Widerstand gegen Lösung des Stadtrats formiert sich: Erfolgsaussichten für Oberstufe ohne Kathi sind gering

Die SVP genoss für ihre Hauptversammlung Gastrecht im Schulhaus St. Katharina. Dessen Zukunft war denn auch das Thema des Abends. Dabei kristallisierte sich heraus, dass das vom Stadtrat vorgeschlagene Modell D ohne Kathi es im Parlament schwer haben dürfte.

Gianni Amstutz
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SVP-Ortsparteipräsidentin Ursula Egli und Parteimitglied Pascal Stieger (Mitte) diskutieren mit Armin Eugster, Stiftungsratspräsident der Schule St. Katharina über die Zukunft der Wiler Oberstufen. (Bild: Gianni Amstutz)

SVP-Ortsparteipräsidentin Ursula Egli und Parteimitglied Pascal Stieger (Mitte) diskutieren mit Armin Eugster, Stiftungsratspräsident der Schule St. Katharina über die Zukunft der Wiler Oberstufen. (Bild: Gianni Amstutz)

Der Ort der Hauptversammlung der SVP Wil war alles andere als zufällig gewählt. Kaum ein Thema gibt in Wil derzeit mehr zu reden als die Zukunft der Oberstufen. Just im Schulhaus St. Katharina, also jener Oberstufe, die in den Plänen des Stadtrats keine Rolle mehr spielt, trafen sich am Mittwochabend die Vertreter der Schweizerischen Volkspartei.

Neben der HV stand denn auch die Kathi-Frage im Zentrum des Abends. Dabei zeigte sich eines: Die SVP steht geschlossen hinter einer Lösung mit der jetzigen Mädchenschule. Sowohl Stiftungsratspräsident Armin Eugster als auch Schulleiterin Corinne Alder wussten mit ihren Argumenten bei den SVP-Politikern zu überzeugen.

«Stadtrat betont nur Risiken, nicht die Chancen»

Der Bericht und Antrag des Stadtrats sei für den Stiftungsrat «sehr ernüchternd», sagte Eugster. Anstatt die Schülerinnen und Schüler stehe in der Begründung der Modellauswahl des Stadtrats die Planungssicherheit im Zentrum.

Die Vertreter des Kathis sehen die Vorteile und Chancen ihrer Schule im Bericht zu wenig bis gar nicht berücksichtigt. Corinne Alder kritisierte:

«Es ist immer nur die Rede von Risiken»

Dass es solche gibt, bestreitet sie nicht. Denn künftig soll das Kathi in zwei separaten Schuleinheiten mit einer Mädchen- und einer Knabenschule geführt werden. Ob bei den Jungen dafür überhaupt Bedarf besteht, weiss man nicht. «Aber wir sind bereit, einen Teil des Risikos zu tragen und überzeugt, dass wir das Schulmodell zum Fliegen bringen könnten», sagt Eugster.  

Denn die Verantwortlichen des Kathis sind von ihrem Modell B+ überzeugt. Dieses basiert auf dem vom Stadtrat erarbeiteten Modell B, dem er jedoch das Modell D vorzog. Das Plus im Modell B+ steht für eine Erhöhung des Anteils der Schüler, die das Kathi aufnehmen dürfte. Die Grenze soll dabei bei 30 Prozent anstatt wie vom Stadtrat vorgeschlagen 25 Prozent liegen. Nur so sei die wirtschaftliche Führung des Kathis möglich, ist Eugster überzeugt.

Kathi-Befürworter haben wohl Mehrheit im Parlament

Der deutliche Grundtenor der SVP zu einem Modell mit Kathi lässt bereits Rückschlüsse auf die Erfolgsaussichten des Modells D im Parlament zu. Noch wird das Geschäft von der Vorberatenden Kommission beraten. Erst im Sommer oder Herbst dürfte es dann ins Parlament gelangen. Da sich mit der SVP und CVP die beiden stärksten Fraktionen für einen Erhalt des Kathis starkmachen, sind dem Modell D nur geringe Chancen beschieden. Zusammen bringen es die Fraktionen bereits auf 19 der 40 möglichen Stimmen.

