Widerspruch zu alten Klischees

Anlässlich der Veranstaltungsreihe «Frauen brechen auf» der Kommission für Frauenanliegen der evangelischen Landeskirche, öffnete die Clienia Privatklinik Littenheid am Donnerstag ihre Türen für Interessierte.

Belinda Halter
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Marianne Schwyn (links) zeigte den Teilnehmern das Klinikareal der Clienia Littenheid. (Bild: hal.)

Marianne Schwyn (links) zeigte den Teilnehmern das Klinikareal der Clienia Littenheid. (Bild: hal.)

Littenheid. Zum Auftakt des Tages der offenen Tür in der Clienia Littenheid sprach Hubert Dietschi, Mitglied der Geschäftsleitung, über die grösste Schwierigkeit der Klinik; die Stigmatisierung. «In Filmen ist oft zu sehen, dass psychisch kranke Menschen in Anstalten geradezu weggesperrt werden. Nicht nur der Umgang des Personals mit den Patienten, sondern auch die ausschliessliche Abgabe von Medikamenten hat nichts mit der Realität zu tun», klärte Dietschi auf. Dadurch entstehe ein völlig falsches Bild der psychiatrischen Kliniken.

Aus diesem Grund hält die Clienia immer wieder ihre Türen für Interessierte geöffnet. Damit hätten die Aussenstehenden die Möglichkeit, sich ein eigenes Bild von der Klinik zu verschaffen, so Dietschi.

Engagiert für die Patienten

Bevor die Räume besichtigt wurden, erzählte Marianne Schwyn, Kulturverantwortliche der Psychiatrischen Klinik Littenheid, den Teilnehmern von den Anfängen der Klinik. Mit Bildern aus dem Jahr 1880 erhielten sie einen ersten Eindruck.

Ausserdem berichtete Schwyn von ihrer eignen Verknüpfung mit der Klinik. Ihr Engagement wurde bei dem Vortrag mehrmals deutlich. Sie ist unter anderem für die Bebilderung der Klinik zuständig. In diesem Zusammenhang organisiert sie auch die Ausstellungen im «Café Huggi». Ausserdem ist sie als Leiterin der Kulturgruppe aktiv. Dabei führt sie verschiedene Anlässe für Mitarbeiter und solche für Patienten durch.

Mit einem Fasnachtsball, einem Gedichtenachmittag und Konzerten sorgt sie für ein abwechslungsreiches Unterhaltungsprogramm für die Patienten.

Viele Vorurteile entkräftet

Um zu zeigen, wie sich die Patienten in der Klinik fühlen, wurden drei verschiedene Stationen besichtigt. Die Führungen in den Stationen fanden in kleinen Gruppen statt. Eine der Stationen war die offene Akutstation der Jugendpsychiatrie. Die Sozialpädagogin Evelyn Lüscher gewährte den Teilnehmern einen exklusiven Einblick in die Räume.

Dabei wurden viele Vorurteile entkräftet. In hellen Räumen begegnete man durchgehend aufgestellten, freundlichen Jugendlichen. Schnell vergessen war dabei, dass man sich in einer psychiatrischen Klinik befindet. Bereitwillig zeigten zwei der Jugendlichen ihr Zimmer. Schnell wurde klar, dass die Mitarbeiter und Patienten den Besuchern alles gerne zeigen. So blieb den Teilnehmern auch ein Blick in das «Time-out-Zimmer» nicht verwehrt.

Das Zimmer kann unter anderem als Zufluchtsort für Jugendliche benutzt werden, die sich unter einer starken inneren Spannung befinden. «Doch das Zimmer ist nicht oft besetzt. Und wenn, dann ist die Tür nur angelehnt und die Pfleger haben ständigen Kontakt», erläuterte Lüscher.

Lernmomente anstatt Strafe

Natürlich gebe es unter den Jugendlichen auch Konflikte, so die Sozialpädagogin. Doch von Bestrafung sehen die Pfleger ab. Viel mehr setzten sie auf die Gruppe als methodisches Instrument.

«Wenn jemand sich falsch verhaltet, zeigen wir ihm die Konsequenzen auf, die es für die Gruppe hat. So werden Lernmomente geschaffen», sagt Lüscher. Lernmomente über die psychiatrische Klinik gab es wohl auch für die Teilnehmer bei diesem Anlass.