Wenn Tiefgang auf Frivolität trifft

Anlässlich der Buchvernissage «Stolperstein Frau» präsentierten Autor Werner Alex Walser und Moderator Gerhard Kasper am Mittwochabend drei zehnminütige Textpassagen, die neugierig und gleichzeitig auch Lust auf mehr gemacht haben.

Christine Gregorin
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Werner Alex Walser (rechts) liest in der Stadtbibliothek aus seinem neuen Buch. (Bild: cg.)

Werner Alex Walser (rechts) liest in der Stadtbibliothek aus seinem neuen Buch. (Bild: cg.)

«Wil ist es wert, als Lokation aufgegriffen zu werden», antwortete Werner Alex Walser auf die Frage, warum er die Äbtestadt als Handlungsort für sein neues Buch «Stolperstein Frau» ausgewählt habe. Ideal im Spannungsfeld zwischen Zürich, Winterthur und St. Gallen positioniert und geprägt durch seinen ländlich provinziellen Charme, biete Wil einen wunderbaren Nährboden.

Anspielung auf Fusion

Der pensionierte Swissair-Pilot und Buchautor lebt in Bronschhofen und besteigt fast täglich den Wiler Turm. In unmittelbarer Nähe zu dieser Holzkonstruktion befindet sich jener Grenzstein aus dem Jahr 1647, der auf dem Einband des Buchs «Stolperstein Frau» abgebildet ist. Er soll auf die anstehende Fusion der Gemeinden Wil und Bronschhofen hindeuten. Und die roten Highheels repräsentieren, notabene, Bronschhofen als Braut.

Reines Phantasiekonstrukt

«Das Schreiben ist für mich ein Ersatz fürs Fliegen», erklärte Werner Alex Walser weiter. Sauberes Arbeiten, verantwortungsbewusstes Verhalten, vorausschauendes Handeln und akribisches Denken seien dabei die verbindenden Parallelen.

Genau wie seine Buchfigur Fred Frick hat Walser die Schule für fiktives Schreiben besucht, um sich technisch weiterzuentwickeln – im Gegensatz zu seinem Protagonisten allerdings in Basel und St. Gallen. Während dieser Zeit ist auch die Idee zum aktuellen Roman entstanden.

Werner Alex Walser unterliess es überdies nicht, zu betonen, dass im Buch ausschliesslich Kunstfiguren anzutreffen seien, kreiert in seiner Phantasie. Vermeintliche Ähnlichkeiten mit Personen aus seinem Umfeld oder der Region rund um Wil seien zufällig, hob der Autor ausdrücklich hervor.

Aus dem Leben gegriffen

«Wir erschrecken über unsere eigenen Sünden, wenn wir sie an anderen erblicken.» Mit diesem Zitat von Johann Wolfgang von Goethe brachte Moderator Gerhard Kasper die Faszination der fiktiven Literatur auf den Punkt. In der Tat sei es Werner Alex Walser in seinem neusten Werk gelungen, sowohl das Aussehen als auch den Charakter seiner Haupt- und Nebenfiguren präzis, lebendig und anschaulich in bisweilen verblüffend rotzfreche Worte mit frivoler Note zu fassen. Zudem gewähre er einen glaubhaften Einblick in die Welt der menschlichen Emotionspalette, was dem Roman Tiefgang verleihe. Den Leser erwarte ein in geschliffenem Stil verfasstes reifes Werk, das mit ungewöhnlichen Formulierungen besteche und spannend zu lesen sei. «Das Schicksal einer Einzelperson präsentiert sich hierbei locker verknüpft mit jenem anderer Menschen, eben schlicht aus dem Leben gegriffen», konstatierte Kasper abschliessend.