Wenn die Schule Müll lehrt: ZAB bietet neue Unterrichtsmodule zum Thema Abfall, Recycling und Energie an

Der Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid (ZAB) lanciert mit dem Verein Energietal Toggenburg zwei Module für Primarschulen. Damit sollen Kinder für ressourcenschonenden Umgang sensibilisiert werden.

Gianni Amstutz
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Der Abfallunterricht ist in eine Geschichte mit Globi eingebettet, um die Lektionen möglichst erlebnisorientiert zu gestalten. (Bild: PD)

Der Abfallunterricht ist in eine Geschichte mit Globi eingebettet, um die Lektionen möglichst erlebnisorientiert zu gestalten. (Bild: PD)

Die Abfallmengen steigen in der Schweiz stetig an. Dies als eine der Nebenerscheinungen des zunehmenden Wohlstands. «Parallel zum Bruttoinlandprodukt ist auch die Menge der Siedlungsabfälle gestiegen», sagt Claudio Bianculli, Vorsitzender der Geschäftsleitung beim ZAB. Je besser es einer Gesellschaft gehe, desto mehr werde konsumiert und infolgedessen entstehe auch mehr Abfall. Zwar kam es in den vergangenen Jahren gleichzeitig auch zu einem Anstieg der Abfälle, die recycelt wurden, doch Bianculli betont: «Es ist mindestens ebenso wichtig, dass man bereits bei der Vermeidung von Abfällen ansetzt.» Nur so könnten die gesellschaftlichen Herausforderungen der Energie- und Klimapolitik bewältigt werden.

Die Aussage des ZAB-Geschäftsleiters mag überraschen, ist es doch die Aufgabe des Zweckverbands, aus der Verbrennung von Abfällen Energie zu gewinnen. Drohen dem ZAB durch Vermeidung und Verminderung der Abfälle nicht irgendwann die Abfälle auszugehen? «Ich bin überzeugt, dass dies noch lange nicht der Fall ist.» Dies hänge damit zusammen, dass es immer noch viele Stoffe gebe, bei denen eine Verwertung in Form von Recycling nicht möglich sei.

Kinder auf emotionaler Ebene ansprechen

Um den sorgfältigen Umgang mit den Ressourcen zu fördern, setzt der ZAB bereits bei den Kindern an. Dazu hat der ZAB zusammen mit dem Verein Energietal Toggenburg zwei Unterrichtsmodule für die Unter- und Mittelstufe entwickelt. In diesen lernen die Schüler der 2. bis 5. Primarklassen auf spielerische Weise anhand von Experimenten den bewussten Umgang mit ­Abfällen.

Die Module, die von den Schulen der ZAB-Mitgliedergemeinden gratis gebucht werden können, wurden vom «Energietal Toggenburg» entwickelt. Dessen Projektleiter im Bereich Bildung, Hans-Ueli Aebischer, erklärt das vorliegende Konzept des Abfallunterrichts: «Wir haben die Module sehr handlungs- und erlebnisorientiert aufgebaut. Bei Kindern ist es wichtig, sie auf einer emotionalen Ebene anzusprechen.»

So knüpfen die Lektionen für die Unterstufe beim Alltag der Schüler an. Während einer Woche notieren die Kinder, was bei ihnen zu Hause alles im Abfall landet. Im Abfallunterricht, der durch vom «Energietal Toggenburg» ausgebildete Lehrer durchgeführt wird, lernen die Schüler dann, wie sich Abfall vermeiden lässt und wie sie diesen trennen und korrekt entsorgen können. Um den Unterricht für die Kinder möglichst spannend zu gestalten, wurden die Aufgaben in eine Geschichte eingebaut, bei der Globi eine zentrale Rolle spielt.

Beim zweiten Modul, das für die 4. und 5. Klasse entwickelt wurde, wird den Schülerinnen und Schülern mit verschiedenen Experimenten aufgezeigt, wie bei der Energienutzung eine Energieform in eine andere umgewandelt wird. Die Module, die jeweils zwei Lektionen dauern, können zudem mit einer Besichtigung der Anlagen des ZAB kombiniert werden. Die Unterrichtseinheiten wurden in Zusammenarbeit mit den Fachleuten der Pädagogischen Hochschule St. Gallen (PHSG) erarbeitet. Da sie auf das Erlernen von Kompetenzen ausgerichtet seien, seien die Module auch mit dem Lehrplan 21 kompatibel, wie Erika Ruefer von der PHSG erklärte. In verschiedenen Klassen wurden die Module bereits getestet und stehen ab Februar für die Schulen des ZAB-Einzugsgebiets, das vom Toggenburg über Wil und das Fürstenland bis in den Hinterthurgau reicht, zur Verfügung. Bereits zum jetzigen Zeitpunkt seien mehrere Buchungen für die Module eingegangen.

Jeder einzelne muss Beitrag leisten

Die Sensibilisierung für einen nachhaltigen und korrekten Umgang mit Abfall bereits im Kindesalter sei wichtig, betont Patrizia Egloff, Leiterin Geschäftstelle beim «Energietal Toggenburg». Denn nur durch das Engagement jedes einzelnen, könnten Ziele wie die 2000-Watt-Gesellschaft dereinst erreicht werden.