Wenn der Weihnachtsmann über Pyramiden fliegt

Während der Festtage herrscht auch in Ägypten vielerorts Ausnahmezustand. Christbäume, Weihnachtssterne, Lichterketten und Santa Claus haben in den letzten Tagen Einkaufszentren und Restaurants geschmückt.

Lucienne Suter
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Amerikanische Trends ums Weihnachts- und Neujahrsfest sind mittlerweile längst in Kairo angekommen. (Bild: Lucienne Suter)

Amerikanische Trends ums Weihnachts- und Neujahrsfest sind mittlerweile längst in Kairo angekommen. (Bild: Lucienne Suter)

Während der Festtage herrscht auch in Ägypten vielerorts Ausnahmezustand. Christbäume, Weihnachtssterne, Lichterketten und Santa Claus haben in den letzten Tagen Einkaufszentren und Restaurants geschmückt. Dabei kann man gut erkennen, wie der amerikanische Trend um das Weihnachts- und Neujahrsfest die kapitalistischen Orte beherrscht, während in den ärmeren Gegenden Kairos kaum etwas davon zu spüren ist. Mit kapitalistischen Orten meine ich beispielsweise grosse Einkaufszentren und Stadtteile, in denen reiche Ägypter wohnen, welche sich in vielerlei Hinsicht an Amerika orientieren beziehungsweise ihre Trends übernehmen.

Dies gilt als modern und angesagt. Der ganze Zirkus hat weniger mit Religion zu tun als vielmehr mit geschickter Vermarktung für die Konsumenten und Konsumentinnen. Die christlichen Kopten in Ägypten feiern Weihnachten sowieso jeweils erst am 7. Januar.

Tongefäss und Stock

Das vor allem bei den besseren Schichten beliebte Magazin «Cairo Scene» zeigt in ihrem «Christmas Guide» ein Bild, auf dem der Weihnachtsmann mit seinem Wagen über die Pyramiden fliegt. Interessant dabei ist, dass er auf einem traditionellen Wagen sitzt, wie ihn die ägyptischen Bauern benutzen, wenn sie ihre Waren in der Stadt zum Verkauf anbieten. Zudem wird der Wagen nicht von Rentieren, sondern von Eseln gezogen. Auf dem Wagen hat der ägyptische Weihnachtsmann keinen Sack mit Geschenken, sondern zwei typisch ägyptische Gegenstände: ein traditionelles Tongefäss, in dem Fool, eine ägyptische Spezialität aus Bohnen, hergestellt wird. In seiner Hand hält er einen langen Stock, an dem viele kleine Plastiksäcke gefüllt mit Zuckerwatte befestigt sind. In den lokalen Orten der Stadt findet man stets Männer und Buben, welche mit diesen «Zuckerwattenstecken» durch die Strasse laufen und den Kindern Zuckerwatte verkaufen.

Musicals und Shows

Dieses Bild zeigt sehr schön auf, wie sich die Traditionen und der amerikanische Weihnachtstrend in Ägypten vermischt haben. Dass das Magazin zudem stets auf Englisch erscheint und bloss noch ein paar ägyptische Begriffe eingeschoben werden, überrascht den Leser an dieser Stelle wohl auch nicht mehr.

Der amerikanische Weihnachtstrend macht aber nicht bei den Einkaufszentren und Parties halt. Zahlreiche übergrosse Tafeln werben in den neueren Stadtvierteln für Musicals und Shows für die ganze Familie, in denen der Weihnachtsmann sich mit Elfen, Rentieren und frechen Kobolden herumschlagen muss. Eine Vielzahl von Veranstaltern bietet Weihnachtskonzerte oder Weihnachtsdinner an, welche längst nicht nur von Touristen und Ausländern besucht werden.

Lucienne Suter aus Wil lebt in Kairo. Für die Wiler Zeitung berichtet sie regelmässig über Erlebnisse in der ägyptischen Hauptstadt.

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