Weniger Steuern für Wil

Eine Änderung der Gesellschaftsform der Firma Stihl hat zur Folge, dass die Stadt Wil Einbussen bei den Steuereinnahmen verzeichnen muss. Stihl wird in Wil aber weiterhin Steuern bezahlen.

Ivo Rechsteiner
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Die Firma Stihl hat ihre Rechtsform geändert, was steuerliche Konsequenzen für die Stadt Wil hat. (Bild: nb.)

Die Firma Stihl hat ihre Rechtsform geändert, was steuerliche Konsequenzen für die Stadt Wil hat. (Bild: nb.)

Wil. Im Dezember 2008 hat die Firma Stihl, grösste industrielle Arbeitgeberin in der Stadt Wil, die Änderung ihrer Rechtsform bekannt gegeben. Aus Gründen der Unternehmensnachfolge – der bisher persönlich haftende Gesellschafter Hans Peter Stihl wird in Kürze 78 Jahre alt – wurde die «Stihl & Co.» per 1. Januar 2009 in die «Stihl Kettenwerk GmbH & Co KG, Waiblingen (DE), Zweigniederlassung Wil» umgewandelt. Für die Stadt Wil bleibt diese Änderung nicht ohne Folgen.

«Bereits in der Rechnung 2009 hat sich ein Rückgang der Steuern bei den natürlichen Personen ergeben», schrieb die Stadt Wil kürzlich in einer Medienmitteilung. Und ferner: «Ab 2010 ist ein Zuwachs der Steuern bei den juristischen Personen zu erwarten.»

Im 2009 keine Steuern

Aus Gründen des Steuer- und Amtsgeheimnisses machte die Stadt keine weiteren Angaben – auch die Firma Stihl gibt keine Zahlen bekannt.

Leicht könnte der Eindruck entstehen, die Rechtsformänderung der Firma Stihl habe auf die Stadt Wil keine nennenswerten finanziellen Auswirkungen. Was lediglich wie eine Umverteilung von den Steuern natürlicher Personen zu den Steuern juristischer Personen klingt, bringt für die Stadt Wil de facto spürbare Einbussen bei den Steuereinnahmen mit sich.

Kolportiert wird verschiedentlich ein – allerdings unbestätigter – Betrag von rund 3,5 Millionen Franken im Jahr 2009, was in etwa den Mindereinnahmen bei den städtischen Steuern entspricht.

Das vergangene Jahr ist jedoch ein Ausnahmefall: Aufgrund der unterschiedlichen Besteuerungsweise von juristischen und natürlichen Personen muss die Firma Stihl die Steuern für das Geschäftsjahr 2009 durch die Rechtsformänderung erst im Jahr 2010 bezahlen.

Dies hat dazu geführt, dass die Firma Stihl im Jahr 2009 keine Steuern zu entrichten hatte, wie Joachim Zappe, Stihl-Geschäftsführer in Wil, bestätigt.

Kleinerer Steueranteil

Die Befürchtung, die Stadt Wil werde auch in Zukunft gänzlich auf Steuergelder der Firma Stihl verzichten müssen, ist dagegen unbegründet. Es ist aber so, dass Einbussen zu verzeichnen sein werden.

Dies deshalb, weil der Anteil der Gemeinde bei der Besteuerung juristischer Personen deutlich geringer ist, als wenn weiterhin natürliche Personen besteuert würden. Analog gestaltet sich die Situation in Bronschhofen, wo Stihl ein zweites Werk betreibt. Von der neuen Rechtsform profitiert der Kanton.

«Das Unternehmen hat keinerlei Einfluss darauf, an welches Gemeinwesen die Steuerzahlungen zu richten sind», erklärt Zappe. Weiter hält er fest: «Wir bleiben einer der bedeutendsten Steuerzahler für die Stadt Wil.

» Darüber hinaus sollen sich gemäss Bekunden der Firma Stihl keinerlei Auswirkungen auf Standorte, unternehmerische Tätigkeiten oder Geschäftsführung ergeben.

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