«Wer es sich leisten kann, wird wegziehen»

Nachgefragt

Simon Dudle
Drucken
Teilen

Dass der Bundesrat einer Verlängerung der Piste 28 zustimmt, ist eine schlechte Nachricht für die rund 400 Mitglieder des Bürgerprotests Fluglärm Hinterthurgau. Seit mittlerweile zwölf Jahren setzen sie sich dafür ein, dass die Region Hinterthurgau-Wil künftig nicht mehr Lärm von oben ertragen muss. Präsident und Antreiber Josef Imhof äussert sich zu den Konsequenzen und einer möglichen Auflösung des Bürgerprotests.

Josef Imhof, was sagen Sie zum Entscheid des Bundesrates?

Wir müssen das zur Kenntnis nehmen. Langfristig wird die ­Piste 28 zur Hauptpiste. Nur im Ausnahmefall wird es Südstarts geben.

Was hat das für Konsequenzen für die Bevölkerung der Region Wil-Hinterthurgau?

Es gibt keine Entkoppelung der An- und Abflüge. Das heisst, dass auch etwa 70 Prozent aller Abflüge über Osten erfolgen. Es wird also gegen Osten gestartet und gelandet. Es braucht eine horizontale Differenz der Flugzeuge. Die ankommenden werden tiefer fliegen. Das ist der Supergau. Wer es sich leisten kann, wird aus der Region wegziehen. Es wird einen Exodus des Steuersubstrats geben.

Waren die Aktionen des Bürgerprotests umsonst?

Auch wenn nun Südstarts drin sind, können wir nicht triumphieren. Der Bund hat Nägel eingeschlagen, und es dürfte nicht mehr viel zu machen sein. Immerhin hat unser Protest eine Verzögerung erwirkt. Die Wirkung nach Bern war aber nicht gross genug, um die An- und Abflüge entkoppeln zu können.

Wie geht es nun weiter mit dem Bürgerprotest Hinterthurgau?

Wir haben aufgrund der aktuellen Ereignisse eine Sondersitzung einberufen. Im November findet die jährliche Versammlung statt. Dort werden wir bekannt geben, was Sache ist.

Steht auch eine Auflösung zur Debatte?

Wir müssen uns fragen, ob es uns noch braucht. Allerdings ist die Abstimmung über die Verlängerung der Piste 28 in Zürich noch nicht erfolgt.

Wie auch immer: Die Enttäuschung muss gross sein.

Es findet sich keiner, der uns sagen könnte, was wir noch anders hätten machen können. Die Region kann stolz sein, dass ein Projekt über so viele Jahre gehalten und sich in der Politik verankert hat. Wir haben einen provokativen Weg gewählt. Die Bevölkerung wird aber erst aufstehen, wenn es schon zu spät und der Lärm da ist.

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch