Wenn Bilder Geschichten schreiben: Bilderserie des Künstlers Karl Uellinger erhält würdigen Platz in Flawil - und ein neues Buch 

Über 25 Jahre nach dem Tod des Berner Oberländer Künstlers Karl Uelliger wirken seine Bilder in Flawil lebendiger als je zuvor: Nebst der Veröffentlichung eines neuen Bilderbuchs, haben haben 31 seiner Kunstwerke einen Platz im neuen Schulhauskomplex der Heilpädagogischen Schule erhalten.

Joëlle Ehrle
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Insgesamt 31 Gemälde finden im modernen Flur Platz. (Bilder: Joëlle Ehrle)

Insgesamt 31 Gemälde finden im modernen Flur Platz. (Bilder: Joëlle Ehrle)

Daniel Baumgartner, Institutionsleiter HPS Flawil

Daniel Baumgartner, Institutionsleiter HPS Flawil

Bislang eher unauffällig im alten Schulhaus verteilt aufgehängt, scheinen die Gemälde am neuen Ort wie ausgewechselt. «Hier kommen sie so viel besser zur Geltung», sagt Institutionsleiter Daniel Baumgartner. Mit dem neuen Schulhauskomplex der Oberstufenklassen hat die Heilpädagogische Schule einen ehrenvollen Platz für 31 ihrer Uelliger-Gemälde gefunden. Diese wurde der Schule 2008 von der Karl Uelliger Stiftung geschenkt. Darunter ist die Bilderserie «Goldi, Wolkenpicker und Schlarpi» von 1977, der nun auch ein neues Buch gewidmet wird.

Ein Leben, von vielen Farben geprägt

Kunterbunt: So präsentiert sich die Welt in den Gemälden von Karl Uelliger. Weniger farbenfroh hingegen seien seine ersten Lebensjahre gewesen, erklärt Elisabeth Sailer-Weiss, die den Maler gut kannte und die Stiftung von Karl und Hanna Uelliger seit 2014 präsidiert. Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen, sei Uelliger als Verdingbub oftmals von Heimweh geplagt gewesen. Als Maler zu leben sei jedoch immer sein Traum gewesen. Erfüllt wurde ihm dieser allerdings erst als über 40-Jähriger.

Jedermann willkommmen: Die Gemälde von Uelliger im Schulhaus der Heilpädagogischen Schule Flawil sind auch für die Öffentlichkeit bestimmt.

Jedermann willkommmen: Die Gemälde von Uelliger im Schulhaus der Heilpädagogischen Schule Flawil sind auch für die Öffentlichkeit bestimmt.

«Seine Fantasie war grenzenlos», sagt Sailer-Weiss. Deshalb schuf der Künstler eine Vielzahl an Gemälden, Holzschnitten und Schnitzereien. Mit vier Goldi-Bilderbüchern erschuf er zudem eine Figur, die wundersame Abenteuer in der Natur erlebt. «Er liebte es, Geschichten zu erzählen.» Zuletzt lebte Uelliger mit seiner Frau Hanna im Toggenburgischen Dicken und malte bis zu seinem dortigen Ableben im Jahr 1993.

Zu Lebzeiten hatte Uelliger verschiedene Institutionen mit Leihgaben berücksichtigt. Nach seinem Tod kümmerte sich die von seiner Frau gegründete Stiftung darum, dass der Künstler und sein Werk nicht in Vergessenheit geraten. Auch nach dem Tod von Hanna Uelliger 2004 ist dies das Bestreben der Stiftung. Diese hat nun beschlossen, ein fünftes Buch von Uelligers Goldi-Serie zu veröffentlichen: «Goldi, Wolkenpicker und Schlarpi» heisst es und erzählt die Geschichte dreier Freunde, die sich auf eine Winterreise begeben.

Lässt Bilder sprechen: Elisabeth Sailer-Weiss stellt das neue Buch «Goldi, Wolkenpicker und Schlarpi» vor.

Lässt Bilder sprechen: Elisabeth Sailer-Weiss stellt das neue Buch «Goldi, Wolkenpicker und Schlarpi» vor. 

In die Welt von Uelliger eingetaucht

Sailer-Weiss selbst habe die Idee, ein neues Buch zu machen, fasziniert. «Vor lauter Begeisterung stimmte ich sofort zu, die Texte dazu zu schreiben.» Bevor sie jedoch damit begann, wollte sie die Originalbilder sehen. Dies ermöglichte ihr, jedes Bild einzeln zu betrachten und sich Gedanken darüber zu machen. «Ich tauchte förmlich darin ein.» Dabei seien auch Emotionen im Spiel gewesen. «Karl Uelliger hatte seine eigene Welt, sprach in dieser eine andere Sprache», sagt Sailer-Weiss.