Weisse Linien erleichtern die Orientierung

Ursula.ammann@wilerzeitung.ch
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Guido Böhler überquert mit Blindenführhund Benley die St. Galler­strasse, wo es seit längerem Bodenmarkierungen gibt. Er kann sie mit dem weissen Stock ertasten. (Bild: Ursula Ammann (28. 11. 2016))

Guido Böhler überquert mit Blindenführhund Benley die St. Galler­strasse, wo es seit längerem Bodenmarkierungen gibt. Er kann sie mit dem weissen Stock ertasten. (Bild: Ursula Ammann (28. 11. 2016))

Wil Wer an einem der Zebrastreifen an der Kreuzung Lerchenfeldstrasse/Poststrasse wartet, steht neuerdings auf einer Bodenmarkierung, bestehend aus weissen, leicht erhöhten Streifen. Es handelt sich um sogenannte Relieflinien, die blinden und sehbehinderten Menschen die Orientierung erleichtern. Für Betroffene ist das eine massive Verbesserung. «Da nun die Lerchenfeldstrasse auch für uns gut ausgestattet ist, können zeitraubende Umwege eingespart werden», sagt Guido Böhler. Er ist im Alter von 28 Jahren an einer Netzhautdegeneration erkrankt und heute fast vollständig erblindet. Mit seinem Blindenführhund Benley und dem weissen Stock ist der Wiler oft im Stadtzentrum unterwegs und deshalb dankbar um jede Orientierungshilfe. Um zur Arbeit zu kommen, muss er stark befahrene Strassen überqueren. Die Relieflinien geben ihm ein Stück weit Sicherheit.

Mechanische Druckknöpfe sind von Vorteil

Auch für Gerd Bingemann ist die Bodenmarkierung, die das städtische Tiefbauamt in Zusammenarbeit mit dem Kanton angebracht hat, ein Lichtblick. Der Wiler erblindete ab dem Primarschulalter allmählich und arbeitet heute als Beauftragter für ­Interessenvertretung und Öf­fentlichkeitsarbeit beim Schweizerischen Zentralverein für das Blindenwesen SZB. Er ist oft in der ganzen Schweiz unterwegs, um sich für solche Massnahmen starkzumachen. Aber nicht nur die Relieflinien sind für blinde und sehbehinderte Fussgänger wichtig, sondern auch die von diesen taktil auffindbar gemachten «Chäschtli» an den Ampelmasten, mit denen Fussgänger die Grünphase anfordern können. Blinde Menschen nehmen das Grünsignal durch einen an der Geräteunterseite plötzlich vibrierenden Reliefpfeil wahr.

Doch bei der Grünanforderung gibt es Unterschiede: Für Blinde und Sehbehinderte seien mechanisch funktionierende Druckknöpfe von Vorteil, wie sie erfreulicherweise nun bei der Kreuzung Lerchenfeld-/Poststrasse montiert worden seien, sagt Gerd Bingemann. Die modernen Berührungssensoren, wie sie etwa an der Rudenzburgkreuzung vorhanden sind, haben sich dagegen als nachteilig erwiesen. Im Vergleich zu einem Sehenden können Blinde das Aufleuchten des Kontrollfelds nicht erkennen und entsprechend nicht sichergehen, ob das Gerät ihre Berührung wahrgenommen hat. Gerd Bingemann und Guido Böhler sind aber voller Zuversicht, dass sich diesbezüglich noch etwas tut. Die Behörden hätten jedenfalls ein offenes Ohr und bei der Kreuzung Lerchenfeld-/Poststrasse vorbildlich gehandelt.

Ursula Ammann

ursula.ammann@wilerzeitung.ch