«Werte müssen erhalten bleiben»

Die Wilenerin Eliane Täuber hat ihre Wohngemeinde zum Thema ihrer Maturaarbeit gemacht. Sie charakterisierte Wilen, nahm dabei Meinungen der Bevölkerung auf und erarbeitete Massnahmen zur Optimierung der Gemeinde.

Natalie Brägger
Drucken
Teilen
Die Wilenerin Eliane Täuber bei der souveränen mündlichen Präsentation ihrer Maturaarbeit. (Bild: nb.)

Die Wilenerin Eliane Täuber bei der souveränen mündlichen Präsentation ihrer Maturaarbeit. (Bild: nb.)

Wilen. Eliane Täuber wollte ihre Maturaarbeit schon beim ersten Gedanken an ihre Wohngemeinde Wilen koppeln. Da der Neubau des Lidls in Wilen in aller Munde war und ist, wollte die Kantonsschülerin mit Schwerpunktfach Wirtschaft und Recht zuerst die Marketing-Konzepte von Lidl und dem kleinen Dorfladen Spar miteinander vergleichen. «Diese Idee liess sich nicht so einfach realisieren und so bin ich schliesslich auf mein Thema gekommen», erzählt die 18-Jährige. Geholfen hat ihr dabei auch ihr Lehrer und Arbeitsbetreuer Daniel Jabornegg, der ebenfalls in Wilen wohnt. Schliesslich einigte sich Eliane Täuber darauf, die Gemeinde Wilen zu charakterisieren und Vorschläge für die Optimierung der Gemeinde auszuarbeiten.

Gefahr: Ein Schlafdorf werden

Das Entwicklungspotenzial und somit die Zukunft Wilens zu untersuchen ist für Eliane Täuber nicht nur spannend, weil sie selbst in dieser Gemeinde wohnt, sondern auch wegen des ganz speziellen Charakters von Wilen. Diesen hat Eliane Täuber in ihrer Arbeit als Erstes untersucht. Die Gemeinde ist mit knapp 2100 Einwohnern klein, aber dennoch eigenständig. Ihre Attraktivität hat sie nicht nur der schönen Natur zu verdanken, in der sie liegt, sondern auch der guten Anbindung an die Stadt Wil. «Daraus ergibt sich allerdings die Gefahr, dass Wilen zum Schlafdorf werden kann», betont die Kantonsschülerin. Die 165 kleineren und grösseren Wilener Betriebe würden allerdings zeigen, das dem nicht so sei. «Sie bringen eine Erhöhung der Lebensqualität», sagt Eliane Täuber, die im Herbst ein Wirtschaftsstudium an der Universität St. Gallen beginnen möchte. Die Wertschöpfung bleibe durch diese Betriebe im Dorf, was auch positive Auswirkungen auf den Steuerfuss der Gemeinde habe.

Umfrage bei der Bevölkerung

Im Hauptteil der Arbeit ging es Eliane Täuber darum, die Entwicklung Wilens einzuschätzen und daraus einen Massnahmenkatalog für deren Optimierung zu erarbeiten. Für die Einschätzung der Entwicklung verglich die Wilenerin die Ist-Situation in ihrer Wohngemeinde mit der Theorie der nachhaltigen Gemeindeentwicklung. Diese besagt, dass für eine nachhaltige Entwicklung die Bevölkerungsentwicklung, der Erhalt des Naturraums, die finanzielle Stabilität sowie die Nachhaltigkeit in Gemeindeprojekten wichtig sind. Ebenso erstrebenswert für eine Gemeinde sind die Bürgerbeteiligung, eine wertorientierte Entwicklung, Lebensqualität und eine ausreichende Nahversorgung. Um zu erfassen, wie die Gemeinde Wilen bezüglich dieser Punkte dasteht, war für Eliane Täuber die Meinung der Bevölkerung wichtig. Sie verteilte darum 80 Fragebögen. 54 davon erhielt sie zurück.

Nahversorgung wird genutzt

In den Ergebnissen der Umfrage wird ersichtlich, wieso die Bewohnerinnen und Bewohner Wilen schätzen. Als Vorteil wird die Nähe zur Stadt genannt. Ebenso schätzen die Befragten aber auch den schönen Naturraum und die Ruhe in der Gemeinde. «Insgesamt zeigt sich in Wilen eine breite Zufriedenheit, die Lebensqualität ist hoch», so das Fazit von Eliane Täuber. Ihre Umfrage zeigt auch, dass die Wilener Nahversorgung mit Spar, Post und regionalen Handwerkern genutzt wird. Auch negative Aspekte kamen bei der Umfrage zum Vorschein. So wünschen sich viele Befragte eine bessere Kommunikations zwischen dem Gemeinderat und der Bevölkerung. Eliane Täuber hat darauf einen Massnahmenkatalog erarbeitet, um die Entwicklung Wilens noch verbessern zu können. «Es war schwierig, etwas vorzuschlagen, was auch auf breite Teile der Bevölkerung wirkt», gibt die begeisterte Hobbyfussballerin zu. Ihre Ideen reichen von einem neuen Café über Diskussionsrunden mit Beteiligung des Gemeinderats bis hin zu einem eigenen Gemeindeblatt. Auch eine Gewerbeausstellung sowie einen Bancomaten und eine gezieltere Integration von Neuzuzügern sieht Täuber als Chance für Wilen. «Die Identifikation mit dem Dorf darf nicht verloren gehen, die Werte, die im Dorf gelebt werden, müssen erhalten bleiben», betont die Mittelschülerin. Mit ihrer Arbeit hat sie unter anderem den Wilener Gemeindepräsidenten Kurt Enderli tief beeindruckt. «Wir werden ihre Erkenntnisse im Gemeinderat besprechen», versprach er an der mündlichen Präsentation der Arbeit, der er höchst persönlich beiwohnte.

Die Wiler Zeitung stellt in loser Folge diesjährige Maturaarbeiten vor, die sich mit regionalen Themen befassen.

Aktuelle Nachrichten