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Weg vom «Schlafdorf»-Image: Verein will Bichwil mit Veranstaltungen beleben

Oberuzwil und Bichwil bilden eine Einheit – die Dörfer sind längst zusammengewachsen. Die Infrastruktur aber hat gelitten. Der Verein «aktives Bichwil» will dieser negativen Entwicklung entgegentreten.
Philipp Stutz
Das Dorf unterhalb des Eppenbergs hat sich bevölkerungsmässig entwickelt und zählt heute über 1000 Einwohner. (Bilder: Philipp Stutz)

Das Dorf unterhalb des Eppenbergs hat sich bevölkerungsmässig entwickelt und zählt heute über 1000 Einwohner. (Bilder: Philipp Stutz)

Die Einwohnerzahl Oberuzwils steigt kontinuierlich. Im Jahr 2013 wurde die 6000er-Marke überschritten, mittlerweile (Stand Januar 2018) sind 6382 Menschen angemeldet. Die Einwohnerzahlen der Drei-Dörfer-Gemeinde steigen besonders in Oberuzwil und Bichwil, während sie in Niederglatt stetig sinken. In Bichwil zeigt sich das Bevölkerungswachstum eindrücklich. Waren im Jahr 1980 noch 646 Einwohner gemeldet, wurde die 1000er-Grenze mittlerweile überschritten.

Gemeindepräsident Cornel Egger nennt Gründe, welche Bichwil für Neuzuzüger beliebt machen: «Viele Bewohner schätzen die ländlichen Strukturen.» Hinzu komme die gute Infrastruktur im Bildungsbereich. Werden doch in Bichwil Kinder vom Kindergarten bis zur sechsten Klasse beschult. Auch die Anbindung an den öffentlichen Verkehr sei gewährleistet. «Und die Autobahn erreicht man in wenigen Minuten.»
Kein «Bauboom», sondern moderates Wachstum

Am westlichen Dorfeingang sind Einfamilienhäuser geplant.

Am westlichen Dorfeingang sind Einfamilienhäuser geplant.

In Bichwil wird munter weiter gebaut. So sind an der Längistrasse gleich neben dem Pfadiheim zwei Doppel-Einfamilienhäuser und zwei Einfamilienhäuser geplant. Die Visiere sind gestellt. Und im Dorfkern sind im Ausserdorf vor kurzem drei Mehrfamilienhäuser entstanden.
Trotzdem mag Cornel Egger nicht von einem «Bauboom» sprechen: «In Bichwil haben wir nur noch wenig eingezontes Bauland. Wir gehen daher lediglich von einem moderaten Wachstum aus.» Das gelte übrigens für das gesamte Gemeindegebiet. Noch vor fünf Jahren hatte der Gemeinderat mit einem jährlichen Bevölkerungswachstum zwischen 0,6 und 0,8 Prozent gerechnet. Diese Annahme sei heute nicht mehr realistisch. «Wegen der fehlenden Baulandkapazitäten müssen wir dieses Ziel relativieren.»

Oberuzwils Gemeindepräsident unterlässt es aber nicht, darauf hinzuweisen, dass die Nachfrage nach Wohneigentum nach wie vor gross ist.

Aderlass in der örtlichen Infrastruktur

Das Naherholungsgebiet befindet sich gleich vor der Haustüre.

Das Naherholungsgebiet befindet sich gleich vor der Haustüre.

