Wenn Kinder mitreden dürfen: In der Primarschule Bronschhofen war gestern die Schülervollversammlung

Auf dem Pausenplatz wurden auf Wunsch der Kinder neue Spielgeräte installiert, die letzte Woche eingeweiht wurden.

Leonie Herde
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Die Schülervollversammlung ist ein Ort, an dem die Schülerinnen und Schüler mitreden und mitbestimmen dürfen. (Bilder: Leonie Herde)

Die Schülervollversammlung ist ein Ort, an dem die Schülerinnen und Schüler mitreden und mitbestimmen dürfen. (Bilder: Leonie Herde)

Etwa 350 Schülerinnen und Schüler stürmen in die Turnhalle, lassen sich auf Bänkli und Turnmatten nieder und warten gespannt. Es ist Schülervollversammlung in der Primarschule Bronschhofen. Alle Kinder vom Kindergarten bis zur sechsten Klasse versammeln sich drei bis fünf Mal im Jahr, um Angelegenheiten zu besprechen, die das Zusammenleben in der Schule betreffen. Hier können die Schülerinnen und Schüler Ideen anbringen, mitreden und mitbestimmen. Man spricht dabei auch von Schülerpartizipation.

Die Stadt Wil hat in den Legislaturzielen festgehalten, dass die Schulen die partizipative Mitwirkung der Kinder fördern sollen. In der Primarschule Bronschhofen wird dieses Prinzip schon länger gelebt. So durften die Kinder beispielsweise bereits 2012 ihre Vorschläge für ein neues Schullogo anbringen.

Neue Spielgeräte eingeweiht

Ein aktuelles Beispiel sind die beiden neuen Spielgeräte auf dem Pausenplatz, die letzte Woche eingeweiht werden konnten. Sie kamen zu Stande, nachdem einige Schülerinnen und Schüler vor etwa fünf Jahren die Initiative ergriffen und ihren Wunsch nach einem attraktiveren Pausenplatz eingebracht haben. Hanspeter Helbling, Schulleiter der Primarschule Bronschhofen, sagt:

«Die neuen Spielgeräte sind ein gutes Beispiel dafür, dass die Kinder wirklich etwas erreichen können.»
Die beiden neuen Spielgeräte sind bei den Kindern bereits sehr beliebt.

Die beiden neuen Spielgeräte sind bei den Kindern bereits sehr beliebt.

Als Grundlage für die Schülerpartizipation dienen sowohl die UN-Kinderrechtskonvention als auch der neue Lehrplan. Helbling sagt:

«An unserer Schule gibt es keine grösseren Anlässe an welchen die Kinder nicht in irgendeiner Form beteiligt sind, sei es bei der Planung oder der Auswertung.»

Organisiert ist die Schülerpartizipation in einem dreistufigen Modell. Auf der untersten Stufe ist der Klassenrat, der wöchentlich durchgeführt wird. Dort werden Themen besprochen, die das Zusammenleben in der Klasse und in der Schule betreffen. Jede Klasse wählt dann ihre Klassendelegierten, die sich etwa einmal im Monat treffen und Geschäfte für die Schülervollversammlung vorbereiten.

Hanspeter Helbling        Schulleiter Primarschule Bronschhofen

Hanspeter Helbling        Schulleiter Primarschule Bronschhofen

Die dritte Stufe ist die eben genannte Schülervollversammlung, die das letzte Mal gestern morgen stattfand. Die Schülerdelegierten haben die Ideen für die Sonderwoche im Frühling vorgestellt, welche die Kinder zuvor in den Klassen gesammelt haben. «Die Sonderwoche wird zum Jahresthema ‹Respekt› gestaltet, das die Kinder auch selbst gewählt haben», sagt Helbling. Die Schülervollversammlung ist aber auch eine Möglichkeit für die Kinder, einmal etwas vor allen zu präsentieren.

Kindern das Demokratieverständnis beibringen

«Wir wollen den Kindern zeigen, dass sie etwas erreichen können», sagt Helbling. «Gleichzeitig sehen sie aber auch, wie lange es manchmal geht bis eine Idee umgesetzt werden kann, wie das Beispiel der neuen Spielgeräte zeigt.» Zudem sei die Schülerpartizipation wichtig für die Identifikation der Schülerinnen und Schüler mit der Schule. «Auch das Mitwirken im Unterricht ist wichtig», sagt Helbling. Er ist überzeugt, dass die Motivation und der Lernerfolg der Kinder steigt, wenn sie den Unterricht mitgestalten können. «Die Kinder können und müssen auch verschiedene Fertigkeiten im Zusammenhang mit der Partizipation erlernen, wie zum Beispiel zuhören, Teamfähigkeit üben oder auch andere Meinungen und Ideen tolerieren.»

Als nächste Projekte stehen die Planung der Sonderwoche, sowie die neuen Regeln für das Zusammenleben auf dem Pausenplatz an. «Die Kinder sollen einmal selbst überlegen, was es für einen respektvollen Umgang miteinander braucht, bevor sich natürlich auch die Lehrpersonen noch Gedanken dazu machen», sagt Helbling.