Weniger Siege und Kränze

68 Kränze gewannen die Schwinger des St. Galler Kantonalen Schwingerverbandes im 2015. Über die Hälfte geht auf das Konto des Toggenburger Schwingerverbandes. Ein Saisonrückblick.

Beat Lanzendorfer
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Daniel Bösch war zusammen mit Nöldi Forrer der stärkste Schwinger des Toggenburger Verbandes. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Daniel Bösch war zusammen mit Nöldi Forrer der stärkste Schwinger des Toggenburger Verbandes. (Bild: Beat Lanzendorfer)

SCHWINGEN. Die Schwingsaison 2015 galt als Zwischenjahr, fand in den Monaten April bis Oktober doch kein Fest mit eidgenössischem Charakter statt. Trotzdem ist es angebracht, das Befinden des Toggenburger Schwingerverbandes detaillierter unter die Lupe zu nehmen.

Bösch und Forrer obenauf

35 von 68 St. Galler Kränzen verteilen sich auf zehn Toggenburger Schwinger. Erneut waren Daniel Bösch, Zuzwil, und Nöldi Forrer, Stein, mit jeweils acht Auszeichnungen die Aushängeschilder. Die hohe Zahl erstaunt im Speziellen bei letzterem, konnte er die Saison wegen einer Verletzung doch erst mit Verspätung beginnen und musste diese aus den gleichen Gründen frühzeitig abbrechen.

Mit fünfmal Eichenlaub folgt Andy Büsser, Flawil. Auch er war im Verlaufe der Saison verletzt. Dahinter kommt der 30jährige Michael Rhyner, dem in diesem Jahr der lang ersehnte Durchbruch gelang und der mit vier Kränzen für Aufsehen sorgte. Höhepunkt aus seiner Warte war der Sieg beim Nordostschweizer Verbandsfest im zürcherischen Wald. Martin Knechtle (3), Ganterschwil, Roman Bösch (2), Alt St. Johann, der am Wolzenalp Schwinget seinen Rücktritt erklärte, sowie Beat Wickli (2), Ennetbühl, waren jene Vertreter, die zwei- oder dreimal in den Kranzrängen auftauchten. Mit einer Auszeichnung finden Christian Holenstein, Stein, Florian Pfister, Bronschhofen, und Patric Ueltschi, Krinau, Berücksichtigung in der Statistik. Als Festsieger gingen Daniel Bösch (St. Galler, Bündner und Thurgauer Kantonales, Schwägalp) und Michael Rhyner (Nordostschweizer) hervor.

Goldene Ära ist vorbei

Im Gespräch mit dem Gähwiler Käsermeister Martin Kurmann, ehemaliger Kranzschwinger und heute technischer Leiter des St. Galler Kantonalen Schwingverbandes, kommt zum Ausdruck, dass die Zahlen durchaus der aktuellen Leistungsstärke entsprechen, die früheren Erfolge aber Begehrlichkeiten weckten. «Ich kann mich an Zeiten erinnern, da war Matthias Bleiker einziger Eidgenosse im Tal.» Der heute 50-Jährige holte sich 1992 in Olten das begehrte Eichenlaub, drei Jahre danach jenes in Chur. «Dann begann Ende der neunziger Jahre die Ära des Schwingclubs Wattwil, der während mehr als eines Jahrzehnts mit den Gebrüdern Abderhalden, Köbi Roth oder Urban Götte schweizweit die besten Schwinger hervorbrachte. Es ist aber ganz normal, dass wenn solch aussergewöhnliche Athleten abtreten, ein Vakuum entsteht, das nicht so schnell gefüllt werden kann. Effektiv entsprechen die heutigen Leistungen denjenigen vor 20 Jahren. Wer dachte, es gehe immer so weiter, verkennt die Realität.»

Über Verhältnisse gelebt

Von den zehn Kranzgewinnern ist ein Quintett in den achtziger Jahren zur Welt gekommen. Nöldi Forrer (Jahrgang 1978) ist sogar schon 37 Jahre alt. Zur jüngeren Generation gehören lediglich Patric Ueltschi (Jahrgang 91), Christian Holenstein (93), Florian Pfister (94) und Beat Wickli (95). «Etwas überspitzt ausgedrückt, haben wir hier im Toggenburg während 15 Jahren über den Verhältnissen gelebt. Jetzt sind wir wieder zur Normalität zurückgekehrt und müssen vorerst halt wieder kleinere Brötchen backen», erklärt Martin Kurmann. «Ich bin aber überzeugt, dass die Nordostschweizer im kommenden Jahr beim Eidgenössischen in Estavayer-le-Lac mehr Kränze als zuletzt in Burgdorf holen, als es zu einem Dutzend reichte.» Wichtig wird sein, eine gute Mannschaft zu stellen, denn Mitfavorit Daniel Bösch kann den Erwartungen nur dann genügen, wenn er auf die Unterstützung eines starken Teams zählen kann.

Dem Nachwuchs Zeit geben

Kurmann verhehlt nicht, dass der stärkste Nachwuchs zurzeit nicht aus dem Toggenburg kommt: «Die Rapperswiler und Rheintaler sowie im besonderen die Thurgauer mit den Brüdern Schneider und Samuel Giger stellen momentan die stärksten Talente. Ihre Zeit, wenn sie von Verletzungen verschont bleiben, dürfte vor allem beim übernächsten Eidgenössischen 2019 in Zug kommen. Geben wir dem Nachwuchs die nötige Zeit, dann kommt es schon gut, es braucht halt noch etwas Geduld.»