Werkhof im Kreuzfeuer der Kritik

In der Gemeinde Zuzwil wird am 8. März über eine Umzonung abgestimmt, die den Weg für den Bau eines kantonalen Werkhofs ebnen soll. Am Mittwoch fand ein Infoanlass statt. Die anschliessende Diskussion war emotional aufgeladen.

Ursula Ammann
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Gegner der Vorlage zeigen, wie der Werkhof aussehen könnte. Die Visualisierung basiert auf dem Planungsbericht vom 20. Dezember 2013. Die Materialisierung der Baute ist eine Annahme, die in Bezug auf andere Werkhöfe in der Schweiz getroffen wurde. (Bild: Ursula Ammann)

Gegner der Vorlage zeigen, wie der Werkhof aussehen könnte. Die Visualisierung basiert auf dem Planungsbericht vom 20. Dezember 2013. Die Materialisierung der Baute ist eine Annahme, die in Bezug auf andere Werkhöfe in der Schweiz getroffen wurde. (Bild: Ursula Ammann)

ZÜBERWANGEN. Applaus gab es gleich mehrmals am Mittwochabend. Allerdings nicht für Gemeindepräsident Roland Hardegger, der über den geplanten Werkhof auf dem Gebiet Schuelwesen informierte. Und auch nicht für die Kantonsvertreter, die das Vorhaben im Anschluss verteidigten. Vielmehr galt er den kritischen und ablehnenden Voten. Und davon gab es zuhauf. Das Interesse an der von der Gemeinde organisierten Informationsveranstaltung war gross. Über 100 Personen folgten der Einladung in die Aula im Schulhaus Züberwangen.

Den Kanton unterstützen

Am 8. März entscheiden die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der Gemeinde Zuzwil über die Umzonung von rund 6400 Quadratmetern auf dem Gebiet Schuelwesen. Diese Fläche liegt heute in der Landwirtschaftszone und soll einer Zone für öffentliche Bauten und Anlagen zugeführt werden. Damit würde der Weg frei für einen Stützpunkt des kantonalen Strassenunterhaltsdienstes. Dieser soll die bisherigen Werkhöfe in Wil und Oberbüren ersetzen (siehe Infokasten). Die Abstimmung erfolgt, weil gegen den Teilzonenplan Schuelwesen das Referendum ergriffen worden war. Dieses war mit 341 Stimmen zustande gekommen, nötig gewesen wären 226.

Der Gemeinderat habe auch keine Freudensprünge gemacht, als der Kantonsingenieur und der Strasseninspektor vorgesprochen hätten – in der Absicht, einen Standort für einen kantonalen Werkhof zu finden, sagte Roland Hardegger. Dennoch gelte es, den Kanton, mit dem man eng als Partner zusammenarbeite, bei der Lösung seiner Infrastrukturaufgabe zu unterstützen. Der Kanton habe verschiedene Standorte in der Region geprüft, erklärte Hardegger und fügte an: «Es ist nicht einfach, die gesetzlichen Anforderungen für einen Stützpunkt zu erfüllen.» Ein solcher Standort müsse möglichst an der Kantonsstrasse liegen, eingezont sein, und der wichtigste Faktor: Das Land müsse auch erhältlich sein. Diese Kriterien seien im Gebiet Schuelwesen erfüllt. Einen Vorteil jenes Standortes sieht Hardegger zudem darin, dass allfällige Infrastrukturaufgaben der Gemeinde synergetisch gelöst werden könnten.

Optische Verschandelung

In der anschliessenden Diskussion kristallisierte sich aber heraus, dass die Gründe, weshalb die Standortwahl ausgerechnet auf das Gebiet Schuelwesen gefallen ist, für viele nicht nachvollziehbar sind. In diesem Zusammenhang wurde auch bemängelt, dass der Bericht über die Prüfung anderer möglicher Standorte nicht einsehbar sei. Dieser werde aufgrund des laufenden Verfahrens nicht herausgegeben, begründete der anwesende Kantonsingenieur Urs Kost. Dem entgegnete Samuel Mäder, Anwalt des Referendumskomitees, es sei für den Stimmbürger ungenügend, mittels ein paar Powerpoint-Folien zu erfahren, was der Kanton abgeklärt habe. «Die Bevölkerung muss mit verbundenen Augen entscheiden», sagte er. Das sei juristisch gesehen hoch problematisch.

Weitere Votanten führten ins Feld, der Standort sei ungeeignet, weil er sich bei einem Wohnquartier und erst noch neben einer Schule befinde. Zudem verbaue sich die Gemeinde mit der Zusage zum Werkhof jegliche Möglichkeit, den Schulraum bei Bedarf einmal auszudehnen. Das Argument, es komme noch mehr Schwerverkehr ins Quartier, liess Kantonsingenieur Urs Kost nicht gelten, da lediglich mit vier LKW zu rechnen sei, wovon nur einer permanent stationiert sei.

Nicht zuletzt wiesen die Gegner aber auch darauf hin, das Dorfbild werde durch den Werkhof optisch verschandelt. Das Referendumskomitee veranschaulichte dies anhand einer Visualisierung, die auf dem Planungsbericht vom 20. Dezember 2013, genehmigt durch den Gemeinderat am 13. Januar 2014, basiert.

Vorgehen bei einem Ja

«Morgen wird noch nicht gebaut», sagte Gemeindepräsident Roland Hardegger und verwies auf das weitere Vorgehen bei einem Ja. Wird die Vorlage am 8. März angenommen, besteht die Möglichkeit, den Entscheid ans Baudepartement weiterzuziehen. Sollte der Teilzonenplan Schuelwesen für rechtskräftig erklärt werden, ist vorgesehen, einen Sondernutzungsplan zu erarbeiten und öffentlich aufzulegen. Darauf folgen ein Architekturwettbewerb sowie ein ordentliches Baubewilligungsverfahren, in dessen Rahmen auch wieder Einsprache erhoben werden kann.

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