Wetter
Rückschau auf den Mai und Ausblick auf den Juni: Der Wonnemonat war kalt und regnerisch

Erstmals seit zwei Jahren ist ein Monatstemperaturmittel wieder einmal unterdurchschnittlich temperiert ausgefallen. Der April schloss mit einem Defizit von 1,2 Grad.

Christoph Frauenfelder
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Im Mai fiel über eine zweiwöchige Periode täglich Niederschlag.

Im Mai fiel über eine zweiwöchige Periode täglich Niederschlag.

Bild: Peter Kneffel/DPA

Nach dem April ist auch der Mai deutlich zu kalt ausgefallen. Das Defizit beträgt zwei Grad. Schweizweit wurde auf der Alpennordseite gemittelt ein Defizit von rund drei Grad verzeichnet. Daran beteiligt waren die häufigen West- bis Nordwinde, die für einen wechselhaften Wettercharakter sorgten. Der Temperaturumfang bewegte sich zwischen 2 und 29 Grad. Zu Frost kam es um die Eisheiligen Mitte Mai nicht. Die massive Wärmespitze von fast 30 Grad wurde am 9. Mai erreicht: Der erste Sommertag des Jahres und der einzige im vergangenen Mai.

Zu niederschlagsreich, extrem viele Regentage

Die reichlichen Niederschläge sorgten für einen Überschuss von sieben Prozent, eine eher geringe Abweichung. Doch die Summe an Regentagen lag mit 18 weit über dem langjährigen Mittel von 13 Tagen. Es gab sogar eine über zweiwöchige Periode, in der täglich Niederschlag fiel. Auf dem Säntis lagen Ende Monat noch nahezu fünf Meter Schnee. Mit dem März zusammen ist dies die höchste Schneehöhe des vergangenen Winters. Denn normalerweise wird die höchste Schneehöhe auf dem Säntis Anfang April gemessen.

Viele Wolken verhinderten üppigen Sonnenschein

Die vielen Staulagen bewirkten am Alpennordhang und im angrenzenden östlichen Mittelland sehr viele Wolken. Damit konnte die erwartete Sonnenscheindauer nicht erreicht werden. Das Defizit beträgt zehn Prozent. Massiv zu Buche geschlagen haben die starken bis stürmischen Winde. Die mittlere Windgeschwindigkeit erreichte beinahe das Doppelte des Durchschnitts 1991-2020. So viel Wind wurde seit Messbeginn dieser Messgrösse 1971 noch nie erreicht. Ausserdem wurde an zehn Tagen Sturm verzeichnet.

Ausblick auf den Juni: Monsunregen und Gewitter bringen Schafskälte

Das Klimamittel 1991-2020 zeigt, dass der durchschnittliche Juni Temperaturen zwischen 7 und 31 Grad bringt. Die Extremwerte seit Messbeginn vor 160 Jahren weisen jedoch einen Umfang von 2 bis 35 Grad auf. Der Juni ist in den letzten zehn Jahren um fast ein Grad wärmer, aber auch sonniger geworden.

Der hohe Sonnenstand bewirkt jetzt eine markante und hochreichende Thermik. Die aufsteigenden Luftmassen über dem Kontinent ziehen feuchtkühle Meeresluft nach sich. Diese regnet bei uns aus und führt damit zu einer monsunähnlichen Regenzeit. Die ersten 20 Tage regnet es durchschnittlich jeden zweiten Tag. Es ist die höchste Niederschlagsbereitschaft des Jahres, im Volksmund «Schafskälte» genannt. Die Tagestemperaturen schleichen verhalten um 21 bis 22 Grad. Erst Ende Monat wird es spürbar wärmer. Dann gehen die Niederschläge deutlich zurück. Es kann bereits zum ersten Hitzetag mit 30 Grad kommen.

Die Sonne scheint im Juni rund sieben Stunden pro Tag. Sobald sie durch die massiven Wolken bricht, steigen die feuchtschwülen Luftmassen auf und bilden neue mächtige Quellwolken. In der dampfenden Luft kommt es dabei immer wieder zu gewittrig durchsetzten Regengüssen. Juni bis August gehören zu den schwülen Gewittermonaten.

Beginn des Frühsommer kommt verspätet

Die Blüte des schwarzen Holunders kennzeichnet den beginnenden Frühsommer. Dieser Termin wird dieses Jahr um etwa eine Woche verspätet Mitte Juni erreicht werden. Vereinzelt schert das Juniwetter gänzlich aus dem Rahmen. Die Palette reicht von fünf Grad zu kalt bis sechs Grad zu warm. Die Niederschläge schwankten bisher zwischen 15 Prozent bis zum beinahe Dreifachen der Norm.