Weihnachten kennt keine Landesgrenzen: So feiern bikulturelle Familien in Wil

Es ist Weihnachten – doch wie feiern Paare mit einem Partner aus einer anderen kulturellen Tradition? Vier Beispiele.

Adrian Zeller
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Atsuko Lampart-Fujji stammt aus Japan und ist mit dem Wiler Journalisten Christof Lampart verheiratet. Das Paar mit zwei erwachsenen Söhnen feiert Weihnachten auf typisch schweizerische Weise, wie Christof Lampart erklärt. Von exotischen Bräuchen zu den Festtagen kann er indes nicht berichten. «Wir feiern ganz unspektakulär, wir fahren jedes zu Jahr meinen Eltern nach Fribourg. Dort gibt es etwas Feines zu essen und man sitzt unter dem Christbaum gemütlich zusammen.»

Japan trifft Schweiz: Atsuko Lampart-Fujji und Christof Lampart.

Japan trifft Schweiz: Atsuko Lampart-Fujji und Christof Lampart.

Bild: PD

In der fernöstlichen Heimat seiner Frau ist Weihnachten vor allem ein Shopping-Anlass. Der religiöse Hintergrund spielt kaum eine Rolle. Beschenkt werden nur die engsten Angehörigen. «Feiertage sind in Japan vor allem eine Gelegenheit zum Entspannen, da trifft man sich mit Kollegen», weiss der Journalist aus Bronschhofen. Er hat das Land mehrfach bereist und auch einige Monate dort gelebt.

«Der Jahreswechsel ist in Japan bedeutungsvoller als Weihnachten. Dann trifft man sich mit der Familie.»

Das grosse Familienfest der Chinesen ist das Neujahrsfest

In China werden vermehrt westliche Weihnachtsbräuche gepflegt, erzählt der Wiler TCM-Therapeut und Tai-Chi-Lehrer Lukas Häne. Seine Frau ist ebenfalls TCM-Therapeutin und stammt aus dem Süden der Volksrepublik. Er selber hat dort einige Jahre zu Ausbildungszwecken gelebt.

China trifft Schweiz: Qin Deng Häne und Lukas Häne mit ihrer Tochter.

China trifft Schweiz: Qin Deng Häne und Lukas Häne mit ihrer Tochter.

Bild: PD

Das grosse Familienfest der Chinesen ist das Neujahrsfest, das auch Frühlingsfest genannt wird. «Von der Bedeutung her ist es mit unserer Weihnacht vergleichbar», sagt Lukas Häne. Dann ruht in den Fabriken die Arbeit für einige Tage und es herrscht viel Verkehr, weil die Menschen zu ihren Angehörigen reisen. Da sich der Zeitpunkt nach dem Mondkalender richtet, verändert sich der Termin, es findet im Januar oder Februar statt. Bei Familie Häne ist in diesem Jahr eine besondere Situation: Mutter Qin Deng verreist mit der gemeinsamen Tochter über die Feiertage nach China. Weil das Mädchen im Vorschulalter unbedingt mir der Familie feiern wollte, traf man sich bereits am dritten Advent mit den Grosseltern. Dabei wird im schweizerischen Stil Weihnachten zelebriert.

Wie kommt der Weihnachtsmann bloss durch den Kamin?

Auch bei Familie Schäpper in Rossrüti wird Weihnachten auf klassische Art begangen. «An Heiligabend wird bei uns im intimen Kreis der Familie gefeiert, am 25. trifft man sich bei Verwandten», erzählt Jenny Schäpper-Uster, Mutter von zwei Söhnen im Primarschulalter. In ihrer Kindheit hat die Tochter von Auslandschweizern die Weihnachtszeit jeweils auf eine andere Weise erlebt. Sie wurde erst als junge Erwachsene in der Schweiz ansässig.

In Amerika aufgewachsen: Jenny Schäpper-Uster.

In Amerika aufgewachsen: Jenny Schäpper-Uster. 

Ralph Ribi

Der Vorort von Washington D.C., wo sie aufwuchs, war multikulturell geprägt, wie sie sagt. «Wir Kinder zogen in der Vorweihnachtszeit in der englischen Tradition von Haus zu Haus und sangen Lieder.» Bei jedem Haus fragten sie zuerst: «Weihnachten oder Chanukka?» Letzteres meint das jüdische Lichterfest. Entsprechend wurde die Liederauswahl angepasst. «In der Schule sangen wir stets Lieder aus beiden Traditionen.» Weder der Nikolausbrauch noch die Adventszeit mit ihren Kränzen und Märkten waren Jenny Schäpper aus ihrer Kindheit in den USA vertraut.

Es irritierte sie, dass ihre Mutter mit Schweizer Wurzeln den Christbaum jeweils erst zu Weihnachten aufstellen und schmücken wollte. In Nordamerika sind die dekorierten Tannen vielerorts bereits Anfang Dezember präsent. Die Vorweihnachtszeit beginnt bald nach dem Erntedankfest Thanksgiving.

Statt des Nikolauses kennt man in den Vereinigten Staaten den Weihnachtsmann, den Santa Clause. «Er ist etwas übergewichtig, hat einen weissen Bart und ist dem Rentierschlitten unterwegs», erzählt Jenny Schäpper. Sie und ihre Geschwister stellten als Kinder für ihn, der örtlichen Tradition folgend, jeweils etwas Milch, einige Biskuits sowie ihre Wunschliste vor die Haustüre.

Gemäss der Legende fährt der Weihnachtsmann mit seinem Schlitten durch die Kamine der Häuser und bringt die Geschenke. «Wir machten uns als Kinder keine Gedanken darüber, wie er dies wohl in Häusern ohne Cheminée schafft», fügt die Unternehmerin schmunzelnd an.

In Nigeria ein Fest für die ganze Gemeinschaft

Rita Kobler-Emiko hat in ihrer nigerianischen Heimat eine andere Form von Weihnachtsfeier kennen gelernt. Die mit einem Schweizer verheiratete Frau, Mutter zweier Kinder im Alter von 9 und 14 Jahren, ist Gründerin des Wiler IAS-Chors, der Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen vereint (2019 mit dem St.Galler Integrationspreis auszeichnet).

«Bei uns in Nigeria ist Weihnachten kein Familienfest, es wird in der Gemeinschaft gefeiert.»

Alle Interessierten sind als Gäste willkommen. «Die Geburt von Christus steht im Zentrum.» Alle Vorbereitungen, etwa das Kochen des Weihnachtsmenus, werden gemeinsam erledigt. «Wir feiern in Nigeria nicht am 24., sondern am 25.Dezember. Dann geht man in die Kirche, danach wird gemeinsam gegessen und getanzt und man überreicht sich Geschenke.» Mit ihrer Familie in Bronschhofen feiert sie das Fest traditionell schweizerisch. «Wir kommen in der Familie zusammen.»

In Nigeria aufgewachsen: Rita Kobler-Emiko.

In Nigeria aufgewachsen: Rita Kobler-Emiko.

Bild: PD