Wenn Eltern andere Kinder gefährden

Region In den ländlichen Gemeinden der Region Wil werden viele Kinder mit dem Schulbus in die Schule gefahren. Trotzdem kommt das Phänomen der Elterntaxis auf, wie ein Blick ins untere Toggenburg zeigt.

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Der Schulweg sei für die Kinder in mehrfacher Hinsicht wichtig, sind die Schulbehörden der Region überzeugt. Bild: Urs Bucher

Der Schulweg sei für die Kinder in mehrfacher Hinsicht wichtig, sind die Schulbehörden der Region überzeugt. Bild: Urs Bucher

Kurz vor und nach Schulbeginn vergrössert sich das Verkehrsaufkommen vor den Schulhäusern massiv. Denn die Mamis und Papis fahren ihre Sprösslinge zur Schule, lassen sie möglichst nahe davor aussteigen und sorgen damit für gefährliche Situationen, vor allem für diejenigen Schulkinder, die ihren Schulweg zu Fuss absolvieren.

«Ja, das Phänomen kennen wir auch», bestätigt Orlando Simeon, Schulratspräsident von Kirchberg. Vor allem Kindergärtler und Unterstufenschüler würden von ihren Eltern zum Schulhaus gefahren. Ähnlich tönt es in Wattwil. Es gebe Eltern, die ihre Kinder für nur wenige Meter von ihrer Wohnung zur Schule fahren, weiss Schulratspräsident Norbert Stieger. In den Dörfern mag es noch weniger Elterntaxis geben, doch sie nehmen zu, heisst es bei der Schule Neckertal. Auch Josef Rütsche, Präsident der Primarschulgemeinde Lütisburg, stellt das fest. Kinder, die aufgrund ihres Wohnortes nicht mehr für Schulbusfahrten berechtigt sind, würden bei Schlechtwetter oder im Winter vermehrt von ihren Eltern zur Schule gefahren.

Gefährliche Situationen vor den Schulhäusern

Doch solche Elterntaxis stossen bei Schulbehörden auf wenig Verständnis. Das gesetzeswidrige Verhalten verschiedener Eltern beim Anhalten ihrer Autos führt immer wieder zu unübersichtlichen und damit gefährlichen Situationen. Josef Rütsche gibt zu Bedenken, dass zu gewissen Stosszeiten vor der Schulanlage alle zusammentreffen, wartende Eltern mit Autos, Schulbusse und Kinder, die zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs seien. Orlando Simeon nennt die Situation paradox: «Die Eltern fahren ihre Kinder mit der Begründung der Schulwegsicherheit in die Schule, erhöhen aber mit ihren Taxifahrten potenzielle Gefahren auf dem Schulweg.» Massnahmen dagegen zu ergreifen, würde kaum fruchten. Eine Verbotstafel bei der Einfahrt auf den Parkplatz der Schuleinheit Neugasse in Bazenheid brachte beispielsweise mit sich, dass die Eltern zwar den Parkplatz nicht mehr befahren, aber dafür ihre Autos auf der Neugasse abstellen. «Es ist lediglich eine Verlagerung des Problems, was für die Gesamtsituation nichts nützt», sagt Orlando Simeon. Die Schulbehörden können Elterntaxis nicht verbieten. Deshalb appellieren sie an die Eltern, ihren Kindern den Schulweg nicht abzunehmen. (sas)