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Wenn die Altstadt brennt: So funktioniert der Kulturgüterschutz in Wil

Vor genau zwei Wochen stand die Pariser Kathedrale Notre Dame in Flammen. Ein ähnliches Szenario wäre auch hier denkbar. Die regionale Feuerwehr ist entsprechend gerüstet. Der Kulturgüterschutz wird mit einbezogen.
Dinah Hauser
Der Hof zu Wil: In der Altstadt stehen die Gebäude dicht beieinander. Ein Feuer könnte sich rasch ausbreiten – auch wertvolle Kulturgüter wären in Gefahr. (Bild: Dinah Hauser)

Der Hof zu Wil: In der Altstadt stehen die Gebäude dicht beieinander. Ein Feuer könnte sich rasch ausbreiten – auch wertvolle Kulturgüter wären in Gefahr. (Bild: Dinah Hauser)

Montagabend; die schwarze Rauchwolke ist weitum zu sehen: Der Dachstock des Hof zu Wil steht in Vollbrand. Tapfere Feuerwehrleute, ausgerüstet mit Schläuchen und Atemmasken, wagen sich bis ins Innere vor und kämpfen bis spät in die Nacht gegen die Flammen. Knapp wird ein grossflächiger Altstadtbrand verhindert.

So ähnlich könnte sich das Szenario des Brandes der Pariser Kathedrale Notre Dame in Wil abspielen. Die Region verzeichnet einige Kulturgüter, welche von nationaler Bedeutung sind, wie zum Beispiel der Hof zu Wil oder das Textilmuseum Sorntal in Niederbüren. Solche Kultur- und Geschichtsträger sollen gemäss internationalem Abkommen geschützt werden.

Tom Widmer, Leiter Einsatzorganisation beim Sicherheitsverbund Region Wil.

Tom Widmer, Leiter Einsatzorganisation beim Sicherheitsverbund Region Wil.

«Es ist wichtig und gut, dass man das kulturelle Erbe bei Katastrophen schützt», sagt Tom Widmer, Leiter Einsatzorganisation beim Sicherheitsverbund Region Wil. Gleichzeitig ist er Kommandant der regionalen Feuerwehr und des Zivilschutzes. Letzterem untersteht der Kulturgüterschutz. «Da die Organisationen unter dem Sicherheitsverbund eng zusammengewachsen sind, kennen sich die Leute bereits und haben Kenntnisse in anderen Bereichen. Das erleichtert die Zusammenarbeit», sagt Widmer.

Pläne und Dokumentationen im Einsatzfahrzeug

Die Hauptaufgabe der Abteilung Kulturgüterschutz ist das Erstellen und Aktualisieren von Dokumentationen und Inventare der zu schützenden Güter. So werden die Objekte fotografiert, Gebäudepläne und Inventare erstellt. «Diese Dokumente werden mit den Einsatzplänen digital und in Papierform im ersten Einsatzfahrzeug hinterlegt», sagt Widmer. So wissen die Einsatzkräfte nicht nur über die Beschaffenheit des Gebäudes bescheid, sondern auch, welche Güter wie zu schützen sind.

Die Feuerwehr ist für die erste Sicherung der Güter zuständig. Dabei gebe es verschiedene Methoden. Kleine, transportable Objekte können die Feuerwehrleute hinaustragen. Für schwere oder angeschraubte Gegenstände wie Statuen werden Kunststoffabdeckungen eingesetzt. «Sind die Gegenstände nach draussen gebracht, kümmern sich die ausgebildeten Kräfte des Kulturgüterschutzes darum», sagt Widmer. Dabei sei die Zusammenarbeit mit der Polizei wichtig. «Die wertvollen Gegenstände müssen bewacht werden.»

Der Kulturgüterschutz klärt dann vor Ort ab, welche Massnahmen getroffen werden müssen, um die Gegenstände bestmöglich zu erhalten. So werden beispielsweise nasse Dokumente möglichst rasch eingefroren. Dafür muss ein entsprechendes Fahrzeug organisiert werden. «Für grosse Massnahmen steht uns beim Kanton eine Ansprechperson zur Verfügung», sagt Widmer.

Sicherheit und Leben gehen vor

Bei einem Einsatz der Feuerwehr stehen die Eigensicherung und das Retten von Menschen und Tieren an erster Stelle. Bei Bränden sind laut Widmer sogenannte Haltelinien für das Sichern von Gebäuden und für die Schadensprävention wichtig. «Es geht darum, jene Gebäudeteile zu retten, welche noch nicht zerstört sind. Der Einsatzleiter positioniert die verschiedenen Truppen so, dass diese vom intakten Teil des Gebäudes auf das Feuer einwirken können.» Dabei sei der stetige Funkkontakt unentbehrlich, denn nur so kann der Einsatzleiter erfahren, ob eine Massnahme erfolgreich ist, oder ob die Haltelinie oder Truppeneinsätze angepasst werden müssen. «Der Einsatzleiter muss solche Entscheidungen innert wenigen Sekunden fällen», sagt Widmer.

Idealerweise werden Brandschutzmauern als Haltelinien genutzt. «Aber gerade bei historischen Bauten fehlen diese oft.» So seien in der Wiler Altstadt viele Dachstöcke miteinander verbunden, was dem Feuer die Ausbreitung erleichtert – Übergriffe auf andere Gebäude sind deshalb nicht selten. «Hier gilt es die Haltelinien grosszügig zu ziehen und angrenzende Gebäude so gut es geht zu schützen», sagt Widmer.

Regelmässig nehmen die Einsatzkräfte des Kulturgüterschutzes an Weiterbildungen und Übungen teil. Dabei steht die Erhaltung der Objekte im Fokus. Auch wird zusammen mit der Feuerwehr geübt. «Es ist wichtig, die Einsatzkräfte der Feuerwehr für den Kulturgüterschutz zu sensibilisieren», sagt Widmer.

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