Wenn die Eselsohren spriessen

Plakatieren ist Werner Sprechers Beruf, und das schon seit zehn Jahren. Zu den Kunden seiner Firma gehören – gerade auf die Wahlen hin – auch politische Parteien. Bei deren Plakaten sind Verschandelungen beinahe an der Tagesordnung.

Ursula Ammann
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Werner Sprecher plakatiert im Kanton St. Gallen für die SVP und im Kanton Thurgau für die Grünen. (Bild: Ursula Ammann)

Werner Sprecher plakatiert im Kanton St. Gallen für die SVP und im Kanton Thurgau für die Grünen. (Bild: Ursula Ammann)

BAZENHEID. Im Firmengebäude der WS Kleinplakate GmbH reihen sich die Aushänge stapelweise. Die einen werben für Konzerte wie jenes von Eros Ramazotti, andere Geschäfte für Veranstaltungen wie Oktoberfeste und wieder andere für Parteien und deren Vertreter. Diese haben derzeit Hochsaison, denn es geht auf die Parlamentswahlen zu. Werner Sprecher, Gründer der Firma, plakatiert im Kanton St. Gallen für die SVP und im Kanton Thurgau für die Grünen. Die WS Kleinplakate GmbH verfügt über 150 eigene behördlich bewilligte Aushängestellen in der ganzen Ostschweiz – darunter Tafeln, Säulen, Bushäuschen und Stellwände.

«Das zeugt von Neid»

Gerade Wahlplakate würden häufig in primitiver Art und Weise verschandelt, sagt Werner Sprecher, der selbst einmal als SVP-Kandidat für den Gemeinderat in Kirchberg kandidierte und heute noch im Vorstand der SVP Kirchberg mitwirkt. In den Gemeinden Kirchberg und Lütisburg habe sich ein ganz besonderes Phänomen herauskristallisiert. Das Gesicht von SVP-Nationalratskandidat Linus Thalmann sei auf etlichen Plakaten mit aufgemalten Eselsohren, Hörnern und Bärtchen verunstaltet worden, berichtet Sprecher. «Das zeugt von Neid gegenüber einem erfolgreichen Geschäftsmann hier in der Gemeinde.» Dort, wo man Thalmann nicht so gut kenne, werde sein Plakat nicht angerührt.

Die Verschandelungen betrafen vorwiegend die grösseren Plakate, die Sprecher am Strassenrand aufgestellt hatte, und weniger diejenigen an den Aushängestellen seiner Firma. Er fährt regelmässig seine Runden, um nachzuschauen, ob noch alles hängt. Oft wird er auch informiert, wenn ein Plakat zerstört ist. Bei den Wahlplakaten der Grünen, die Werner Sprecher im Kanton Thurgau aufhängt, sind die Verschandelungen gemäss seinen Beobachtungen seltener. Deren aktuelle Plakatkampagne – sie zeigt Hühner, Ziegen und Chamäleons – komme bei den Leuten sogar sehr gut an, weiss Sprecher. Auch bei jenen, die nicht die Grünen wählen.

Dennoch glaubt er, dass alle Parteien betroffen sind von Plakat-Verschandelungen. Jene am rechten oder linken Rand wohl etwas mehr als jene in der Mitte. Über alle Parteien gesehen würden etwa 30 Prozent der Wahlplakate, die an den Strassenrändern aufgestellt sind, verunstaltet oder heruntergerissen, schätzt Werner Sprecher. «Oft werden die Plakate auch von den Bauern entfernt, weil sie ungefragt auf ihre Wiese gestellt worden sind.»

Mehr Respekt vor Pop und Rock

Auch Konzert- und Veranstaltungsplakate sind vor Schmierereien und dergleichen nicht sicher, auch wenn sie weitaus weniger häufig zur Zielscheibe werden als politische Plakate. Bei einem Bushäuschen, das sich in der Nähe einer Schule befindet, und bei dem sich auch sonst eher ein jugendliches Publikum aufhält, plakatiert Werner Sprecher heute nicht mehr für Volksmusikveranstaltungen. Er habe schon erlebt, dass Schüler diese Plakate herunterreissen, weil sie die Musik einfach «en Seich» finden. Bei Aushängen zu Rock- und Popveranstaltungen passiere das hingegen viel seltener.