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Wer zu früh zu spät kommt

Mit Alfred Dorfer gastierte am Samstagabend einer der letzten grossen Kabarettisten
im Chällertheater. Der Österreicher erklärte seinem Publikum das Leben am Scheideweg.
Michael Hug
Zwischenrufer mag er nicht: Alfred Dorfer zitiert den Zuschauer sogleich auf die Bühne. (Bild: Michael Hug)

Zwischenrufer mag er nicht: Alfred Dorfer zitiert den Zuschauer sogleich auf die Bühne. (Bild: Michael Hug)

Für sie sei das kaputte Handy eine Nahtoderfahrung. «Sie», das sind die Immerauffallenwollenden, die, die quer durch den Zug ins Handy schreien: «Liebling, wo bist du, ich bin da!» Die, die weder im Restaurant noch im Theater das Handy ausschalten, nur um zu beweisen, wie wichtig sie sind. Die, die zum «Lönsch» erscheinen und «Entschuldigung, dass ich zu spät bin!» verkünden, so, dass es alle hören.
Wer wichtig ist, kommt zu spät, dann aber gleich richtig: «Mit dem Zuspätkommen machen sich die Unwichtigen wichtig.» Doch richtiges Zuspätkommen erfordert absolute Pünktlichkeit: «Wer zu früh zu spät kommt, fällt nicht auf.»

Man muss ja etwas haben, damit man auffällt

Alfred Dorfer erklärt das Leben. Dabei steht er selbst an einem Wendepunkt, er zieht nämlich um. Er steht in seiner verlassenen Wohnung inmitten von Kram, das es nicht mehr auf den Zügelwagen geschafft hat. Überbleibsel, Aufbewahrtes, Dinge, die man stets zu schade fand, um sie fortzuwerfen. Da kommen Erinnerungen auf und Dorfer schweift ab vom Thema. Der Vegetarismus, das Zurschaustellen von angesagten Problemen, das lustlose Herumkauen an einem Salatblatt, auf dass kein Körnchen Nuss dabei sein dürfe, weil sonst Desaster herrscht. Das eingebildete Desaster natürlich, denn die wenigsten von denen, die es sich einbilden, haben wirklich eine Nussallergie. Man muss ja etwas haben, mit dem man auffallen kann, etwas Modernes möglichst, etwas Hippes, eine Glutenunverträglichkeit oder wenigstens Pusteln nach dem Rasieren, weil der Rasierapparat mit Atomstrom läuft.

Ein Star in der Szene

Alfred Dorfer, 57, in Wien geboren, Österreicher somit, ist längst ein Star in der Szene, hüben wie drüben. Bekannt ist er von Film und Fernsehen, und dank seiner deutschen Muttersprache auch hierzulande verständlich. Mit nicht wenig Stolz präsentierte das Chällertheater am Samstagabend den für seinen Sarkasmus berühmten Gast. Der Mann aus Wien blieb nichts schuldig. Scharf beobachtet er den Alltag: «Wissen Sie, wer der erste Handwerker der Geschichte war? Der erste Handwerker war eine mystische Gestalt. Niemand hat ihn je gesehen, denn er kam immer erst, als die Menschen schon wieder umgezogen waren.» – «Der ist gut», lässt einer im Publikum etwas zu laut von sich.
«Willst du mitspielen», fragt Dorfer die Stimme aus dem Off sogleich und zitiert den Zuschauer kurzerhand auf die Bühne. Ganz offensichtlich mag er Zwischenrufer nicht, er lässt den Mann auf einem Stuhl vor dem Publikum sitzen bis zur Pause, wie peinlich ist das denn. Dann kommt Dorfer zurück zum Thema: «Wissen Sie, wer das Wording erfunden hat? Die Immobilienmakler. Für sie ist eine Bruchbude ein Bastlerhit.»
Der Mann macht pure Satire, trockenen Sarkasmus, einer der Wenigen im deutschen Sprachraum, der dieses Genre noch beherrscht. Nicht Comedy, sondern Kabarett. Nicht Effekthascherei, sondern Anstoss zum Gebrauch des Intellekts. Aber gerade an ebendiesem scheint es zu fehlen, meint Dorfer: «Wenn so drei, vier Halbintellektuelle zusammenstehen und den Kopf leicht schief halten, damit das Halbwissen zusammenrinnt, fällt oft der souveräne Satz: Das weiss man aus der Hirnforschung!» Jetzt, wenn man es in so einer Gruppe ganz lustig haben will, frage man einfach: «Was weisst du über Hirnforschung?»

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