Im diametralen Gegensatz zum Bevölkerungswachstum präsentiert sich Bichwils Infrastruktur eher bescheiden. Post, Bank, Bäckerei, Käserei, das Restaurant Adler: All diese Betriebe, die der Nahversorgung dienten, sind verschwunden. Aber auch das Kulturangebot des «Leierchaschte» gibt’s nicht mehr, ebenso wenig wie das Open-Air-Kino auf dem Eppenberg oder das einst legendäre Ikawari-Grümpelturnier.
Alternativ besorgen die Bichwiler ihre Einkäufe in Oberuzwil. Dort bestehen eine Bäckerei und Metzgerei sowie ein Volg-Dorfladen. «Dieses Ensemble hat sich gut bewährt», betont Cornel Egger. Man sei glücklich, über ausgewiesene Detaillisten in Oberuzwil zu verfügen. Der Gemeindepräsident verweist auch auf das gute Angebot an Parkplätzen, die im Gegensatz zu umliegenden Gemeinden nicht bewirtschaftet werden. Neben Oberuzwil sind auch Uzwil, wo Grossverteiler und Discounter ihr Angebot anpreisen, und Flawil als Einkaufsorte beliebt. Die sich abzeichnende negative Entwicklung wollten Einwohner nicht einfach hinnehmen und wurden aktiv. Sie gründeten den Verein «attraktives Bichwil». Dessen Ziel: den Ort mit Veranstaltungen zu bereichern und den Zusammenhalt unter den Einwohnern zu fördern. «Bichwil darf nicht zum Schlafdorf werden», sagt Michael Turi, Präsident des 2005 gegründeten Vereins.

Dessen Ziel besteht laut Statuten darin, Kameradschaft, Kultur und sinnvolle Freizeitgestaltung zu fördern. So hatte der Verein zum 1150-Jahr-Jubiläum des Dorfs die «Sechszylinder» engagiert. Eine deutsche A-Cappella-Formation, die mit ihrem Auftritt für Begeisterung gesorgt hat. Im selben Jahr wurde ein Kirchenkonzert organisiert. Auch dieses Jahr wollten die 17 Mitglieder des Vereins ein Adventskonzert veranstalten, das aber laut Michael Turi «wegen gewisser Rahmenbedingungen» nicht zustande kommt. Genaueres wollte er dazu nicht sagen. Doch der Verein zeigt sich nach wie vor bemüht, sich für das Wohl des Dorfs einzusetzen.

Dorfchilbi ist ein Besuchermagnet

Im Dorfzentrum sind Mehrfamilienhäuser entstanden.

Im Dorfzentrum sind Mehrfamilienhäuser entstanden.

Turi erwähnt in diesem Zusammenhang die Dorfchilbi, nach wie vor ein Publikumsmagnet. 19 Vereine haben dieses Jahr mitgemacht, rund 1800 Arbeitsstunden wurden aufgewendet. Das ist mit einem grossen Zuschaueraufmarsch belohnt worden. «Zwischen 3500 und 5000 Besucher sind gekommen», schätzt Michael Turi, der auch Mitglied des Chilbi-OK ist, und fährt fort: «Wir sind zufrieden und froh um jeden Verein, der mithilft.» Wesentlich trägt auch die Stiftung Dorfleben zu einem aktiven Dorfleben bei. Sie organisiert einerseits Anlässe für die Bevölkerung und unterstützt anderseits die Aktivitäten der Vereine finanziell massgeblich.

Identität mit dem Dorf etwas verloren gegangen

Bichwil legte schon immer Wert auf seine Eigenständigkeit und ist der Einheitsgemeinde Oberuzwil erst nach zwei Anläufen beigetreten. Michael Turi bestätigt, dass das Dorf stark gewachsen ist und viele Neuzuzüger hierher gekommen sind. Dass die Identifikation mit dem Dorf etwas verloren gegangen ist, verhehlt er aber nicht. «Viele schätzen die schöne, ländliche Wohnlage, haben aber leider nur wenig Interesse an einem aktiven Dorfleben.»

Mit dieser Entwicklung sähen sich auch andere Dörfer konfrontiert, hat Turi beobachtet. «Das Kunden- und Einkaufsverhalten der jüngeren Generation hat sich stark verändert.» Stichwort dazu bilde die Digitalisierung, sagt der Bankfachmann. Trotz all dieser Veränderungen sei Bichwil ein Dorf mit Charme geblieben. «Wir hoffen, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird.»

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