Weg in die Selbständigkeit

Das Kinder Dörfli Lütisburg betreibt seit 20 Jahren in Züberwangen eine sozialpädagogisch geführte Aussenwohngruppe. Dort werden Schulabgänger während der Lehre begleitet.

Zita Meienhofer
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züberwangen. «Wir haben Grund und Anlass zu feiern», sagt Franz Müller, Präsident der Verwaltungskommission des Vereins Kinder Dörfli Lütisburg, an der internen Feier zum 20-Jahr-Jubiläum der Aussenwohngruppe (AWG) Züberwangen. Zwanzig Jahre seien eine lange Zeit und die Aussenwohngruppe Züberwangen sei seit ihrem Bestehen immer gut besetzt gewesen.

Vor rund zwei Jahrzehnten haben die Verantwortlichen des Kinder Dörflis festgestellt, dass Jugendliche, die die Schule dort beendet hatten, weiterhin Betreuung brauchen, um den Alltag zu meistern. So entstand die Idee, eine Lehrlingswohngruppe aufzubauen. Es bot sich gleichzeitig die Möglichkeit, sich im ehemaligen Pfarrhof in Züberwangen einzumieten – im Jahr 2002 wurde die Liegenschaft dann käuflich erworben.

Den Alltag bewältigen lernen

Seit zwei Jahrzehnten bietet die AWG sechs – höchstens sieben – Jugendlichen, die meist eine spezielle Geschichte haben, die Möglichkeit dort zu bleiben, bis sie ihre Selbständigkeit im Alltag erlangt haben. «Im Zentrum stehen nebst einem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung die Förderung der persönlichen Stärken, die Vorbereitung für das selbständige Wohnen und Führen eines Haushalts sowie die Beratung bei Schwierigkeiten am Arbeitsplatz oder in der Schule», erklärt Otmar Dörflinger, Direktor des Kinder Dörflis.

Vier Sozialpädagogen, die sich 280 Stellenprozente aufteilen, betreuen die Jugendlichen, die von Sonntag- bis Freitagabend in Züberwangen wohnen.

Nachfrage besteht

Rund 80 Jugendliche haben in den vergangenen zwanzig Jahren durchschnittlich knapp zwei Jahre an der Dorfstrasse 27 in Züberwangen verbracht und meist erfolgreich die Ausbildung beendet und anschliessend den Alltag alleine in Angriff genommen. Die Aussenwohngruppe sei eigentlich immer voll belegt gewesen, sagt Dörflinger.

Das Angebot habe sich bewährt und entspreche einem gesellschaftlichen Bedürfnis. Eine weitere Lehrlingswohnung könnte wohl problemlos gefüllt werden, so Dörflinger, «aber wir wollen unser Angebot lieber differenzieren als ausbauen».

Unterstützend wirken

Steffen Fischer, der Leiter der AWG Züberwangen, arbeitet seit 15 Jahren im Kinder Dörfli Lütisburg.

Er kennt den Alltag der Jugendlichen und staunt immer wieder, mit welchen unglaublichen Problemen diese jungen Frauen und Männer kämpfen und wie sie – oft originell – nach Lösungen suchen, aber auch, wie schwierig sich eine Lösungsfindung abzeichnen kann. Die Betreuenden wirken immer unterstützend und begleitend. «Die Jugendlichen sind <freiwillig> hier, das geben wir ihnen zu spüren», so Fischer.

Entsprechend müssen sie auch Eigenverantwortung übernehmen und sie entscheiden auch selber, welche Angebote sie annehmen wollen. Allerdings gibt es auch Regeln. Es wird gemeinsam am Abend gegessen, am Montag ist Lernabend und die Bewohner müssen aktiv im Haushalt, beim Kochen sowie beim Besorgen der Wäsche mithelfen.