Nach 45 Jahren: Finnshop schliesst seine beiden letzten Geschäfte in Wil und Frauenfeld diesen Sommer

Inhaber Andreas Breitenmoser sieht keine Zukunft für das Wiler Traditionsunternehmen und zieht die Konsequenzen. Mit der Schliessung der beiden Standorte verschwinden die letzten Finnshop-Geschäfte der Schweiz.

Hans Suter
Hören
Drucken
Teilen
Das Hauptgeschäft in Wil: Während Jahrzehnten eine Oase kreativer Geschenkideen und ein Pionier für Massivholzmöbel mit natürlicher Oberfläche.

Das Hauptgeschäft in Wil: Während Jahrzehnten eine Oase kreativer Geschenkideen und ein Pionier für Massivholzmöbel mit natürlicher Oberfläche.

Bild: Hans Suter

Es schmerzt. Anmerken lassen sie es sich aber nicht, Finnshop-Inhaber Andreas Breitenmoser und sein Vater Alfred, der das Unternehmen vor 45 Jahren in der Wiler Altstadt gründete. Während Jahrzehnten war Finnshop Synonym für kreative Geschenkideen und unübertroffen schöne Geschenkverpackungen. Als Pionier im Bereich Massivholzmöbel mit natürlicher Oberfläche wurden sogar Trends gesetzt.

Frauenfeld: 24 Jahre war Finnshop in der Thurgauer Kantonshauptstadt.

Frauenfeld: 24 Jahre war Finnshop in der Thurgauer Kantonshauptstadt.

Bild: PD

Trotzdem soll im Sommer Schluss sein, «aus wirtschaftlichen Gründen und schweren Herzens», sagt Inhaber und Geschäftsführer Andreas Breitenmoser. Am Dienstag wurden die Mitarbeitenden orientiert.

«Wir schliessen aus eigenem Antrieb, frei von Verpflichtungen gegenüber Mitarbeitenden und Geschäftspartnern», sagt Andreas Breitenmoser. Will heissen: Das Unternehmen kommt allen Verpflichtungen nach, Löhne und Lieferanten werden bezahlt, es gibt keinerlei Betreibungen. Bereits am Freitag, 14. Februar, beginnt der Ausverkauf mit sich steigernden Rabatten.

Ohne genügend Kunden keine Existenzgrundlage mehr

2018: Nach 34 Jahren war Schluss in der St. Galler Kantonshauptstadt.

2018: Nach 34 Jahren war Schluss in der St. Galler Kantonshauptstadt.

Bild: PD

Vor zwei Jahren wurde das Geschäft in St.Gallen geschlossen, nach 34 Jahren. Dadurch verschwanden sieben Vollzeitstellen, die sich zeitweise rund zehn Personen teilten. Im Sommer 2020 schliessen nun auch die Filiale in Frauenfeld und das Hauptgeschäft in Wil. In der Thurgauer Kantonshauptstadt verlieren fünf Personen ihre Stelle, in Wil sind neun Personen betroffen. Darunter befinden sich auch zwei Lernende, für die eine Anschlusslösung gesucht wird. Um Härtefälle zu vermeiden, wird die Kündigungsfrist von zwei oder drei Monaten, je nach Vertrag, auf vier Monate ausgedehnt.

«In unserem Bestreben nach einer hohen Beratungsqualität durften wir unzählige Lernende zu hervorragenden Kundenberaterinnen ausbilden und vor zwei Jahren gar einen Preis für die beste Lehrlingsausbildung entgegennehmen», sagt Andreas Breitenmoser. «Leider werden die Kunden, die diese Qualitäten eines Familienbetriebs noch schätzen und lokal honorieren, immer weniger.»

«Die Finnshop AG schliesst. Online-Shopping, Einkäufe im grenznahen Ausland und bei Grossverteilern im Grünen sei Dank», fasst es der heutige Inhaber spürbar emotional zusammen. «Sinkende Preise aufgrund des hohen Preisdrucks und der damit verbundene Margenzerfall haben ihr übriges dazu getan.» Alfred Breitenmoser ergänzt: «Die Kunden sind immer gerne zu uns gekommen. Aber es wurde mit der Zeit einfach zu wenig gekauft, um weiterhin zu bestehen.»

Generationenwerk: Finnshop-Inhaber Andreas Breitenmoser (links) und sein Vater Alfred, der das Unternehmen vor 45 Jahren gegründet hat.

Generationenwerk: Finnshop-Inhaber Andreas Breitenmoser (links) und sein Vater Alfred, der das Unternehmen vor 45 Jahren gegründet hat. 

Bild: Hans Suter

Sämtliche Liegenschaften sind im Besitz der Familie Breitenmoser. Die Ladenfläche in St.Gallen ist wieder vermietet. Für das Ladenlokal in Wil mit 700 Quadratmetern und jenes in Frauenfeld mit 600 Quadratmetern werden geeignete Mieter gesucht.

Jürg Wipf, Präsident der Vereinigung Wil Shopping, hofft auf eine baldige Vermietung, und auf einen Mieter, «der Frequenzen bringt». Das Aus für die Finnshop AG bedauert er, kann den Entscheid aber nachvollziehen. «Ohne Kunden keinen Umsatz, ohne Umsatz keine Marge, ohne Marge kein Überleben», sagt er nachdenklich.

Möbelhaus Troll in Wil ist nicht betroffen

Das Möbelhaus Troll an der Toggenburgerstrasse in Wil, das sich im Besitz von Alfred Breitenmoser befindet, ist von der Finnshop-Schliessung nicht betroffen. Der Möbelspezialist ist laut Breitenmoser unkomplizierter in der Struktur und habe es durch die klare Ausrichtung auf den Bereich Möbel etwas einfacher. Allerdings sei auch dieser Markt stark umkämpft und leide an stetig sinkenden Margen.

Mehr zum Thema

St.Galler «Finnshop» zieht die Notbremse

Mit dem «Finnshop» verschwindet ein weiteres traditionsreiches Geschäft aus der St.Galler Altstadt. Nach 34 Jahren schliesst es im Frühherbst die Filiale an der Neugasse. Für den Umsatzrückgang gibt es mehrere Gründe.
David Gadze