WECHSEL: Ordner geht in jüngere Hände über

Franklin Munishi übernimmt von Roland Bosshart das Präsidium der Wiler CVP. Drei Frauen nehmen neu in der Parteileitung Einsitz. Im Namen der CVP verschwindet Bronschhofen.

Philipp Haag
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Philipp Haag

philipp.haag@wilerzeitung.ch

Nach einem frostigen Winter, blüht der Frühling bei der Wiler CVP wieder in sattem Orange: Die Enttäuschung über die Erneuerungswahlen in den Stadtrat und ins Stadtparlament vom vergangenen September ist überwunden, nun kommt es zu einem Generationenwechsel, zumindest einer Auffrischung im Vorstand der Ortspartei. Franklin Munishi übernimmt das Präsidium von Roland Bosshart. Munishi verkörpere die junge Generation in der CVP, sagte Bosshart an der Hauptversammlung vom Dienstagabend. Bosshart hatte die Ortspartei drei Jahre lang geführt. Munishi wirkt seit acht Jahren im Vorstand der CVP mit, zuerst in Bronschhofen, seit der Vereinigung hat er in derjenigen von Wil-Bronschhofen das Amt des Kassiers inne. Der 38-Jährige arbeitet als Leiter der Arbeitslosenkasse beim Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich. Er ist verheiratet und hat vier Kinder.

Munishi zur Seite stehen fünf neue Mitglieder: Ivana Manjolovic, Corina Schmid, Beat Gisler sowie die Stadtparlamentarier Christa Grämiger und Erwin Schweizer. Sie komplettieren die Parteileitung, wobei sich Bosshart besonders über die drei Frauen freut. Bestätigt wurden die bisherigen Ruedi Schär und Prend Berisha. Ebenfalls Einsitz nehmen von Amtes wegen der Fraktionschef im Stadtparlament, Christoph Gehrig, sowie Hans Peter Tobler als Vertreter von CVP 60plus.

«Enttäuschendes und ernüchterndes Ergebnis»

Bosshart hielt einen kurzen Rückblick auf das «enttäuschende und ernüchternde Ergebnis» bei den Erneuerungswahlen in die Exekutive und Legislative vom vergangenen Herbst. Damals war Stadtrat Marcus Zunzer abgewählt worden. Die Parlamentarier Peter Eberle, Hans-Peter Hutter und Adrian Ruckstuhl verpassten die Wiederwahl. Sonja Ruckstuhl hatte verzichtet. Verfügte die CVP in der letzten Legislatur über 13 Parlamentarierinnen und Parlamentarier und war die grösste Fraktion, sind es nun deren neun. Die mehr als 200 Mitglieder zählende CVP besetzt gleich viele Sitze im Parlament wie die SVP, die Siegerin der Wahlen. «Wir sind nach wie vor die wählerstärkste Partei in Wil und die grösste Fraktion», sagte Bosshart. Dies aber nur, weil der EVP-Vertreter Roman Rutz in der CVP-Fraktion politisiert. Sie hätten die Wahlen analysiert und überlegt, was sie besser machen könnten. Die Erkenntnis: Mit einer jungen CVP-Liste antreten, den Wahlkampf früher starten und Themenfelder besetzen, wie Bosshart sagte. Diese betreffen im Besonderen die Familie und die Mittelschicht. Gelingen soll dies unter anderem durch zahlreichere Vorstösse im Stadtparlament. Alle aus Parlament und Stadtrat Ausgetretenen sowie Praxedis Schär, die aus dem Schulrat ausgeschieden ist, wurden von den 38 Parteimitgliedern mit Applaus verabschiedet.

«Gangart ist ruppiger geworden»

«Familienthemen liegen uns am Herzen», sagte auch Fraktionspräsident Christoph Gehrig. Gegenwärtig gestaltet sich die Parlamentsarbeit nicht nur spannend mit Themen wie «Schule 2020», FC Wil oder Wil Tourismus, sondern auch schwierig. «Die Gangart in den Debatten ist ruppiger geworden», sagte Gehrig. Es werde nicht nur sachlich diskutiert. «Oft sind Emotionen im Spiel.» Die Kommunikation sei schwieriger geworden. Die CVP behalte ihren Stil aber bei: «ruhig, sachlich und konstruktiv». Allerdings dürfe die Fraktion durchaus etwas hartnäckiger und kritischer auftreten. «Wir müssen auch den Mut haben, mehr Vorstösse zu lancieren.» Die CVP ist «keine Wischiwaschi-Partei», betonte Gehrig. Im Gegenteil, es sei eine Stärke, in der Mitte zu politisieren. Die CVP sei oft «der Feuerlöscher» zwischen den Links-Rechts-Polen. «Wir sind zusammengewachsen», sagte Präsident Bosshart zum Abschluss. Aus diesem Grund beantragte er den Namenswechsel von CVP Wil-Bronschhofen in CVP Wil, welchen die Parteimitglieder deutlich genehmigten.