Weihnachten
Handgefertigte Krippenfiguren schmücken die evangelische Kirche in Wattwil: Warum sie Kinder und Erwachsene auch nach 27 Jahren noch in ihren Bann ziehen

Vor 27 Jahren erstellte Gertrud Wäspe die Krippenfiguren für die Kirchgemeinde Mittleres Toggenburg. Sie locken nicht nur Besucherinnen und Besucher aus der Umgebung, sondern auch Schulklassen an.

Simon Bernhardsgrütter
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Joseph und Maria auf dem Weg zur Krippe.

Joseph und Maria auf dem Weg zur Krippe.

Bild: Simon Bernhardsgrütter

Vor 27 Jahren wurden sie erstellt, die ungefähr 80 Zentimeter grossen Krippenfiguren der evangelischen Kirche Wattwil. Im Auftrag der Kirchgemeinde machte sich Gertrud Wäspe an die Arbeit. Selbst nach fast drei Jahrzehnten und einigen kleineren Reparaturen faszinieren sie die Besucher und locken Gäste aus der Umgebung ins Toggenburg. Und durch die als Weihnachtsbaum geschmückte Tanne wird die besinnliche und festliche Stimmung gar noch verstärkt.

Jedes Jahr werden die Krippenfiguren in der Woche vor dem dritten Advent in der Kirche in Wattwil aufgestellt. Auch Heidi Ünes, Mesmerin der Kirchgemeinde Mittleres Toggenburg und Religionslehrerin, war dieses Jahr wieder mit dabei. Das Aufstellen der Figuren überrasche laut Heidi Ünes diejenigen, welche zum ersten Mal dabei sind, jedes Jahr aufs Neue. Sie sagt: «Die Figuren haben Bleifüsse, damit sie richtig stehen und nicht umkippen.» Das Gewicht werde oftmals unterschätzt. Wichtig sei das richtige Greifen der Krippenfiguren, sonst kann es gelegentlich zu Schäden kommen.

Die drei Könige.
6 Bilder
Auch Tiere sind in der Krippe zu sehen.
Krippenfiguren
Der Engel, welcher bei Jesus' Geburt erscheint
Die Krippe wird mit Birkenstämmen abgegrenzt.
Der geschmückte Tannenbaum mit Joseph und Maria.

Die drei Könige.

Bild: Simon Bernhardsgrütter

Die Krippenfiguren hätten schon ein paar kleinere Reparaturen hinter sich. «Hin und wieder muss ein Teil wieder angeleimt werden», so die Religionslehrerin. Doch grundsätzlich seien die nun doch bereits 27-jährigen Krippenfiguren noch gut im Schuss. Damit die Figuren nicht weitere Beschädigungen erleiden, werden sie durch einen Birkenstamm von den restlichen Räumlichkeiten der Kirche abgesperrt. Dies hält den Pfarrer jedoch nicht davon ab, die Krippenfiguren zumindest thematisch in den Gottesdienst einzubeziehen.

Schüler kommen in den Genuss der Figuren

Doch nicht nur von den Leitern des Gottesdienstes, sondern auch von Schulklassen werden die Krippenfiguren in der Wattwiler Kirche behandelt. Heidi Ünes zeige ihren Schülerinnen und Schülern im Religionsunterricht am Beispiel der Figuren den beschwerlichen Weg, den Joseph und Maria gehen mussten. Durch die Krippenfiguren sei es einfacher vorstellbar und um einiges eindrücklicher für die Schülerinnen und Schüler.

Während der Adventszeit werden die handgefertigten Figuren immer wieder umplatziert. Somit wolle man laut Heidi Ünes den Weg nachstellen, welcher Joseph und Maria, aber auch die drei Könige gehen mussten. An Weihnachten wird dann auch das Christkind dem Krippenspiel hinzugefügt. Heidi Ünes sagt:

«Jedes Jahr stellen wir es ein bisschen anders auf. Mal liegt Jesus in den Armen von Maria, mal im Stroh in der Krippe.»

Besucher aus der nahen Umgebung kämen laut der Mesmerin ab und an vorbei, um die Tanne und das Krippenspiel zu betrachten. Was Heidi Ünes am meisten freut, ist, dass die Geschichte von den Eltern an die Kinder weitergegeben wird. «Es ist schön mitanzusehen, dass eine so alte Geschichte noch immer weiterlebt und verbreitet wird», sagt die Mesmerin. Die Besucher fragen sich gegenseitig nach Einzelheiten der Geschichte und es entsteht eine friedliche Diskussion über eine zweitausend Jahre alte Geschichte, welche offensichtlich immer noch eine gewisse Bedeutung habe. Die aussergewöhnlich grossen Krippenfiguren seien genau deswegen so magisch.