin aber nicht eins zu eins auszufüllen gedenkt – und dies auch nicht muss.

Mit Fraktionskollege Adrian Bachmann übernimmt ein erfahrener Lokalpolitiker die Führung der Fraktion. So wird sich die Rolle Breus künftig wohl auf verschiedene Schultern verteilen, wobei Ebneter ankündigt:

«Wenn ich zu einem Thema etwas zu sagen habe, werde ich meine Meinung nicht zurückhalten.»

Ein Stück weit sei dies ja auch ihre Verantwortung den Wählern gegenüber, die ihr bei den Wahlen 2016 ihre Stimme gegeben hätten. Dies waren damals mehr als Manuela Ebneter angenommen hatte. Mit 1172 Stimmen blieb sie zwar mehr als 200 Stimmen hinter dem siebtbesten Ergebnis der FDP-Liste zurück, das die Wahl ins Parlament bedeutet hätte, besetzte damit jedoch den ersten Ersatzplatz.

Dies, obwohl sich die Bronschhoferin eigentlich nur als Listenfüllerin sah, wie sie zugibt. Schliesslich wollten alle Parteien möglichst grosse Listen präsentieren. So habe sie auf eine Anfrage der Partei spontan zugesagt. Mit einer allfälligen Wahl habe sie sich jedoch nicht ernsthaft auseinandergesetzt. Bis im vergangenen Herbst. Dann gab Mario Breu parteiintern bekannt, dass er zurücktreten werde.

Der Frauenanteil steigt

Damit war klar: Aus der vermeintlichen Lückenfüllerin würde doch noch eine Parlamentarierin werden. Denn, dass sie sich ihrer Verantwortung stellen und sich in der Legislative engagieren würde, stand für Manuela Ebneter schnell fest – auch wenn sie weder mit diesem Ziel angetreten war noch damit rechnete.

Seit sie weiss, dass sie nachrücken wird, hat sich Manuela Ebneter auf das Parlament vorbereitet. So nahm sie seit dem Herbst an den Fraktionssitzungen wie auch an den Stadtparlamentssitzungen teil.

Manuela Ebneters Einzug ins Stadtparlament ist aber nicht nur, weil er für die Bronschhoferin selbst unerwartet kommt, eine Besonderheit: Nun hat auch die FDP eine Frau in ihren Reihen, womit bei allen fünf Fraktionen beide Geschlechter vertreten sind. Auch wenn der Anteil Frauen gesamthaft mit 25 Prozent immer noch tief ist.

Qualifikationen anstatt Quote

bneter hat dazu eine ambivalente Haltung. Sie findet es wichtig, dass Frauen in der Politik besser vertreten sind. So ist sie beispielsweise Mitglied der Business and Professional Women – dem bedeutendsten Verband berufstätiger Frauen in verantwortungsvollen Positionen mit dem Ziel, die Vernetzung der Frauen zu fördern – sowie im überparteilichen Komitee für Susanne Vincenz-Stauffacher. Dass dieses Komitee eine Parteikollegin von ihr unterstütz, dürfte bei der Entscheidung aber keine unwesentliche Rolle gespielt haben, wie sich im Gespräch zeigt.

Denn, und das betont Ebneter, gehe es letztlich nicht um die Geschlechterfrage, sondern darum, wer die nötigen Qualifikationen mitbringe. Eine Frauenquote in Kaderpositionen beispielsweise lehne sie strikt ab. Auch bei dieser Aussage tritt ihr Gedankengut deutlich zum Vorschein. Manuela Ebneter ist eben eine Liberale durch und durch.

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