Wenn Rottweiler Spargeln essen

Die Wiler Theatergruppe Improgress steht kurz vor ihrem ersten Auftritt. Auf Requisiten und auswendig gelernte Sätze verzichten die acht Mitglieder. Alle Szenen entstehen ganz spontan. Und das letzte Wort hat sowieso das Publikum.

Ursula Ammann
Drucken
Teilen
«Es entsteht alles aus der Phantasie», sagt Tinu Keller (links). Diese Szene spielt auf einer öffentlichen Toilette. (Bilder: Ursula Ammann)

«Es entsteht alles aus der Phantasie», sagt Tinu Keller (links). Diese Szene spielt auf einer öffentlichen Toilette. (Bilder: Ursula Ammann)

WIL. «Fünf, vier, drei, zwei, eins, los»: Dieser Countdown vor jeder Szene ist das einzige, was immer gleich klingt, wenn die Mitglieder von Improgress auf der Bühne stehen. Alles andere ergibt sich aus dem Moment heraus. Da kann es dann schon mal vorkommen, dass sich eine Krankenschwester fürchterlich vor Spritzen fürchtet, ein grüner Apfel, der die Konsistenz eines Gumpiballs hat, mit einer Kreissäge vermostet wird oder ein Rottweiler Spargeln isst.

Improgress macht – wie es der Name andeutet – Improvisationstheater (siehe Infobox). Genauso wenig wie auswendig gelernte Sätze gibt es dabei Requisiten oder Bühnenbilder. «Es entsteht alles aus der Phantasie», erklärt Tinu Keller.

Wie im Sport

Fast so spontan wie die Szenen auf der Bühne, ist auch die Idee entstanden, eine neue Improvisationsgruppe zu gründen – es war bei einem kühlen Bier im Dezember. Die acht Mitglieder von Improgress kommen aus Winterthur, St. Gallen und dem Toggenburg. Weil Wil ungefähr in der Mitte liegt, hat sich der junge Verein hier niedergelassen. Die Gruppe trifft sich einmal wöchentlich in der Kinderbühne zum Proben. Wobei: proben sei das falsche Wort, sagt Men Spadin. Trainieren treffe es schon eher. Improvisationstheater hat nämlich viel mit Sport zu tun: Es gibt verschiedene Disziplinen, es treten zwei Teams gegeneinander an, und es gibt Punkte am Schluss. «Gespielt wird, was das Publikum vorgibt», erklärt Men Spadin.

Freude am Scheitern

Um Siege und Medaillen geht es im Improvisationstheater aber nicht. Vielmehr müsse man sogar ein bisschen Freude am Scheitern haben und daran wachsen können, sagt Andreas Mäder. «Es kann sein, dass eine Szene völlig abverheit», ergänzt Tinu Keller. «Es gilt, aus jedem Moment das Beste zu machen», sagt wiederum Fabian Engbersen. Wichtig sei, dass die Gruppe zusammenpasse, fügt Men Spadin an. Er ist überzeugt, dass dies bei Improgress der Fall ist. Deren Mitglieder – fünf Männer, drei Frauen – kennen sich teils erst, seit sie zusammen auf der Bühne spielen. Sie verfügen über unterschiedliche Erfahrungen mit Improvisationstheater. Doch falsch machen kann man dabei eigentlich sowieso nichts – ausser man macht nichts.

Heute abend um 19 Uhr feiert Improgress ihren ersten Auftritt vor Publikum. Dies in ihrem Probelokal – der Kinderbühne. Die Plätze sind beschränkt. Bereits haben etliche Zuschauerinnen und Zuschauer ihr Kommen angekündigt. Es sind weitere Auftritte geplant. Die Theatergruppe Improgress spielt überall, wo ein bisschen Platz vorhanden ist – sei es an Dorffesten, Geburtstagen, Hochzeiten oder WG-Partys. Ihr wichtigstes Werkzeug – die Phantasie – lässt sich überall einsetzen.

Im Improvisationstheater ist jede Bewegung unvorhergesehen und deshalb auch für die Mitwirkenden selbst eine Überraschung. (Bild: unknown)

Im Improvisationstheater ist jede Bewegung unvorhergesehen und deshalb auch für die Mitwirkenden selbst eine Überraschung. (Bild: unknown)

Aktuelle Nachrichten