Mindestens zwei weitere Parlamentarier werden sich sicher gegen den Antrag des Stadtrats aussprechen: Erika Häusermann von der GLP hat sich bereits dahingehend vernehmen lassen und auch Michael Sarbach von den Grünen Prowil wird sich als Kathilehrer nicht gegen das Kathi aussprechen. Von seiner Partei könnten allenfalls noch weitere Stimmen gegen ein Modell ohne Kathi hinzukommen. Die FDP hat sich noch nicht in die Karten blicken lassen und einzig die SP steht bisher hinter dem Vorschlag des Stadtrats.

Kathi-Frage kommt wohl vors Volk

Natürlich ist vieles zu diesem Zeitpunkt noch Kaffeesatzlesen, doch die Haltungen der Fraktionen werden sich wahrscheinlich nicht mehr grundlegend ändern. Zumal es bei der Kathi-Frage nicht nur um harte Fakten, sondern auch um emotional geprägte Grundsatzfragen geht. Bietet das Kathi mit seinen pädagogischen Konzepten einzigartige und innovative Werte für die Stadt? Sollte die Schule in öffentlicher Hand sein? Ist geschlechtergetrennte Beschulung ein Alleinstellungsmerkmal oder eine veraltete Pädagogik? Es sind solche Fragen, die in der Entscheidung eine Rolle spielen dürften.

Besonders dann, wenn letztlich das Volk über die künftige Ausrichtung der Oberstufen der Stadt Wil entscheiden wird. Und daran bestehen nur geringe Zweifel. Auch die Verantwortlichen des Kathis deuteten an, dass sie sich auf einen Abstimmungskampf einstellen. «Ich denke, es ist auch richtig, dass die Bevölkerung dazu Stellung nehmen kann», sagt Armin Eugster. Den Entscheid hätte man dann in beiden Fällen zu akzeptieren. Auch wenn ein Nein zum Kathi für die Schule höchstwahrscheinlich das Aus bedeuten würde.

Die SVP will in den Stadtrat

Obwohl es noch eineinhalb Jahre dauert, bis auf kommunaler Ebene gewählt wird, stand die Hauptversammlung der SVP bereits im Zeichen der Wahlen. Dies hatte einerseits mit dem Besuch von Mike Egger zu tun, der sich zurzeit im Wahlkampf um den Sitz im Ständerat befindet. Doch nicht nur die Wahl um die Nachfolge für Karin Keller-Sutter im Ständerat beschäftigt die Wiler SVP am 10. März. In Wil wird dann auch über eine von der SVP und FDP geforderte Senkung des Steuerfusses um zwei Prozentpunkte auf 118 Prozent abgestimmt.

Noch etwas weiter weg sind die Gesamterneuerungswahlen für den National- und Ständerat im Oktober. Die SVP Wil schickt mit dem amtierenden Nationalrat Lukas Reimann und der Ortsparteipräsidentin Ursula Egli zwei Vertreter ins Rennen. Im Frühling 2020 stehen dann die Kantons- und Regierungsratswahlen an, bevor im Herbst darauf auf kommunaler Ebene wieder gewählt wird. Und dafür hat sich die SVP einiges vorgenommen. Die neun Sitze im Stadtparlament will die zweitstärkste Fraktion mindestens halten und wie sie gestern ankündigte, will die Partei auch «mindestens einen Sitz im Stadtrat» erobern. Namen möglicher Kandidaten wurden zu diesem frühen Zeitpunkt noch keine bekannt gegeben. Man darf also gespannt sein, mit wem die SVP den Sprung in die Stadtregierung schaffen will. Im Fall eines Erfolgs wird interessant sein, wie die SVP den Wandel von der Oppositions- zur Regierungspartei bewältigt.