Weder Platz noch Zeit zum Festen

Die Hüttenbauer im Hohrainwald kommen schneller vorwärts, als sie gedacht haben. Sie freuen sich über die Hilfsbereitschaft aus der Region. Trotzdem gibt es nicht wie angekündigt ein Aufrichtefest für die ganze Bevölkerung.

Natalie Brägger
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Direkt am Bauplatz: Kameramann, Tontechniker und Reporter sind immer dabei, hier bei einem Kurzinterview mit Architekt Christian Blaser. Gestern unterstützten freiwillige Helfer (rechts) die Hüttenbauer. (Bild: nb.)

Direkt am Bauplatz: Kameramann, Tontechniker und Reporter sind immer dabei, hier bei einem Kurzinterview mit Architekt Christian Blaser. Gestern unterstützten freiwillige Helfer (rechts) die Hüttenbauer. (Bild: nb.)

Niederhelfenschwil. Als der Architekt Christian Blaser sein Projekt an der Gemeindeversammlung Ende März der Niederhelfenschwiler Bevölkerung vorstellte, sprach er von drei Festen, die er in Zusammenhang mit dem Hüttenbau im Hohrainwald feiern wollte: Holzernte-, Aufrichte- und Einweihungsfest. Von den drei Anlässen ist nur einer übrig geblieben. Am 22. Juli wird die Hütte zusammen mit der Bevölkerung eingeweiht. «Ich möchte an der Idee mit den Feiern festhalten», erklärte Blaser gestern bei einem Medientermin im Hohrainwald. Allerdings müssten diese in kleinerem Rahmen – nur mit dem Bau- und Planungsteam – gefeiert werden. «Wenn wir mit der ganzen Bevölkerung feiern würden, hätten wir ein logistisches Problem», erklärte Blaser. Es seien weder genügend Parkplätze noch Verköstigungsmöglichkeiten vorhanden.

Willi Braun mit Pferd im Einsatz

Ein zu grosser Menschenandrang entspräche auch nicht dem Prinzip der ökologischen Nachhaltigkeit, das die Kandidaten erfüllen müssen. Sie dürfen in der gesamten Bauzeit nur 300 Liter Benzin brauchen. Am Dienstag kamen sie diesbezüglich bereits an ihre Grenzen, sie hatten in zwei Tagen schon 90 Liter verbraucht. Um Holz zu rücken wurde darum der Niederhelfenschwiler Willi Braun mit einem Pferd engagiert. «Wir haben von Anfang an geplant, für diese Arbeiten ein Pferd einzusetzen», erklärte Förster Hitsch Rohner. Revierförster Leo Hess habe ihnen dann Willi Braun empfohlen. «Ansonsten hätte ich einen Unternehmer aus meiner Wohnregion angefragt», ergänzte Hitsch, «das wäre mit dem Transport aber sehr umständlich gewesen.» Hitsch Rohner ist zufrieden mit dem bisherigen Bauverlauf: «Wir haben abgesprochen, dass wir am Anfang Gas geben und das ist uns gelungen.» Dass der Förster mit viel Freude an der Arbeit ist, sieht man ihm an. Er ist denn auch der Letzte der zur Znüni-Pause kommt und einer der Ersten, der wieder an die Arbeit geht. «Ich geniesse für einmal die Zeit ohne Natel, Portemonnaie und Laptop», gibt er offen zu. Freude machte ihm die spontane Hilfsbereitschaft zweier Velofahrer am Dienstagabend. Sie hätten zwei Douglas-Tannen gefällt und dazu die Velofahrer angefragt, ob sie ihnen kurz die Strasse sperren würden. «Sie haben spontan zugesagt und alles funktionierte bestens», freute sich Hitsch. Vor Kurzem hätten sie von einer Anwohnerin gar eine Schüssel mit Kirschen geschenkt bekommen.

Einkauf im Dorf

Freude an den Menschen rund um den Hohrainwald hat auch Liza Andrea Kuster. Sie ist für die Verköstigung der Hüttenbauer zuständig. Auf ihre Aufgabe hat sie sich sehr gut vorbereitet. Die Menüs für die ganzen drei Wochen hat sie im Voraus ausgesucht und extra für «Die Hüttenbauer» ein Rezeptbuch zusammengestellt. Nun fährt die Bernerin jeden Tag mit dem Velo nach Niederhelfenschwil, um einzukaufen. «Die Leute sind sehr hilfsbereit und sympathisch», erklärte die mediengewandte Abenteurerin. Sie würde im Dorf oft angesprochen und die Leute freuten sich, sie zu sehen.

Von Lagerkoller ist weder bei der Bernerin noch bei anderen Kandidaten etwas zu spüren. Darüber, dass sich dies ändern könnte, wenn es einmal regnet, machen sich die Hüttenbauer zurzeit wenig Gedanken.