Wele Wyy?

Wem dörfi d'Charte gäh zum Wähle? Nei, mir nöd, s'wür grad no fehle. Du kennsch dich doch scho recht guet uus, häsch ämel ordli Wyy im Huus. Ja, chumm, nimm du jetzt die Charte, mir händ de Ziit, mir chönd scho warte, bisch objektiv und kompetent,

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Wem dörfi d'Charte gäh zum Wähle?

Nei, mir nöd, s'wür grad no fehle.

Du kennsch dich doch scho recht guet uus,

häsch ämel ordli Wyy im Huus.

Ja, chumm, nimm du jetzt die Charte,

mir händ de Ziit, mir chönd scho warte,

bisch objektiv und kompetent,

mir sind mit dir no nie aabrennt.

Ja, weisch na, ein hätt repupiert

und ganz düütlich oxidiert.

Bevor me öppis hätt im Glas,

stellt sich d'Frag vordringlich: Was?

Lieber Wiisse oder Rote mit dezenter Vanillenote,

oder ehner doch en Liechte? En Kalifornier miecht e

ganz e gueti Falle. Öschtriicher würded mir no gfalle.

Was dörf denn die Guuge choschte?

Me gseht ja jedesmal bim Poschte,

dass en Wyy für zwanzg, driisg Franke

die oberscht Gränze vo Gedanke

darstellt, und me ime Restaurant

no schnell findt, das seg uverschamt.

Nach «wenn und aber», «für und wider»,

«sägs doch du, du bisch de gschieder»,

chunt de Fachmaa mit de Fläsche,

moll die Fläsche hätt sich gwäsche.

De Wyy wird braacht, de Zapfe zoge,

mit fiiner Nase wird er gwoge.

De Kenner tuet no kompliziert,

hätt e Ewigkeit probiert,

und galant, wie es muss sein,

schenkt man den Rebensaft nun ein.

Me nimmt sies Glas, stosst aa mit allne.

Die Erschte meldet, d'Farb die gfallne.

Doch dänn wird's aadächtig stille,

d'Stimmig fascht wie i de Chile.

Me schnupperet und schlürft und prüeft,

bis denn eine freudig rüeft:

Läck du mir, de isch denn fein.

Ist sein Name Gantenbein?

Ich schenk mir auch ein Gläschen ein,

gestatten, Dr. Gallenstein.

Der Flawiler Autor und Kolumnist Rolf Bollinger schreibt

jeden Freitag in der Grossauflage der Wiler Zeitung.