Weltenbummler wird heimisch

Degersheim Er ist politisch seit 30 Jahren aktiv. Nun möchte er Gemeinderat von Degersheim werden. Stefano Calore (APS) über seine Person und die Parteizugehörigkeit.

Zita Meienhofer
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Bild: Zita Meienhofer

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Die Abkürzung APS hinter seinem Namen auf dem Wahlzettel musste Stefano Calore öfters erklären. Ja, die Autopartei gebe es immer noch. APS stehe für Autopartei Schweiz, sagt er. Der damals 19-Jährige Stefano Calore trat 1989 der drei Jahre zuvor gegründeten Autopartei Schweiz bei. Später kandidierte er auf der Liste der Jungen Autopartei Schweiz für einen Kantonsratssitz. Vor der Jahrtausendwende verlor die Partei, die 1994 in Freiheitspartei umgewandelt wurde, immer mehr an Boden und die noch verbliebenen Mitglieder wandten sich oft der SVP zu.

Stefano Calore, der damals in Rorschach wohnte, schloss sich der FDP an und kandidierte erneut als Kantonsrat. «Ich fühlte mich in dieser Partei jedoch nicht zu Hause», sagt er heute, und kehrte zur Autopartei Schweiz zurück. Diese war nach dem Neubeginn und ist heute noch vor allem aktiv in den Kantonen Bern, Aargau und Zürich, sukzessive soll auch im St. Gallischen wieder eine Kantonalpartei aufgebaut werden.

Stefano Calore gehört zu den fünf Präsidiumsmitgliedern der Autopartei Schweiz. Der erneute Aufbau der Kantonalparteien sei nicht einfach, es sei schwierig, Mitglieder zu finden, die bereit sind, aktiv mitzumachen, bedauert er.

Aus der Sonnenstube in die Ostschweiz

Die Politik und seine Tätigkeit als Mitarbeiter im Verkaufsaussendienst lassen ihm jedoch noch Zeit, um mit seiner Frau zu wandern und zu reisen, die wöchentlichen Trainings der Männerriege Degersheim zu besuchen und sich um seinen Garten zu kümmern. Vor einem Jahr bezogen er und seine Frau das Haus in Degersheim, von wo aus sie eine herrliche Aussicht auf die umliegende Hügelkette geniessen. Ja, es gefalle ihm und seiner Frau sehr gut hier, sagt er. Es gefällt ihnen dank der intakten Infrastruktur, dem gut funktionierenden Netz des öffentlichen Verkehrs und der zentralen Lage. Das Dorf habe eine ideale Grösse, sei eingebettet in eine schöne Umgebung, sie haben Freundschaften knüpfen können und einen guten Kontakt zu den Nachbarn. «Bislang haben wir es noch nie bereut, hierher gezogen zu sein.»

Stefano Calore muss es wissen, war er doch schon in verschiedenen Gemeinden wohnhaft. Als er knapp zehn Jahre alt war, zog seine Familie von Lugano ins st. gallische Rheintal nach Buchs. Nach seiner Lehre als Logistiker war er in verschiedenen Orten wohnhaft – sowohl in der Deutsch- als auch in der Südschweiz – bevor er und seine Frau vor einigen Jahren schliesslich nach Herisau zogen.

Platz für Läden und bessere Strassen

Stefano Calore hat allerdings auch Ideen, was verbessert oder anders gemacht werden könnte in seiner Wahlgemeinde Degersheim. Er ist der Ansicht, dass noch mehr Ladengeschäfte wie beispielsweise eine Landi, ein Bau-und-Hobby-Geschäft sowie weitere KMU in Degersheim angesiedelt werden müssten. «Das steigert die Attraktivität und ist Anreiz, in den Ort zu kommen», erklärt er. Er ist der Ansicht, dass bereits bei der Planung visionärer gedacht werden müsste. «Bei einem Neubau sollten Optionen freigehalten werden für allfällige Geschäfte oder für das Gewerbe», so Calore. Allenfalls müsste da auch von Gemeindeseite Hand geboten werden: die Rahmenbedingungen verbessern, eine Steuererleichterung anbieten.

Stefano Calore ist zwar erfreut über die gute Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz. «Das ist etwas, was für Degersheim als Wohnort spricht.» Weniger erfreut ist er über den Zustand beziehungsweise die Führung der Strassen. Der müsste dringend verbessert werden. Er denkt da an die kurvenreiche Verbindung zwischen Herisau und Degersheim. Die müsse ausgebaut oder begradigt werden.

Visionen: Campingplatz, Seilpark

Der 46-Jährige hat sich selber zur Kandidatur gemeldet, nachdem er bei der Gemeindepräsidentin ausführliche Auskunft über die Anforderungen eines Gemeinderats erhalten habe. «Ich möchte nicht nur reden, sondern auch handeln», erklärt Calore. Er, als Auswärtiger mit einer Aussensicht, könne allenfalls neue Inputs in den Rat einbringen. Obwohl er seit fast drei Jahrzehnten Mitglied der Autopartei ist, bezeichnet er sich als einer, der offen sei für andere Ansichten. «Ich bin kein sturer Parteisoldat, ich kann Themen aus allen Ecken unterstützen», erklärt er.

Sich selbst bezeichnet Stefano Calore als kollegialen Typ, der analysieren könne und vielerlei Visionen habe. Von einer mag er gerne konkret erzählen: von der Vision, in Degersheim einen Campingplatz zu errichten und einen Seilpark zu erstellen. «Einen Skilift haben wir, ein Ausflugsrestaurant auch, es kann noch mehr gemacht werden, um den Leuten einen Anreiz zu geben, zu uns zu kommen, hier zu leben oder ihre Freizeit zu verbringen.»