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Welkender Blumenmarkt: Der Kampf ums Überleben ist härter geworden - und viele verlieren ihn

Viele Blumenläden in Wil mussten in jüngerer Vergangenheit zumachen. Das Geschäft mit den Blumen ist härter geworden.
Lara Wüest
So sah es im August vor dem Laden Inga's Rosenkavalier aus. (Bild: Philipp Wolf)So sah es im August vor dem Laden Inga's Rosenkavalier aus. (Bild: Philipp Wolf)
So sieht es heute aus, wo der Blumenladen war. (Bild: Lara Wüest)So sieht es heute aus, wo der Blumenladen war. (Bild: Lara Wüest)
Ein rasch vergänglicher Luxusartikel: Blumen sind durchschnittlich eine Woche bis zehn Tage haltbar. (Bild: Mareycke Frehner)Ein rasch vergänglicher Luxusartikel: Blumen sind durchschnittlich eine Woche bis zehn Tage haltbar. (Bild: Mareycke Frehner)
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Welkender Blumenmarkt

Trostlos sieht es aus an der Oberen Bahnhofstrasse, da wo eben gerade noch das Blumengeschäft Inga’s Rosenkavalier gewesen ist. Dort wo einst farbenprächtige Blumen standen, klafft nun ein weiteres Laden-Loch, verschlossene Türen, leere Regale, ein paar Kisten mit Deko stehen herum. Offiziell ist noch nicht bekannt, wie es mit den Geschäftsräumen weitergeht, manche Stimmen munkeln, es käme ein Coiffeur hinein.

Weitere Blumenläden sind verschwunden

Der «Rosenkavalier» ist nicht der einzige Blumenladen in Wil, der seine Türen endgültig schliessen musste. In den letzten Jahren verschwanden zahlreiche von ihnen von der Bildfläche. So etwa auch das Geschäft von Werner Nützi im Derbycenter beim Bahnhofplatz vor rund zwei Jahren. Das Blumengeschäft, das danach diese Räume bezog, ging bereits nach wenigen Monaten wieder zu. Kürzlich schloss auch das «St. Peter Floristik» an der St. Peterstrasse und vor fünf Jahren das «Botanica» an der St. Gallerstrasse.

Einige Ladenbesitzerinnen und Ladenbesitzer entschieden sich wohl aus privaten Gründen, ihren Betrieb aufzugeben. Doch hört man sich in der Branche um, sagen auch viele: Das Geschäft mit den Blumen sei zunehmend härter geworden. Nicht nur die Bäcker, Metzger und Käser können mit den Grossverteilern nicht mehr mithalten. Auch die Floristen leiden unter den günstigen Preisen der grossen Konkurrenz. Und unter verändertem Konsumverhalten der Kunden.

Ein Luxusartikel wird weniger gefragt

«Die Umsätze haben immer weniger gestimmt», sagt etwa Ingrid Majercakova, die ehemalige Besitzerin von «Inga’s Rosenkavalier». Drei Jahre lang hat sie das Geschäft an der Oberen Bahnhofstrasse betrieben. Doch zuletzt öffneten sich ihre Ladentüren kaum noch, der Verkauf ging so «radikal» zurück, dass Miet- und Personalkosten ein zu grosses Minus auf dem Geschäftskonto hinterliessen. Voraussichtlich nächste Woche wird Majercakova nun den Ladenschlüssel abgeben. Warum die Leute immer weniger Blumen bei ihr kauften, kann sie nur vermuten. «Die Grossverteiler sind natürlich billiger.» Gleichzeitig seien Blumen aber einfach nicht mehr so gefragt wie früher. «Es ist ein exklusiver Artikel, den die Leute nicht unbedingt haben müssen.» Sogar am Valentinstag oder Muttertag sei der Verkauf deutlich weniger geworden.

Schrumpfender Gesamtmarkt

Weniger Blumenverkäufe, weniger Blumenläden – dieser Trend zeichnet sich in der gesamten Schweiz ab. Gemäss dem Schweizerischen Floristenverband geht die Anzahl Geschäfte jedes Jahr um zwei bis drei Prozent zurück. «In der Summe haben wir einen leicht schrumpfenden Gesamtmarkt», sagt Geschäftsleiter Urs Meier. Und die Geschäfte, die bestehen bleiben, werden kleiner. Urs Meier:

«Viele Betriebe haben heute weniger Personal als früher.»

Das Problem sieht Meier allerdings nicht nur in der Konkurrenz der Grossverteiler, auch diese würden zum Teil sinkende Umsätze mit Blumen verzeichnen. Vielmehr beobachtet er, dass auch im Blumengeschäft der Onlinehandel auf dem Vormarsch ist. «In den letzten 15 Jahren verzeichneten wir hier ein klares Wachstum.»

Das zeigt auch ein Blick auf die Zahlen von Fleurop. Allein im letzten Jahr ist in der Schweiz der Verkauf von Blumen über das Internet um 2,6 Prozent gestiegen, wie das Unternehmen auf seiner Website schreibt. Urs Meier sagt:

«Die Leute beschaffen sich die Blumen heute auf einem anderen Weg als früher.»

Ein anderes Problem ist für viele traditionelle Läden auch ein neuer Trend in der Blumenbranche: «Es gibt einen Wandel weg vom Laden hin zum Atelier», so Meier. In den letzten Jahren seien viele Einfrau- oder Einmannbetriebe entstanden, die bei Hochzeiten und anderen Events sehr gefragt seien. Solche Ateliers verkaufen also keine Blumen in Läden, sondern beliefern ihre Kunden direkt. «Dadurch haben sie keine Fixkosten für Personal und Miete», sagt Meier. Und das macht sie gegenüber den traditionellen Blumenläden konkurrenzfähiger.

Auch bestehende Läden am Kämpfen

Die Veränderungen auf dem Blumenmarkt führen dazu, dass in Wil auch weitere, bestehende Läden zu kämpfen haben. Die Besitzerin eines Wiler Blumengeschäfts, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, sagt: «Ich stand auch schon kurz vor dem Aufgeben.» Ihr kam jedoch die Schliessung eines anderen Geschäfts zugute: Sie konnte Kunden übernehmen, sodass sie sich zum Weitermachen entschied. Vorerst, wie sie sagt. Doch auch diese Floristin leidet unter dem Wandel in der Branche und dem Preisdruck auf dem Markt. «Ich kann meine Blumen nicht einmal so günstig einkaufen, wie sie die Grossverteiler anbieten.»

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