Wichtiger als der Papstbesuch

Seit 17 Jahren besteht eine Partnerschaft zwischen der Pfarrei St. Laurentius in Flawil und der Pfarrei St. Joseph the Worker in Kangemi. Ruth Rohde Ehrat und Bettina Flick waren dabei, als sich das Slumgebiet für den Papstbesuch rüstete.

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Übervoll war während der Messe die neue Kirche, die den Namen «Christ the King» trägt. (Bilder: pd)

Übervoll war während der Messe die neue Kirche, die den Namen «Christ the King» trägt. (Bilder: pd)

FLAWIL. Für die Flawilerin Ruth Rohde Ehrat war es die dritte Reise, die sie, kurz vor dem Besuch von Papst Franziskus am gestrigen Freitag, in das Armenviertel Kangemi am Rande der kenianischen Hauptstadt Nairobi geführt hatte. Der Seelsorgebeauftragten der Flawiler St.-Laurentius-Pfarrei ist die Umgebung vertraut. Die Menschen sind ihr längst ans Herz gewachsen und sie geniesst es, wenn sie auf der Strasse erkannt und angesprochen wird. Bettina Flick dagegen war erstmals dort; wenn auch nicht zum erstenmal in einem Slumgebiet dieser Welt. Grund der Reise war für beide nicht der Papst, sondern die Einweihung der Kirche Christ the King, auf deren Bau die Menschen in Kangemi jahrelang gewartet hatten, nachdem das bestehende Gotteshaus zu klein geworden war.

Über 1000 Plätze

Es ist ein imposanter Bau, der unter anderem mit Geldern aus Flawil und St. Gallen erstellt worden ist. «Und, er ist soweit fertig, dass Gottesdienste gefeiert werden können», beschreibt Bettina Flick die Situation am Ort. Umrahmt von feierlichen und schwungvollen afrikanischen Gesängen und Tänzen sei der Altar in einer eindrücklichen, vierstündigen Zeremonie eingeweiht worden.

Der mehrstöckige Bau beherbergt nicht nur den grossen Kirchenraum für über 1000 Gottesdienstbesucher, sondern auch eine Tiefgarage mit vermieteten Stellplätzen, um Geld einzunehmen sowie Büro- und Versammlungsräume für die pfarreilichen Gruppen. Ruth Rohde Ehrat und Bettina Flick nutzen den Kurzbesuch in Kangemi auch, um die zahlreichen Sozialwerke der Pfarrei zu besuchen. «Ob es eine Schule für die Kinder der ärmsten Familien war, eine Oberstufenschule mit der Möglichkeit, dort auch eine Elektrikerlehre zu machen, ein Aids-Zentrum oder eine Gesundheitsstation, überall hätten die Ordnung und das Engagement der Menschen beeindruckt, sagt Bettina Flick.

Vorfreude auf den Papst

Ein besonderer Anlass stets präsent: Der bevorstehende Papstbesuch. Papst Franziskus hatte gewünscht, während seiner Afrikareise durch Kenia, Uganda und die Zentralafrikanische Republik Kongo auch ein Armenviertel zu besuchen. die Wahl war ausgerechnet auf Kangemi gefallen. Ruth Rohde Ehrat und Bettina Flick durften die Vorfreude der Menschen auf diesen Besuch in allen Gesprächen spüren. Und sie konnten auch die letzten Vorbereitungen hautnah erleben. «Um keine technischen Pannen zu erleben, wurden die Stromleitungen in den Tagen und Nächten vor dem Papstbesuch erneuert», berichtet Bettina Flick und ergänzt: «Dadurch waren grosse Teile des Orts oft über viele Stunden ohne Strom.»

Papst den Weg geebnet

Ruth Rohde Ehrat staunte im speziellen über die Strassen: «Dort, wo der Papst ein paar Tage später entlangfahren sollte, waren die holprigen Strassen geebnet und mit Split aufgefüllt worden. Wenigstens für die Ankunft des Papstes konnte man auf diesen Strassen angenehmer unterwegs sein.» Rohde Ehrat zweifelt allerdings, dass der Zustand so bleibt. «Beim nächsten Regen», befürchtet sie, «wird der Split wieder weggespült und die Strassen werden wieder so holprig wie zuvor.» Immer wieder wurden die Schweizerinnen gefragt, ob sie nicht länger bleiben wollten, um dem Papst zu begegnen. Ihre Antwort, sagt Bettina Flick, sei stets die gleiche gewesen: «Wir sind wegen Euch hier, wegen unserer Freundschaft und Partnerschaft. Ihr seid uns wichtiger als der Papst.» (red.)