Wenn es in der Innenstadt muht …

Gestern fand auf dem Viehmarktplatz der traditionelle Rindermarkt des Maimarkts statt. Gelegenheit für Bauern, sich zu treffen, auszutauschen und zu handeln. «Sehen und gesehen werden» schien das Motto für die Bauern – nicht für die zahlreichen Tiere.

Cornelia Nussbaum
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Für einen Stadtmenschen – manche glauben ja zu wissen, dass die Milch aus dem Laden kommt – bot sich gestern ein seltsames Bild: Milchkühe, Munis und Kälber wurden ausgestellt. Daneben konnten modernste Landwirtschaftsgeräte und alte Holzsensen begutachtet werden. Dazwischen standen rund 50 in Faserpelz und Übermäntel gekleidete Männer: Bauern. Sie liessen sich nicht vom herbstlichen Mai-Wetter abhalten, nach Wil zu kommen. Wärs wirklich Herbst, wären sie den Tieren zuliebe zu Hause geblieben.

Markt noch sinnvoll?

Auf die Frage, ob denn während des Viehmarkts tatsächlich noch gehandelt werde, waren die Antworten so unterschiedlich wie die Flecken der Rinder. Ein junger Bauer, der mit einer Milchkuh und einem Deck-Stier angereist war, verwies darauf, dass bereits sein Vater, Grossvater etc. an diesem Markt Tiere verkauften und kauften; er also nur deswegen da sei. Schliesslich verdiene er damit gutes Geld.

Ein älterer Landwirt erinnerte daran, dass früher auch andere Nutztiere gehandelt wurden und dass der Markt meist die Gelegenheit war, nicht nur Tiere und Futter einzukaufen. Für ihn und seine Kollegen ist es heute wichtiger, sich am Markt zu präsentieren und so zu zeigen, dass man noch «buret». Einer glaubte sogar, dass der Maimarkt ohne Vieh nicht mehr lange durchgeführt würde.

Schwierige Zeiten

Der Handel sei zurzeit schwierig, weil man ja nicht wisse, wie es wegen der billigen Importe weitergehe. Trotzdem stehen die Bauern zufrieden beieinander und diskutieren die aktuelle Lage, die neusten Traktoren und die ausgestellten Tiere.

Weitere Bilder•www.wilerzeitung.ch