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Widerstand bereits programmiert: Stadtrat will Schulsozialarbeit vier Jahre nach Volks-Nein erneut ausbauen

2014 scheiterte der Ausbau der Schulsozialarbeit an einer Volksabstimmung. Nun greift der Stadtrat das Anliegen erneut auf. Dieses Mal soll es ein Ausbau in geringerem Ausmass richten.
Gianni Amstutz
Mit dem Ausbau der Schulsozialarbeit sollen durch Prävention Eskalationen verhindert werden. (Symbolbild: Archiv)

Mit dem Ausbau der Schulsozialarbeit sollen durch Prävention Eskalationen verhindert werden. (Symbolbild: Archiv)

  • Am 3. Juli 2014 stimmt das Stadtparlament einem Ausbau der Sozialhilfe mit 27 Ja- zu 14 Neinstimmen bei 3 Enthaltungen zu. Es geht um eine Aufstockung um 250 Stellenprozent und jährliche Kosten von 345'000 Franken
  • Ein überparteiliches Komitee, unterstützt von SVP, FDP und GLP, sammelt 756 Unterschriften für ein Referendum
  • Am 30. November 2014 stimmen 58 Prozent der Wiler für das Referendum und damit gegen einen Ausbau der Schulsozialarbeit
  • Am 26. März 2019 genehmigt der Stadtrat einen Ausbau der Schulsozialarbeit. Nun geht es noch um eine Aufstockung von 140 Stellenprozent: 100 für die Schulsozialarbeit und 40 für die Leitung derselben. Die jährlichen Kosten würden 195'000 Franken betragen

Der 30. November 2014 war ein schwarzer Tag für den Stadtrat und die Mehrheit des Stadtparlaments. Das Wiler Stimmvolk schickte den geplanten Ausbau der Schulsozialarbeit per Referendumsabstimmung mit 58 Prozent der Stimmen bachab.

Nun, etwas mehr als vier Jahre später, nimmt der Stadtrat einen neuen Anlauf. Dabei geht es um zwei neue Stellen, die geschaffen werden sollen. Einerseits soll die Schulsozialarbeit um 100 Stellenprozent aufgestockt werden, anderseits soll eine 40-Prozent-Stelle für die Leitung der Schulsozialarbeit geschaffen werden. Die jährlichen Mehrkosten würden maximal 195'000 betragen.

Mit abgespeckter Version zum Erfolg?

Damit versucht der Stadtrat augenscheinlich, mit tieferen Kosten den Ausbau doch noch zu realisieren. 2014 ging es um 345'000 Franken pro Jahr und 250 Stellenprozent. Nun beantragt die Regierung dem Parlament einen Ausbau in einer Light-Version. Auch die Vorzeichen haben sich seit 2014 grundlegend verändert. Damals hatte die Stadt mit einer angespannten Finanzlage zu kämpfen. Heute stehen die städtischen Finanzen auf einem soliden Fundament.

Gleich geblieben ist hingegen die Begründung des Stadtrats für den zusätzlichen Bedarf. Die aktuellen 305 Stellenprozent reichten bereits seit mehreren Jahren nicht mehr, um den Bedarf an Schulsozialarbeit abzudecken, hält er in seinem Bericht fest. Anstatt präventiv wirken zu können und Probleme frühzeitig zu erkennen, müsse sich die Schulsozialarbeit mehrheitlich auf Interventionsarbeit beschränken. Eine Entwicklung, die sich aufgrund weiter steigender Schülerzahlen noch zuspitzen werde. Dabei wäre gerade die Präventionsarbeit zusammen mit Schülern, Lehrern und Eltern gemäss Stadtrat notwendig – auch aus finanzieller Sicht. Denn dadurch könnten teure Folgekosten verhindert werden.

Kann beispielsweise die Einweisung eines Kindes in eine Institution wie das Jugendheim Platanenhof in Uzwil vorgebeugt werden, die rund 220'000 Franken pro Jahr kostet, ist ein beträchtlicher Teil der Mehrkosten eingespart. Auch durch die Unterstützung und Begleitung von Jugendlichen beim Übertritt in die Arbeitswelt kann die Schulsozialarbeit Wirkung zeigen. Damit verhindert sie, dass Jugendliche durch die Maschen fallen und in die Sozialhilfespirale kommen.

Mit dem Ausbau auf insgesamt 405 Stellenprozent und der Einsetzung einer übergeordneten Leitung mit einem 40 Prozentpensum in der Schulsozialarbeit könnten solche Massnahmen im präventiven Bereich und bei der Früherkennung wieder vermehrt wahrgenommen werden, schreibt der Stadtrat in seinem Bericht. Auf 100 Stellenprozent kämen 555 Schülerinnen und Schüler. Aktuell liegt der Wert bei 735 Schülern pro Vollzeitstelle.

Widerstand bereits angekündigt

Bericht und Antrag an die Stadtparlamentarier wurden erst kürzlich versendet. Noch gibt es deshalb keine Stellungnahmen. Doch Widerstand scheint dem Projekt gewiss. Denn schon als die zusätzlichen Kosten vergangenen Herbst im Finanzplan der Stadt auftauchten, schellten bei der SVP die Alarmglocken. Parteimitglied Pascal Stieger sagte damals:

«Es ist für mich unverständlich wie der Ausbau der Schulsozialarbeit nur vier Jahre nach der Absage durch das Volk bereits wieder auftaucht.»

Und weiter: Für ihn persönlich stehe fest, dass ein Ausbau der Schulsozialarbeit kostenneutral sein müsse. Sprich: Bei einem Ausbau müsse im Departement Bildung und Sport andernorts gespart werden.

Diese Forderung hat allerdings ihre Tücken. Denn welchem Departement die Schulsozialarbeit künftig angegliedert sein wird, steht noch nicht fest. Im Zuge der Pensenneuverteilung der Stadträte ist auch eine Verschiebung vom Departement für Bildung und Sport ins Departement Soziales, Jugend und Alter möglich.

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