Werbesäule löst Verwunderung aus

WIL. Die Stadt hat in der Fussgängerzone der Oberen Bahnhofstrasse die Installation einer Plakatsäule mit Fremdwerbung bewilligt. Dieses Vorgehen hinterlässt offene Fragen. Etwa danach, ob die Säule den Richtlinien entspricht und welches Konzept die Stadt damit verfolgt.

Ursula Ammann
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Seit vergangener Woche prägt eine sich drehende Werbesäule der Allgemeinen Plakatgesellschaft APG das Bild der Fussgängerzone. (Bild: Ursula Ammann)

Seit vergangener Woche prägt eine sich drehende Werbesäule der Allgemeinen Plakatgesellschaft APG das Bild der Fussgängerzone. (Bild: Ursula Ammann)

Sie dreht sich kontinuierlich im Kreise wie der Hebel einer Drehorgel: Die Plakatsäule, die seit vergangener Woche das Bild der Fussgängerzone Obere Bahnhofstrasse prägt und zuweilen etwas verwunderliche Blicke auf sich zieht. Sie steht auf öffentlichem Grund gleich neben dem Coop City.

Gefahr des Wildwuchses

Die Dimension der Werbesäule habe ihn doch etwas überrascht, sagt Bruno Veit, Leiter Region Ost von Coop City. «Sie befindet sich jedoch nicht auf unserem Grundstück und beeinträchtigt uns grundsätzlich auch nicht.»

Für ihn sei aber nicht ganz klar, welches Konzept mit der Installation dieser Säule verfolgt werde, ob unter Umständen noch weitere Säulen zu erwarten seien, ergänzt Bruno Veit. Auch stelle sich die Frage nach den Spielregeln und Richtlinien, die in der Fussgängerzone der Oberen Bahnhofstrasse gelten und ob diese mit der Installation dieser Säule eingehalten würden. Denn es drohe auch die Gefahr eines Wildwuchses. «Hier sollte sich eigentlich die IG <Obere Bahnhofstrasse> angesprochen fühlen und sich aktiv zeigen», meint Bruno Veit. Coop City sehe keine Veranlassung, etwas gegen die neue Säule zu unternehmen.

Man sei erstaunt über die «überdimensionierte» Plakatsäule, die ohne Vorinformation der Anstösser realisiert worden sei, so die Stellungnahme der IG «Obere Bahnhofstrasse». «Uns ist es nicht egal, was in dieser Fussgängerzone passiert.» Nun gelte es, den Sachverhalt bei der Stadt abklären zu lassen – sprich die Beweggründe für die Installation der Säule sowie die geltenden Richtlinien in diesem Zusammenhang. Welche weiteren Schritte die IG «Obere Bahnhofstrasse» unternehmen wird, ist noch unklar.

Nicht mehr als 1,3 Meter

Welche Spielregeln gelten nun in der Fussgängerzone der Oberen Bahnhofstrasse? In den Richtlinien über den gesteigerten Gemeingebrauch der Fussgängerzone «Obere Bahnhofstrasse» ist unter anderem festgehalten, dass Werbeschilder maximal einen Quadratmeter Fläche aufweisen und die Höhe von 1,3 Meter nicht übersteigen dürfen. Zudem ist gemäss diesen Richtlinien eine reine Marken- und Produktereklame ohne Bezug zum betreffenden Verkaufsgeschäft (Fremdreklamen) nicht gestattet. Dennoch bewilligte die Stadt der Allgemeinen Plakatgesellschaft APG im vergangenen September, eine Plakatsäule für wechselnde Fremdwerbung aufzustellen.

Einsprache abgewiesen

Die Richtlinien über den gesteigerten Gemeingebrauch aus dem Jahre 2000 sei im vorliegenden Fall nicht anwendbar, lässt das Departement Bau, Umwelt und Verkehr der Stadt Wil auf Anfrage verlauten. Bei der Plakatsäule handle es sich um eine feste Baute, die im Rahmen eines ordentlichen Baubewilligungsverfahrens bewilligt worden sei und die nicht unter die Bestimmungen des gesteigerten Gemeingebrauchs falle. Zusammen mit der Kantonspolizei St. Gallen habe die Stadt Wil verschiedene, vom Gesuchsteller nachgefragte Standorte für eine solche Plakatsäule geprüft, unter anderem auch hinsichtlich Verkehrssicherheit. Dabei habe sich gezeigt, dass der Standort an der Oberen Bahnhofstrasse sämtliche Normen und Anforderungen erfüllt habe und damit bewilligungsfähig gewesen sei.

Auf das Baugesuch für die Säule ging eine Einsprache ein. Die Baukommission hat diese abgewiesen. Sie stellte fest, dass die Plakatsäule auf das vorgegebenen Bepflanzungs- und Möblierungskonzept der Fussgängerzone Rücksicht nehme und in einer Achse mit den symmetrisch angeordneten Bäumen und Kandelabern aufgestellt werde. Zudem füge sie sich mit ihrem runden schlanken Design gut in das städtisch geprägte Umfeld ein. «Somit ist die Einsprache diesbezüglich unbegründet.» Gegen den Entscheid der Baukommission wurde kein Rekurs erhoben. Er wurde zwischenzeitlich rechtskräftig.

Keine weiteren Gesuche

Die Werbeeinnahmen, welche aus der Installation der Plakatsäule resultieren, gelten als städtische Ertragsanteile, die in den laufenden Haushalt der Stadt Wil einfliessen.

Fragen zum Konzept könne die Stadt Wil nicht beantworten, «da es sich um ein Projekt der Allgemeinen Plakatgesellschaft APG, eines privaten Unternehmens, handelt». Derzeit liege der Stadt Wil weder von der APG noch von einem anderen Unternehmen ein entsprechendes Baugesuch für eine weitere Plakatsäule vor.