Wetter
Rückschau auf den April und Ausblick auf den Mai: Kältester April seit 20 Jahren

Erstmals seit zwei Jahren ist ein Monatstemperaturmittel wieder einmal unterdurchschnittlich temperiert ausgefallen. Der April schloss mit einem Defizit von 1,2 Grad.

Christoph Frauenfelder
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Im April gab es zehn Frosttage, was besonders für die Vegetation eine Herausforderung darstellt.

Im April gab es zehn Frosttage, was besonders für die Vegetation eine Herausforderung darstellt.

Bild: Jean-Christophe Bott/ Keystone

An den tiefen Temperaturen beteiligt war die häufige und kalte Bise aus Nordost. Der Temperaturumfang bewegte sich genau wie im zu milden März zwischen –4 und 24 Grad.

Die zehn Frosttage (Tage mit Minimum mindestens null Grad) entsprechen dem dreifachen Wert des langjährigen Durchschnitts 1991–2020. Noch mehr Frosttage in der 157-jährigen Messreihe brachte nur noch der April 1917 mit zwölf Tagen.

Sehr trockener Monat

Die trockene Bise sorgte für ein grossflächiges Defizit von Niederschlägen. Lediglich 40 Prozent der Norm wurden erreicht. Dies in einem Monat, wo der Wasserbedarf der Vegetation ohnehin sehr gross ist, um den Paukenschlag der explosionsartigen Vegetationsentwicklung zu bewerkstelligen.

Ausserdem sorgte der Wind zusätzlich für ein Austrocknen der Böden. Die relative Luftfeuchtigkeit sank teilweise bis auf 14 Prozent. So litt die Vegetation stark unter dem Wassermangel. Kulturen mussten bereits künstlich bewässert werden. Die vielen Frosttage setzten dem Blütenansatz der Obstbäume, insbesondere dem Steinobst, stark zu.

Sonnenschein, wie üblicherweise im Juni

Dank des sehr geringen Bewölkungsgrades wurden über 200 sonnige Stunden verzeichnet. Das sind so viele, wie üblicherweise im Juni gemessen werden. Der Überschuss beträgt 20 Prozent.

Der Polarwirbel ist seit einigen Monaten ziemlich unorganisiert und nur schwach ausgebildet. Dadurch können die Kaltluftmassen aus der Polregion teils weit nach Süden ausgreifen. Damit wurden im April auch die Regionen Mitteleuropas oft und nachhaltig geflutet, was zu den deutlich zu tiefen Temperaturen führte.

Ausblick auf den Mai: Keine Eisheiligen mehr

Das Klimamittel 1991–2020 zeigt, dass uns der Mai die kräftigste Erwärmung des Jahres bringt. Die Temperaturen bewegen sich durchschnittlich zwischen 3 und 27 Grad. Die Extremwerte seit Messbeginn vor 157 Jahren liegen zwischen –1 und 32 Grad.

Der Mai ist in den vergangenen zehn Jahren einen halben Grad wärmer, gleichzeitig auch trockener und sonniger geworden. Mit der beginnenden Schwüle wird jetzt die Gewittersaison eröffnet.

Nur noch alle zehn Jahre gibt es Anfang Mai etwas Schnee. Die «Eisheiligen» um Mitte Mai sind sehr unzuverlässig geworden. Sie sind jedoch stark im Volksglauben verwurzelt. Hin und wieder kommt es in dieser Zeit sogar zum ersten Sommertag mit 25 Grad. Frost ist im Unterland seit vielen Jahrzehnten zur Zeit der «Eisheiligen» nicht mehr vorgekommen.

Eine hin und wieder verspätete Kälteperiode Ende Mai hat nichts mit der Kalenderreform von 1582 zu tun. Denn die Wetterregel der «Eisheiligen» ist erst 350 Jahre alt, hat also die Kalenderreform nicht miterlebt.

Sieben Sonnenstunden pro Tag

Die Niederschlagsneigung ist im Mai mit 40 bis 45 Prozent relativ hoch. Anfang Monat klettern die Tagestemperaturen auf 17 Grad. Ende Monat liegen sie bei 20 Grad und die Besonnung ergibt angenehme sieben Stunden pro Tag.

Die Frühlingsfront wird durch die Apfelbaumblüte gekennzeichnet. Mit 30 Kilometer pro Tag startet sie bereits Mitte März in Spanien, erreicht Ende April bis Anfang Mai die Ostschweiz und erst Mitte Juni Skandinavien.

Hin und wieder gerät das Maiwetter völlig aus den Fugen. Die Palette der Monatstemperaturmittel reicht von sechs Grad zu kalt bis vier Grad zu warm. Auch die Niederschläge scheren hin und wieder aus. Die Summen ergaben bisher einen Bereich von 2 Prozent, also beinahe gänzlich trocken, bis 250 Prozent der Norm.