Weiter bereit zur Mitarbeit

WIL. Der Kathi-Stiftungsrat äussert sich zu Änderungsvorschlägen zum Vertrag mit der Stadt und macht seinen Standpunkt klar: Beschulung von Mädchen und Knaben ja, gemischte Klassen nein.

Philipp Haag
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Kathi-Stiftungsratspräsident Josef Fässler. (Bilder: Philipp Haag)

Kathi-Stiftungsratspräsident Josef Fässler. (Bilder: Philipp Haag)

Das Kathi: Eigentlich ist es eine normale Schule, in der Mädchen und junge Frauen auf das (Berufs-)Leben vorbereitet werden. Doch mittlerweile ist das Kathi zu einem Reizwort geworden, das die Wiler Bevölkerung spaltet. Dies zeigte sich deutlich an der letzten Parlamentssitzung, als die Mehrheit der Volksvertreter vom Stadtrat vorgelegte Anträge zum Vertrag der Stadt mit der Mädchensekundarschule St. Katharina zurückwiesen und Änderungen verlangten. Bei einem Teil der Parlamentsmitglieder herrscht nach wie vor ein grosses Misstrauen vor. Etliche halten den Vertrag mit dem Kathi als rechtswidrig und kritisieren die Bevorteilung von Mädchen.

Die Rückweisung veranlasste den Stiftungsrat des Kathi, die neue Ausgangslage zu analysieren. Nun meldet er sich zu Wort und nimmt Stellung zu den Änderungsvorschlägen (siehe Zweittext). «Wir sind weiterhin bereit, konstruktiv mitzuarbeiten», umschreibt Josef Fässler die Haltung des Stiftungsrats. Der Präsident des Kathi-Stiftungsrats spricht das Projekt «Schule 2020» an, das der Stiftungsrat «ohne Vorbehalte» mittrage. Das Projekt «Schule 2020» umfasst eine vertiefte und ganzheitliche Analyse des Bildungsplatzes Wil, inklusive der Erarbeitung der strategischen Ausrichtung der Wiler Schulen, eines Schulraumkonzepts sowie eines Oberstufenkonzepts. Innerhalb des «Schule 2020»-Projekts wird auch aufgezeigt, welche Rolle dem Kathi als Teil des Wiler Bildungsstandorts in Zukunft zukommen soll. Die Parlamentarierinnen und Parlamentarier genehmigten dafür an der Sitzung vom 24. September 350 000 Franken, trotz Kritik an der Höhe der Kreditsumme.

Ja zu Mädchen und Knaben

Ins Projektteam Einsitz nimmt auch ein Vertreter des Kathi. Dieser wird den Standpunkt des Stiftungsrats in die Verhandlungen und die Projektarbeit einbringen. Fässler macht den Standpunkt des Stiftungsrats und die Grundprinzipien des Kathi-Schulmodells nochmals deutlich: «Gestützt auf die positiven Erfahrungen, welche die Schule St. Katharina mit dem Prinzip der Seedukation seit jeher machen konnte, hält der Stiftungsrat an dieser Schulform fest.» Mit Seedukation ist eine geschlechtsspezifische Beschulung gemeint, im Fall des Kathi von Mädchen in der Sekundarschule. Mit Blick auf die Erneuerung des Schulvertrags aufgrund der Vereinigung von Wil mit Bronschhofen ist der Stiftungsrat bereit, auch Realmädchen aufzunehmen. Ebenso zeigt er sich offen gegenüber der Beschulung von Buben (Sekundar und Real). «Der Stiftungsrat ist im Grundsatz bereit, ein Oberstufenkonzept für Knaben zu führen», sagt Fässler. Bedingung sei, dass sich Stadtrat und Parlament für ein derartiges Modell entscheiden. Dies bedeutet: Der Stiftungsrat ist einverstanden, geschlechtsspezifische Schulen für Mädchen und Knaben zu führen (jeweils Real und Sek). Gemischte, also koedukativ geführte Klassen kommen aber nicht in Frage. Dafür braucht es ein Kathi nicht. Nach Vorliegen der Ergebnisse des «Schule 2020»-Projekts wird der Stiftungsrat die dem Kathi zugedachte Rolle prüfen, wie Fässler sagt, «und mit Blick auf seine Grundprinzipien sich für oder gegen einen Folgevertrag entscheiden, verbunden mit allen Konsequenzen». Will heissen: Kommt kein Vertrag zustande, wird das Kathi als Privatschule weitergeführt oder eingestellt, falls sich herausstellen sollte, dass eine Privatschule nicht überlebensfähig ist.

Eine erneute Vorlage

Der Stadtrat wird dem Parlament an einer der nächsten Sitzungen erneut eine Vorlage für einen Nachtrag zum Kathi-Vertrag vorlegen, welcher die geforderten Änderungen beinhaltet. Fässler hofft auf Genehmigung durch die Parlamentsmitglieder. Denn ein Punkt ist ihm besonders wichtig: der uneingeschränkte Zugang der Mädchen aus Bronschhofen und Rossrüti zum Kathi ab dem Schuljahr 2016/2017. Den Mädchen aus Wil entrichtet die Stadt auf Basis des 1996 abgeschlossenen Schulvertrags das Schulgeld von 19 000 Franken für das Kathi, den neu zum Stadtgebiet von Wil hinzugestossenen Mädchen aus Bronschhofen/Rossrüti aber nicht. Durch den Vertragsnachtrag soll die Ungleichbehandlung im Sinn einer Übergangslösung ausgemerzt werden, den Bronschhofer/Rossrüter Mädchen der Besuch des Kathi also finanziell ermöglicht werden.

Soll die Stiftung der Mädchenschule St. Katharina dem Öffentlichkeitsprinzip unterstellt werden?

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